Knappe zehn Kilometer liegen immerhin zwischen Reith und Schwärzelbach, getrennt von der B27 und mit Wartmannsroth und Oberthulba in unterschiedlichen Gemeinden liegend. Aber wenn kleine Fußball-Vereine ihre Kräfte bündeln müssen, spielen geografische und emotionale Distanzen eine untergeordnete Rolle. Auf immerhin um die 1000 Einwohner bringen es beide Dörfer. Daraus ließ sich im Juni 2008 allerdings beileibe keine Favoritenstellung ableiten vor dem Showdown gegen die DJK Burghausen/Windheim. Gerade mal um die 700 Personen bevölkern diese beiden Münnerstädter Stadtteile.

Um einen Platz in der Kreisklasse ging es im Relegationsspiel auf neutralem Geläuf in Reiterwiesen, das 410 Zuschauer anlockte. "Das war eine vergleichsweise geringe Kulisse, was aber für uns vielleicht ein Pluspunkt war. Vor 1000 Zuschauern wäre das Nervenflattern wohl größer gewesen", meint rückblickend Burghausens Torjäger Christian Kiesel, dessen Elf die Saison in der Kreisklasse Rhön 2 als Tabellen-13. beendet und damit den direkten Abstieg vermieden hatte. Runter in die A-Klasse sollte es für den TSV Steinach und die DJK Schondra II gehen.

Mit einer Portion Selbstvertrauen liefen dagegen die Reither und Schwärzelbacher auf nach dem 4:3-Sieg im ersten Relegationsspiel über die DJK Premich, dem Vizemeister in der anderen A-Klasse. "Wir gingen daher optimistisch in die Partie, waren gut vorbereitet und fieberten nach einem gemeinsamen Mittagessen dem Match entgegen", erinnert sich ihr damaliger Trainer Dietmar Fella. Allerdings hatte Fella, der wenig später seine Fußballkarriere ausklingen ließ und sich dem Golf zuwandte, beim Bad Kissinger Golfklub bekleidet er aktuell das Amt des 2. Vorsitzenden, mit personellen Problemen zu kämpfen. Für den verletzten Stammkeeper Thomas Jänigen stand in Reiterswiesen Holger Hahn zwischen den Pfosten, auf der Ausfallliste stand zudem der torgefährliche Matthias Trischler.

Der Wetterumschwung hilft nur einem Team

Aber auch der Kollege auf der anderen Seite, Spielertrainer Camillo Floth, ging nicht sorgenfrei in die Begegnung, mussten doch Christian Gruschka, nach Heirat unter dem Namen Kühnlein heute noch beim Kreisligisten Teutonia Reichenbach aktiv, sowie die langzeitverletzten Defensivkünstler Christoph und Daniel Hein passen. Der Kreisklassist aus den westlichen Münnerstädter Stadtteilen kam besser in die Partie, verzeichnete in der ersten Halbzeit aber genauso wenig klare Möglichkeiten wie die Fella-Elf. Als die Akteure nach dem Kabinengang den mittlerweile regennassen Rasen betraten, schien der Wetterumschwung die Floth-Schützlinge zu beflügeln, die mutiger agierten und zügig in Führung gingen, als Tobias Hein Keeper Hahn mit einem platzierten Schuss keine Abwehrchance ließ.

"Der Rückstand hätte unsere Offensivleistung mobilisieren müssen, doch wir blieben weiterhin harmlos. Nichts vom dem, was wir uns vorgenommen hatten, hat funktioniert", sagt Fella. Die DJK Burghausen/Windheim blieb am Drücker mit einem Abseitstor von Christian Kiesel (49.) und einem Pfostenschuss von Johannes Hein, der kurz darauf nach einem Steilpass dann doch für die frühe Vorentscheidung sorgte. "Danach war unser Widerstand irgendwie gebrochen. Wir haben zwar alles versucht, doch der zweikampfstarke Gegner hat uns weiter nicht ins Spiel finden lassen", so Fella, der dem verpassten Direktaufstieg nachtrauert: "Wir hatten damals eine Klasse-Truppe, wahrscheinlich die spielerisch beste der Vereinsgeschichte. Unser Pech war, dass der Meister FC Westheim noch einen Tick stärker war."

Der Trainer als Vorbild

Die Mannen aus Burghausen und Windheim verwalteten den Vorsprung über die restliche Spielzeit. "Diese Nervenschlacht hätten wir uns ersparen können, wenn wir nach einer starken Saison 2006/07 nicht einen unerklärlichen Leistungsabfall zu beklagen gehabt hätten", sagt Kiesel. Der frühere Goalgetter und Standard-Spezialist spricht seinem damaligen Coach Camillo Floth noch ein Sonderlob aus: "Was der Camillo uns damals taktisch beigebracht hat, war prima. Wir haben alle auf ihn gehört. Was auch daran lag, dass unser Trainer selbst immer eine hundertprozentige Leistung gezeigt hat und genau das uns abverlangte."

Die eher unaufgeregte Partie endete mit einer Roten Karte, die Schiedsrichter Norbert Hemmerich (Stetten/Rhön) Steffen Albert nach einer Tätlichkeit gegen Christian Kiesel zeigte. "Daran kann ich mich ehrlich gesagt nur vage erinnern", so der Gefoulte, der sich später ab und an die Torwarthandschuhe überstreifen sollte und nach der Saison 2017/18 seine lange und erfolgreiche Karriere beendete.

Die Spieler aus Burghausen und Windheim kicken mittlerweile als Spielgemeinschaft mit der Reserve des FC Reichenbach in der A-Klasse, die Reither zusammen mit dem SV Hassenbach und der zweiten Mannschaft des TSV Oberthulba in der B-Klasse.

DJK Reith/Schwärzelbach - DJK Burghausen/Windheim 0:2 (0:0).

Tore 0:1 Tobias Hein (47.), 0:2 Johannes Hein (58.).

Rot Steffen Albert (88./Reith/Schwärzelbach).

DJK Reith/Schwärzelbach Holger Hahn, Marco Fuß (ab 41. Markus Straub), Christoph Keßler, Andreas Mecke, Steffen Albert, Daniel Gründl, Brian Müller, Frank Vogler, Martin Trischler, Marcel Bold (ab 58. Dietmar Fella), Timo Loh.

DJK Burghausen/Windheim Stephan Dünisch, Tobias Hein, Sebastian Beck (ab 86. Oliver Beck), Hartwig Kirchner (ab 26. Camillo Floth), Matthias Katzenberger, Manuel Fuchs (ab 62. Andreas Schmitt), Steffen Nöth, Christian Nöth, Christian Kiesel, Patrick Memmel, Johannes Hein.