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Hammelburg
Volleyball 2. Bundesliga

Ein krasser Energieverlust in Hammelburg

Weil den Saalestadt-Volleys die Puste ausgeht, gewinnt der Primus aus Karlsruhe doch noch klar.
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Starken Karlsruhern hatten die Hammelburg Volleys um (von links) Laurentiu Vinatoru, Nils Rehmeier und Moritz Rauber nur in den ersten beiden Sätzen etwas entgegenzusetzen. Danach war der Primus nicht mehr zu bremsen. Foto: Jens Feistel
Starken Karlsruhern hatten die Hammelburg Volleys um (von links) Laurentiu Vinatoru, Nils Rehmeier und Moritz Rauber nur in den ersten beiden Sätzen etwas entgegenzusetzen. Danach war der Primus nicht mehr zu bremsen. Foto: Jens Feistel

Hammelburg Volleys - SSC Karlsruhe 1:3 (25:23, 20:25, 17:25, 14:25).

Die Duracell-Hasen in ihren rot-gelb-weißen Trikots hüpften durch die Saaletalhalle. Bestens gelaunt und immer noch energiegeladen. Ein paar Meter weiter der krasse Gegensatz: erledigte, geknickte und in sich zusammengesunkene Hammelburger. Klar, gegen den Tabellenführer kann man verlieren, aber es wäre mehr drin gewesen für die Saalestädter, die doch so formidabel in dieses Spitzenspiel gestartet waren. Unterstützt von 550 Fans, die wie die Protagonisten Bock auf Volleyball hatten. Die irre gute Stimmung beflügelte die Heimmannschaft, die kurzfristig auf den verletzten Luca Dierks verzichten musste, für den Janick Sill in die Startsechs rotierte. Im extrem ausgeglichenen ersten Satz war es der spätere Silber-MVP Nils Rehmeier, der mit starken Aktionen den Glauben an einen Coup am Leben hielt.

Körpersprache, Spielintelligenz und Angriffswucht, all das passte bei den Hammelburgern, die in der finalen Phase des Auftaktsatzes beim 22:23-Rückstand zusätzlich mit Nervenstärke punkteten - beim verwandelten Satzball rastete das Publikum förmlich aus. Im Pokal hatte man sich den Badenern noch mit 0:3 geschlagen geben müssen, jetzt hatte man den Primus im Schwitzkasten - als der Tank noch voll war. Mit 8:5 führten die Unterfranken zur ersten technischen Auszeit von Satz zwei, zur zweiten mit 16:14. Dynamik und Wucht stimmten, ebenso die Präzision bei klug gesetzten Bällen von Oscar Benner und Moritz Zeitler. Aber diese Karlsruher blieben immer dran mit erstaunlicher Coolness, die von Selbstvertrauen zeugt.

Mit einem SSC-Ass zum 19:20 aus Hammelburger Sicht wendete sich das Blatt. In dieser entscheidenden Phase brachte Hammelburgs Coach Cornel Closca mit David Baden und Zuspieler Hannes Krochmann zwei Youngster, aber die erhoffte Frischzellen-Kur sollte ausbleiben, nicht zuletzt aufgrund zweier ärgerlicher Fehler in der Annahme. "Unsere Wechsel haben diesmal nicht die Wirkung gezeigt wie in den Spielen in Mainz oder Frankfurt. Wir wollten uns gegen diesen starken Gegner gut verkaufen, doch es hat leider nicht gereicht", sagte Closca.

Wobei auch im dritten Satz zunächst alles im Lot war angesichts einer 8:5-Führung. "Hammelburg hat, wie wir auch, eine starke Mannschaft. Im ersten Satz haben wir einige Fehler gemacht, aber man darf nicht vergessen, dass unser Tabellenplatz sehr ungewohnt für uns ist. Unsere große Stärke war, dass wir ruhig geblieben sind", sagte später Gästetrainer Antonio Bonelli zum folgenden 11:4-Lauf seiner Mannschaft, die den Satz wohl auch ohne das Zutun der Schiedsrichter gewonnen hätte. Einige höchst umstrittene Entscheidungen zu Gunsten der Badener quittierten die Zuschauer jedenfalls mit empörten Buhrufen.

Hammelburgs Trainer setzte weiter auf Rotation, beorderte Ben Stoverink und weiter Krochmann aufs Feld, "aber wir müssen akzeptieren, dass die Karlsruher Wechsel wesentlich effektiver waren als unsere. Das war ein klares Plus beim Gegner" wusste Closca, dessen Truppe ab dem 6:6 regelrecht in ein Loch fiel. Rapider und irreparabler Energieabfall, während der Kontrahent bei voller Power-Anzeige den verdienten Sieg eintütete. Vor der Weihnachtspause wartet auf die Hammelburg Volleys am kommenden Wochenende noch ein Doppelspieltag mit anspruchsvollen Auftritten in Grafing (Samstag) und Friedrichshafen. "Die Luft ist langsam weg, aber das war zu erwarten. Wir müssen darum kämpfen, weiter Spaß am Spiel und Trainieren zu haben", sagt Closca. Letzte Schubkraft braucht's also - und vielleicht einen Energieberater von den heimischen Stadtwerken.