FC 05 Schweinfurt - VfB Eichstätt 4:1 (2:1). Tore: 1:0 Steffen Krautschneider (19., Foulelfmeter), 1:1 Lucas Schraufstetter (21.), 2:1, 3:1 Adam Jabiri (42., 85.), 4:1 Christopher Kracun (89.).

"Heute hat man gesehen, was eine klasse Mannschaft ist." Markus Mattes ist Trainer des VfB Eichstätt und war beeindruckt vom FC 05. Mit 1:4 hatte sein Team gerade in Schweinfurt verloren, trotz couragierten Starts, eines verdienten Ausgleichstreffers und sogar Chancen zur eigenen Führung. Dann aber, die letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit und die gesamte zweite, zeigten die 05er, wer Herr im Haus, das Willy-Sachs-Stadion heißt, ist. "Ja, so gewinnt eine Spitzenmannschaft", entfuhr selbst dem sonst um maximale Zurückhaltung bemühten 05-Coach Gerd Klaus ein Anflug von Euphorie. Rückschlag hinnehmen, kurz, aber intensiv wackeln, sich wieder finden, konditionelle Übermacht nutzen und eiskalt die wenigen Chancen nutzen - der Schweinfurter Sieg war letztlich ein beeindruckender.


05er mehrfach in Angst versetzt

Ja, ja, gegen einen Aufsteiger, mögen Berufspessimisten tönen. Aber einen Aufsteiger von Format und mit einem überragenden Stürmer, den die Schweinfurter gerne hätten. Doch Fabian Eberle ist Grundschullehrer, will kein Profi sein und fühlt sich in Eichstätt bestens aufgehoben. Am Freitagabend überließ er es zwar Lucas Schraufstetter, die 1:0-Führung des FC 05 durch Steffen Krautschneiders Elfmeter-Lupfer (19.) fast postwendend auszugleichen, versetzte die Abwehr des Gastgebers samt Torhüter Alexander Eiben anschließend mehrfach in Angst und Schrecken. Passieren konnte das freilich nur ob der viel zu hohen Anzahl an VfB-Standards. "Wir haben viele blöde Freistöße verursacht", befand auch 05-Flügelflitzer Marius Willsch. "In der Halbzeit haben wir darüber gesprochen, das klipp und klar zu vermeiden. Wir haben inzwischen die Qualität, uns von Rückschlägen nicht gleich aus der Bahn werfen zu lassen."

Sein Trainer hatte ob der Nachlässigkeiten bereits vor der Pause am Spielfeldrand reichlich gestikulieren müssen. "Das waren zu viele Fouls. Wir haben Eichstätt so die langen Bälle auf die kopfballstarken Offensivspieler erst ermöglicht", so Klaus. "Aber wir haben dann gesagt, dass wir nichts mehr zulassen. Und das haben wir auch gemacht." Der VfB hatte nach dem Wechsel keine einzige Torraumszene mehr, der Rest war Schweinfurter Effektivität: Adam Jabiri, der schon das 2:1 besorgt hatte (42.), vollendete einen Vier-gegen-Zwei-Konter (87.), Christopher Kracun empfahl sich bei seinem 4:1 aus 25 Metern fürs Tor des Monats (89.). "Meine Quote interessiert mich nicht, in Nürnberg habe ich viel gearbeitet, aber andere haben getroffen. Da bin ich genauso glücklich", gab Jabiri den Bescheidenen - und auch den Vorsichtigen: "Wir haben gegen Eichstätt wieder gesehen: Es gibt keine leichten Gegner in dieser Liga. Wir müssen jedes Mal 100 Prozent geben, sonst haben wir keine Chance auf die drei Punkte."


Tabellenführer - für's Erste

Dass die Schweinfurter in ihrem Wachstumsprozess gut voran kommen, zeigten bereits die ersten beiden Punktspiele, die den FC 05 dank der zwei deutlichen Siege fürs Erste auf Platz Eins gespült haben. In Nürnberg der relativ schnelle Anschlusstreffer des FCN zum 2:1, in Schweinfurt der Eichstätter der postwendende Ausgleich zum 1:1. Die Mannschaft wirkt beinahe stoisch im Umgang mit Rückschlägen. Unbeirrt laufen die Angriffe über die Außenpositionen, wo Willsch und Krautschneider feste Größen sind. Zentral hat sich Nikola Jelisic deutlich zurückgenommen: Bisweilen sinnfreie Dribblings und Abschlüsse sind Geschichte, der neue Jelisic ist deutlich unscheinbarer, aber auch effektiver und damit wertvoller für die Mannschaft. Philip Messingschlager, vor ein paar Monaten noch gelegentlich Bruder Leichtfuß, ist rechts hinten schier unüberwindbar - und Jabiri am anderen Ende der Tabelle auf dem Weg, der Top-Torjäger zu werden, den die Schweinfurter gesucht haben.

Am Dienstag (19 Uhr) wartet auswärts mit dem FC Pipinsried der nächste Aufsteiger auf den FC 05. Und der, man darf sich diese Momentaufnahme ruhig auf der Zunge zergehen lassen, kann dort seine Tabellenführung mit einem Sieg verteidigen.

Schweinfurt: Eiban - Messingschlager, Strohmaier, Wolf, Janz (46. Paul) - Kling (46. Fery), Kracun - Willsch, Jelisic, Krautschneider (78. Fritscher) - Jabiri.