Wenn in der Rhön leidenschaftlich über die Anlaufschwierigkeiten fusionierender Vereine diskutiert wird, dann kann man in Oberleichtersbach und Modlos darüber nur ganz milde lächeln. Das Thema Spielgemeinschaft hatte man in Oberleichtersbach schon in den 1960er Jahren auf der Tagesordnung. Was heute nur noch die wirklich Alteingesessenen wissen: Einst gab es im beschaulichen Ort Oberleichtersbach zwei konkurrierende Sportvereine. Den VfB Oberleichtersbach und die DJK Rhön. Die Wurzeln des VfB reichen weit zurück bis in die Nachkriegszeit, wobei sich der Verein von Anfang an nicht allein auf die sportlichen Aktivitäten reduzierte, sondern allerlei gesellschaftliche Ereignisse wie Faschingsbälle, Sommerfeste und Tanzabende auf die Beine stellte. Das Motto des auf Anhieb gut funktionierenden Vereins lautete zunächst "Sportliche Bewegung und freundschaftliche Begegnung".


Eine Krise spaltet das Dorf

Doch in den Sechzigern kommt eine gewaltige Krise bei den Mitgliedern auf. Das Dorf spaltet sich in verschiedene Interessensgruppen, und es wird in einer Art Protesthaltung ein weiterer Sportverein ins Leben gerufen: eben jene DJK Rhön. In den Jahren 1966 bis 1968 versucht Heribert Lembach mit Engelsgeduld, die beiden rivalisierenden Vereine irgendwie zusammenzuführen. Es entwickelt sich eine Konstellation, die seinerzeit eine mittelschwere Revolution in der Rhön darstellte: Die Spielgemeinschaft SG Eintracht Oberleichtersbach.


Hinter verschlossenen Türen

Doch es sollte viele Jahre später noch ein weiterer Einschnitt in der Vereinsgeschichte folgen. In der Saison 2002/03 hatten die Oberleichtersbacher so wenig Fußballer für die erste Mannschaft, dass ein regulärer Spielbetrieb auf der Kippe stand. Der benachbarte MSV Modlos hatte ein ganz ähnliches Problem. Deswegen trafen sich beide Vereinsführungen im Juni 2003 hinter verschlossenen Türen, um neue Lösungen für das weitere Bestehen beider Vereine zu suchen, denen in ihren jeweiligen Ortschaften eine besondere gesellschaftliche Bedeutung zukommt. "Seitdem spielen wir abwechselnd in Modlos und Oberleichtersbach", berichtet der Oberleichtersbacher Abteilungsleiter Christian Zirkelbach. "Das funktioniert. Daran wird sich auch nichts ändern."


Die AH-Kicker als Vorreiter

Zumal der Zusammenschluss der Modloser und Oberleichtersbacher irgendwie auch die logischste aller möglichen Optionen war. Denn die "Alten Herren" hatten schon im Jahr 1996 fusioniert, auch im Jugendbereich wurden längst die ersten Spielgemeinschaften mit den Modlosern gebildet. Die SG Oberleichtersbach ist damit zumindest im Landkreis quasi die "Mutter aller Spielgemeinschaften", auch wenn der Bayerische Fußballverband nicht immer hellauf begeistert gewesen war.

Am Sonntag kommt mit dem TSV Stangenroth ein Team nach Oberleichtersbach, das als ziemlich torhungrig und angriffslustig gilt. Kapitän Enrico Rauch gibt mit bereits fünf Treffern in dieser noch ganz jungen Saison die Marschroute vor. "Die Offensive der Stangenröther ist stark, ganz stark", sagt denn auch Steffen Schneider, seines Zeichens Trainer der SG Oberleichtersbach/Modlos. "Wir haben das in der vergangenen Saison schon mitbekommen, dass der TSV-Sturm sehr gut besetzt ist. Wenn die Mannschaft überhaupt mal Probleme hatte, dann eher in der Defensive. Vielleicht können wir daraus am Sonntag Kapital schlagen", orakelt Schneider. "Auf jeden Fall haben wir Respekt vor dem Stangenröther Offensivfußball."


Manuel Endres: ein Spitzenspiel

Für Manuel Endres, Abteilungsleiter beim TSV Stangenroth, ist die Partie an der B27 schon jetzt richtungsweisend für die bevorstehende Saison. "Man kann eigentlich von einem echten Spitzenspiel sprechen. Schließlich sind die Mannschaften in der vergangenen Saison auf Platz drei und vier gelandet. Hinter den Erthaler Vereinen." Nach dem Aufstieg von Ober- und Untererthal sieht Endres vollkommen neue Voraussetzungen für eine "richtig spannende Saison". In der zurückliegenden Spielzeit hätten die Nicht-Erthal-Vereine doch recht frühzeitig ihre sportlichen Ziele zurückschrauben müssen. "Mit unseren Neuzugängen und einer tollen Trainingsbeteiligung gehen wir positiv gestimmt in die Saison. Wir wollen wieder oben mitspielen", zeigt sich Endres optimistisch. Gibt aber im gleichen Atemzug dann sofort den Rhöner Realisten: "Man muss nur auf die Tabelle schauen. Da stehen drei Mannschaften oben, die alle sieben Punkte auf dem Konto haben. Ich bin überzeugt, dass es bis zum Ende so knapp zugehen wird. In dieser Saison kann wirklich jeder jeden schlagen."

Klar ist aber wohl auch, dass die Stangenröther nach dem Aufstieg der beiden "Überflieger" heuer ganz gute Karten haben. Neuzugang Daniel Roßkopf, der aus Elfershausen zum TSV wechselte, hat sich schon jetzt als echte Verstärkung für das Team entpuppt. "Er hat viel Erfahrung und hilft uns damit sofort weiter. Er ist im defensiven Mittelfeld eine echte Stütze. Überhaupt hatten wir mit allen unseren Neuverpflichtungen ein glückliches Händchen. Maximilian Beck und Florian Krug wurden zum Beispiel auch sofort integriert." Hilfreich sei zudem die Rückkehr von Florian Weh ner, der verletzungsbedingt pausieren musste und nun wieder zu alter Form findet. "Er hat wirklich lange gar nicht spielen können und nun gleich schon wieder seine Tore geschossen. Da sieht man einfach, wie wichtig er für uns ist."

Mit zwei Siegen und einem Remis sind die Stangenröther Jungs in die Saison gestartet. "Ich bin damit auf jeden Fall zufrieden, auch wenn gegen Obereschenbach ein paar unglückliche Zufälle zum Unentschieden geführt hatten." Doch ohnehin denkt man in Stangenroth gar nicht so viel über einzelne Ergebnisse nach. "Wichtig ist, dass im Training alle mitziehen. Und da läuft es momentan echt gut." Und den unbändigen Offensivdrang will man sich beim TSV nicht nehmen lassen. "Diese A-Klasse ist attraktiv. Da sind starke Mannschaften dabei. Daher ist es auch sehr schwer, einen Meistertitel anzustreben." Dass die Stangenröther glänzen können, hatten sie im Jahr 2012 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Seinerzeit bezwang der TSV den SV Wildflecken mit 2:1 in der Relegation und stieg damit in die Kreisklasse 1 auf. Dort konnten sich die Stangenröther zwar nicht festbeißen, jedoch wertvolle Erfahrungen sammeln, die im Team bis heute fest verankert sind.


Auslandserfahrung...

Von der Qualität der konkurrierenden Teams ist auch SGO-Coach Schneider überzeugt. Um sportlich mithalten zu können, setzen die Oberleichtersbacher nun ganz stark auf die Jugend. Wobei das gar nicht so einfach ist, weil es die Youngster derzeit stark ins Ausland zieht. "Australien und Neuseeland oder auch Vietnam liegen aktuell stark im Trend", schmunzelt Abteilungsleiter Zirkelbach. Und so wird es trotz eines üppigen Kaders in der aktuellen Urlaubszeit "manchmal schon etwas eng", berichtet Schneider, der darin aber auch eine gute Chance für die Jugendlichen sieht, "weil man sie schon jetzt nicht mehr wegdenken kann". Längst hat die SGO auch im Jugendbereich die Zeichen der Zeit erkannt und kooperierte in den zurückliegenden Jahren bereits mit dem SV Römershag, dem SV Detter/Weißenbach oder auch dem FSV Schönderling.


So tippt die Prominenz

Sebastian Vogt und Peter Schmäling aus Oberleichtersbach schicken ihren Tipp per Facebook-Nachricht aus Vietnam: Wir sind uns beide einig, dass wir 2:1 gegen Stangenroth gewinnen. Der Herr Wittmann wird schon eine Bude machen.

Maximilian Schmitt tippt einen 2:0-Erfolg für seine SGO: Weil wir den Laden diesmal hinten dicht machen.

Philipp Klug hofft auf einen attraktiven 3:2-Sieg für Oberleichtersbach: Weil beide Teams eine wirklich gute Offensive haben.

Siegfried Eyrich, der Vorsitzende des TSV Stangenroth, geht von einem 3:1-Erfolg für den TSV aus, weil er auch nach über zehn Jahren im Amt vom Offensivfußball seiner Elf begeistert ist.

Enrico Rauch, der Kapitän des TSV Stangenroth, rechnet mit einer ganz engen Kiste und tippt auf einen 2:1-Sieg der Stangenröther gegen einen starken Gegne