Hammelburg Volleys - Blue Volleys Gotha (Samstag, 18 Uhr)

Es war eine Überraschung. Vielleicht schon eine Duftmarke des Trainers: Für das Spiel in Grafing am vergangenen Wochenende nominierte Headcoach Philipp Fischer vier Frischlinge im Kader der Männermannschaft: Lukas und Leon Greinwald, Jonathan Baden und Finn Jansen. Es sind nicht irgendwelche Nachwuchsspieler, sondern die Söhne einstiger Akteure. Das hat durchaus System.

Frank Jansen kann sich freuen. Sein Sohn Finn hat es schon zum zweiten Mal in den Kader der 1. Mannschaft geschafft. Sollte er an diesem Samstag gegen Gotha eingesetzt werden, darf er sich Zweitligaspieler nennen - mit 16 Jahren.

Aber eigentlich hat Finn Jansen schon jetzt mehr erreicht, als es sein Vater oder seine Mutter jemals taten. Der spielte um die Jahrtausendwende in der Bayernliga. Finn gehört zum erweiterten Kader der Bayernauswahl, genoss in der Hinrunde Zweitspielrecht beim TSV Eibelstadt in der Dritten Liga. Von dort kennt ihn auch Trainer Fischer.

Wie sein Sohn freut sich auch Frank Jansen sehr über die Nominierungen. "Ich bin echt happy. Es ist schön zu sehen, dass er sein Ziel verfolgt und erreicht." Beiden ist aber bewusst, dass das nur ein Schritt unter vielen zum gestandenen Bundesligaspieler ist.

Auch Thomas Greinwald macht es "stolz, dass die Jungs den Sprung an den Rand der 1. Mannschaft schaffen". Als Jugendtrainer im Verein hat er seine Söhne Lukas und Leon sowie die beiden Anderen auf ihrem Weg begleitet. Alle Vier entstammen dem relativ starken Jahrgang 2003/04 und könnten gemeinsam oben ankommen.

Ansonsten will Greinwald, der in den 1980er-Jahren dritte Liga spielte, die Bälle flachhalten. Zum einen, weil noch ein ganzes Stück für oben zu schaffen sei. Zum anderen soll nicht der Eindruck entstehen, nur Kinder von Vorstandsmitgliedern schafften es in die 1. Mannschaft. Der 50-Jährige hat aus dem Jahrgang 03/04 "noch zwei, drei andere in der Hinterhand, die es schaffen sollen". Sie bräuchten aber vielleicht noch ein Jahr.

Cheftrainer Fischer will die vier Talente "mit Sicherheit teilweise" wieder in den Kader berufen. Zwölf Mann kann er pro Spieltag nominieren. Immer dann wird ein Kaderplatz frei, wenn jemand verletzt ist (wie in Grafing) oder aus privaten oder beruflichen Gründen nicht kann. Aber auch wenn alle gesetzten Spieler fit sind, will Fischer zwei Talente dabeihaben - selbst wenn sie nicht spielen.

"Ich habe die Nachwuchsspieler gern dabei. Sie sollen an das Bundesliganiveau herangeführt werden. Und das geht nur im Training." Auch die Spieltage betrachtet der Coach als zusätzliche Übungseinheiten, die den Talenten guttun. Zumal ja der Spielbetrieb in den unteren Ligen ruht und sie dort nicht trainieren könnten. Das sei für sie auch Motivation dabeizubleiben.

Dass jetzt Talente aus dem eigenen Nachwuchs ans Tor zur 1. Mannschaft klopfen, gehört übrigens zu einem Masterplan, berichtet Frank Jansen. Es gehe darum, junge Leute für die 1. bis 3. Mannschaft selbst auszubilden. Auch, weil es günstiger ist, als Legionäre zu holen. Natürlich mit dem Zugpferd 2. Bundesliga als Fernziel. Dafür will und muss der TV/DJK Hammelburg noch professionellere Strukturen vor allem im Nachwuchs schaffen.