Bei den bayerischen Leichtathletik-Meisterschaften in Erding gab es für den TSV Bad Kissingen über 300 Meter Hürden gleich zwei Medaillen zu bejubeln. Moritz Fischer krönte sich in der Altersklasse M15 zum bayerischen Meister, Niklas Fischer wurde im selben Rennen Dritter. Zwei Stunden bevor Moritz Fischer und Niklas Amthor über 300 Meter Hürden erfolgreich waren, standen sie bereits gemeinsam im Finale über die 80 Meter Hürden. Niklas Amthor verpasste da als Vierter knapp die Medaillenränge.

Der Bad Bockleter kam zwar nicht an seine hervorragenden 12,37 Sekunden von den Bezirksmeisterschaften heran, war aber mit den guten 11,53 Sekunden dennoch sehr zufrieden. "Im letzten Jahr habe ich in der M14 noch knapp das Finale verpasst, jetzt halt knapp das Podest", nahm er den ungeliebten Rang mit trockenem Humor. Für Moritz Fischer, der sich im Vorjahr nicht für die Landesmeisterschaften qualifizieren konnte, war die Endlaufteilnahme über die Kurzhürden ein Erfolg. Im Finale wurde er mit neuer persönlicher Bestzeit von 11,79 Sekunden Achter.

Spitzenzeiten

 Über 300 Meter Hürden hatten die zwei Schüler des TSV Bad Kissingen im Vorfeld die schnellsten Zeiten in Bayern abgeliefert und wollten somit auch unbedingt in die Medaillenränge. Bei den Bezirksmeisterschaften vor vier Wochen hatte Niklas Amthor mit einem nahezu perfekten Lauf sehr gute 42,7 Sekunden und damit die viertbeste Zeit in Deutschland erzielt, während sein Trainingskollege dort an einer Hürde dribbeln musste und so mit einer Zeit knapp unter 44 Sekunden zufrieden sein musste. "Im Training sind wir nahezu gleich stark. Da ist mal der eine und mal der andere von uns vorne", wusste Niklas Amthor zu berichten, der allerdings bei der finalen Erwärmung bemerkte, dass er nicht in allerbester Verfassung ist. Moritz Fischer dagegen strotzte nur so vor Selbstbewusstsein nach den zwei Testläufen über zwei Hürden rund 15 Minuten vor dem Start. "Das funktionierte richtig gut und schnell", erzählt Fischer.

Der Rhythmus stimmt

Vom Start weg gab der Nüdlinger ordentlich Gas. Die erste Hürde, die nach 50 Meter steht, nahm er im vollen Lauf und auch die folgenden der jeweils knapp 84 Zentimeter hohen Hindernisse überlief der Realschüler im sicheren Rhythmus. "Ich habe voll draufgehalten und gar nicht nachgedacht, ob jetzt der linke oder der rechte Fuß beim Überlaufen der Hürde vorne war." Schon nach 100 Meter hatte Moritz Fischer die Kurvenvorgabe des vor ihm liegenden Läufers aufgeholt und bog wenig später in Führung liegend vor Niklas Amthor auf die Zielgerade ein. "Ich dachte, dass die anderen jetzt noch mal kommen und habe weiter Tempo gemacht. Als ich die letzte Hürde gut getroffen habe, wusste ich, dass ich das Ding habe." In 43,26 Sekunden lief Moritz Fischer so schnell wie seit drei Jahren kein Schüler mehr in Bayern.

Ausgenommen sein Teamgefährte Niklas Amthor bei den Bezirksmeisterschaften, der auf der Zielgeraden noch von Colin Simon vom TSV Rosenheim geschnappt wurde und in 44,20 Sekunden zu Bronze lief. "Es war sicherlich kein schlechter Tag für mich. Aber auch nicht der allerbeste", fasste Amthor seinen Gemütszustand zusammen. Der Applaus für die auf dem Podest stehenden Schüler fiel spärlich aus, weil kaum ein Mensch im Stadion war oder auch nicht durfte. Medaillen mussten sich die Sportler selbst holen, um sie sich eigenhändig um den Hals zu hängen. Aber so ist das halt in den Zeiten von Corona.

Im kommenden Jahr starten die beiden TSVler im ersten Jahr der Altersklasse U18 und wollen bei den deutschen Meisterschaften erfolgreich sein. Die lange Hürdenstrecke verlängert sich in dieser Altersklasse dann von 300 Meter auf 400 Meter. "Da müssen wir unser jetzt dreimaliges wöchentliches Training wohl etwas erhöhen", ist sich Moritz Fischer sicher, der für das kommende Jahr erst mal ein anderes Ziel verfolgt: "Ich war noch nie unterfränkischer Meister in einer Einzeldisziplin. Das will ich schnell nachholen."

 

Mit Thomas Wollen vom TV Bad Brückenau hatte sich ein weiterer Schüler aus dem Kreis für die Landesmeisterschaften qualifiziert. In 11,57 Sekunden für den Sprint über die 100 Meter verpasste der unterfränkische Meister der M14 den Finaleinzug und verbuchte in 12,57 Sekunden den 12. Rang.

Mit Fingerspitzengefühl ist auch etwas Stimmung möglich

Von einer stimmungsvollen Veranstaltung konnte bei den bayerischen Meisterschaften in Erding nicht die Rede sein. Zu stark litt die Veranstaltung unter den aktuell geforderten Hygieneregeln, die sich der Bayerische Leichtathletik-Verband auferlegt hatte, oder von höherer Stelle gefordert wurden. Die Sportler und ihre Trainer durften nur zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung sowie zum Wettkampf selbst ins Stadion und mussten die Wettkampfstätte danach möglichst schnell wieder verlassen. Quartier bis zum nächsten Start musste außerhalb des Stadions auf einer öffentlich zugänglichen Wiese bezogen werden, auf der aufgrund von Platzmangel nur mit viel Mühe der erforderliche Abstand eingehalten werden konnte.

Drinnen im Stadion herrschte dagegen gähnende Leere und Stille, die nur durch den Stadionsprecher und den gelegentlichen Anfeuerungsrufen der Trainer unterbrochen wurde. Die Sportler vermissten zumindest die Anfeuerung ihrer eigenen Teamgefährten schmerzlich. Wie es anders geht, zeigte vor drei Wochen die LG Main Spessart als Ausrichter bei der unterfränkischen Meisterschaft in Marktheidenfeld. Kontrollen und Beschränkungen für das Betreten der Anlage und sogar noch mehr Hygienevorkehrungen als jetzt in Erding gab es auch da.

Allerdings appellierte man dort über Lautsprecherdurchsage regelmäßig an die Vernunft der Sportler und deren Betreuer, die Abstandsregeln und Hygienevorschriften einzuhalten. Mit viel Fingerspitzengefühl schafften es die Veranstalter in Marktheidenfeld, dass sich die zahlreichen Sportler gleichmäßig im und außerhalb des Stadions verteilten. So herrschte auch im Stadion zumindest etwas von einer sogenannten Wettkampf-Atmosphäre. Schon in zwei Wochen sind in Erding die nächsten bayerischen Jugendmeisterschaften terminiert, die ursprünglich in Schweinfurt stattfinden sollten.