Wenn demnächst dunkle Ritter in Münnerstadt auftauchen, ist das keine neue Szene aus dem historischen Heimatspiel "Die Schutzfrau von Münnerstadt". Eine Art Rüstung tragen die Dark Knights zwar, aber mit Mittelalter haben diese Ritter so gar nichts am Hut. Gekämpft wird auch nicht um Burgen oder auf Schlachtfeldern, von Heldentaten soll zukünftig dennoch berichtet werden. Rein sportlich wohlgemerkt. Beim TSV Münnerstadt nämlich, der mit American Football sicher seine schillerndste Abteilung bekommt.

Aus knapp 40 Spielern besteht aktuell der Kader der Dark Knights, die als komplettes Team an die Lauer umziehen. Ein Glücksfall für die starken Jungs nach der gescheiterten "Beziehung" mit der SpVgg Haard (wir berichteten). Ohne Spielfeld kein Spielbetrieb: Das durchaus groß angelegte Projekt stand tatsächlich vor dem Aus. "Münnerstadt ist ein Traumlos für uns. Aber der TSV hat es uns bei den Verhandlungen auch nicht leicht gemacht", sagt Joachim Seitz, den alle nur Joe nennen. Reichlich Gespräche gab es im Vorfeld mit den Vereinsvertretern, American Football ist schließlich kein billiger Sport. Allein die fünf Schiedsrichter für die Spiele in der untersten Liga kosten pauschal 500 Euro. Kosten, die die Spieler ebenso aus eigener Kasse stemmen wie etwaige Strafen, die in dieser Sportart üppig ausfallen.

Ein echter Fachmann

"Wir werden wohl unseren internen Abteilungsbeitrag erhöhen müssen", sagt Joe Seitz, der aus Winkels stammt und samt Familie im Münnerstädter Stadtteil Burghausen lebt. Der 57-Jährige ist in Sachen American Football ein echter Fachmann. Schließlich hat der pensionierte Berufssoldat eine durchaus beachtliche Karriere hinter sich mit Stationen bei den Munich Cowboys, den Würzburg Panthers, den Ballbearings aus Schweinfurt oder bei den im Jahr 2002 gegründeten Poppenroth Knights, dem Vorgängerverein der BK Celtics.

"Ich habe auch mal Fußball gespielt, aber mein Herz hat schon immer für American Football geschlagen. Wir haben jetzt sehr erfahrene Leute im Führungskreis und sehen uns daher für die Zukunft bestens aufgestellt", sagt Seitz, der zusammen mit den Brüdern Andreas und Steffen Schneider das Trainerteam bildet. Zur Abteilungsleitung gehören neben dem 57-Jährigen noch Markus Pekar und Justin Koob.

Landesliga oder Aufbauliga

Sobald möglich, wollen die Dark Knights in den Spielbetrieb starten. Bis dahin erhofft man sich noch den ein oder anderen Spieler und Betreuer, aber auch einen Stadionsprecher. "Als neuer Verein startet man automatisch in der untersten Liga. Das kann die Landesliga oder die Aufbauliga sein, die sich nur durch die Mindestanzahl der Spieler unterscheiden", weiß Joe Seitz, der für die umfangreiche Ausrüstung noch eine Lagerstätte sucht. "Vieles deponieren wir aktuell privat, was keine Dauerlösung sein kann. Vielleicht hat ja eine Firma einen Baucontainer übrig für unsere Sachen."

Auch wenn Details noch geklärt werden müssen, paart sich beim TSV Münnerstadt Vorfreude mit einer ordentlichen Portion Neugierde auf die elfte Abteilung des Vereins. "Das war eine Entscheidung, die wir uns nicht einfach gemacht haben. Am Ende waren wir uns darüber einig, dass ausschließlich eine Angliederung der Footballer als Abteilung des TSV in Frage kommt", sagt Vereins-Kassier Johannes Wolf, der einen nicht unerheblichen positiven Zusatzaspekt sieht: "Corona-bedingt mussten wir einen Nettoverlust von 40 Mitgliedern hinnehmen. Dank der American Footballer liegen wir weiterhin recht konstant in etwa bei 1200 Mitgliedern."

Die Spiele sollen übrigens auf dem Hauptfeld stattfinden, trainiert wird auf dem Ausweichplatz. Da die speziellen Football-Tore im Set um die 4000 Euro kosten, strebt der Verein zunächst eine provisorische und damit deutlich günstigere Lösung an. "American Football kannte ich bis dato höchstens aus dem Fernsehen. Aber das ist eine interessante Sportart, die uns eine gewisse Aufmerksamkeit bringen und vielleicht auch die ein oder andere Tür öffnen wird", sagt Sportvorstand Günter Scheuring. "Wenn es wie erhofft gut läuft, werden wir nach und nach investieren."