"Allmächd, der Glubb!" Ein Fan des 1. FC Nürnberg muss schon Einiges ertragen: Seien es haarsträubende sportliche Leistungen, Skandale, chaotische Zustände im Verein oder die Häme von Anhängern anderer Klubs. Besonders schmerzt es, wenn der FCN mal wieder ein Derby gegen den vermeintlich kleinen Nachbarn SpVgg Greuther Fürth vergeigt. So geschehen am vergangenen Sonntag. Damit wartet der 1. FC Nürnberg schon seit vier Spielen auf einen Sieg im Frankenderby. Der Traditionsverein schreibt eben viele Geschichten und hat in seinem 120-jährigen Bestehen für einige Kuriositäten und Negativrekorde gesorgt. Zehn davon sind im unten stehenden Artikel aufgelistet.

Für immer unerreicht bleiben wird wohl der Abstieg als amtierender Deutscher Meister. Andere "Spitzenleistungen" könnten aber bald in Gefahr geraten: Knacken die Fan-Freunde vom FC Schalke 04 in der aktuellen Saison vielleicht den "Rekord", eine ganze Hinrunde lang nicht zu gewinnen?

Doch bei allem Spott, der rings um den Valznerweiher oft einprasselt, ist die Geschichte des FCN natürlich nicht nur von Pleiten, Pech und Pannen geprägt. Schließlich nennt man den Club nicht umsonst auch heute noch den "Ruhmreichen". Neun Meisterschaften stehen in seiner Vita. Mehr hat nur der FC Bayern München. Damit waren die Mittelfranken 63 Jahre lang Rekordmeister, bis der Rivale aus der Landeshauptstadt sie 1987 überholte.

Darüber hinaus waren die Nürnberger nicht nur der erste Deutsche Pokalsieger, sondern mit ihren bis dahin drei Titeln bis 1969 ebenfalls Rekordsieger in diesem Wettbewerb. Die großen und erfolgreichen Zeiten liegen in Nürnberg zwar schon lange zurück, doch seine leidensfähigen Fans halten ihrem Club auch in tristen Zweitligatagen weiter die Stange - auch wegen seiner legendären "Rekorde".

1. Rekordabsteiger der Bundesliga Achtmal ist der 1. FC Nürnberg in die Bundesliga aufgestiegen - genauso oft wie Arminia Bielefeld. Doch wer oft aufsteigt, ist vorher oft abgestiegen. Da ist der Club den Arminen (7) noch voraus. Neunmal ging es von der 1. Bundesliga runter in die Zweitklassigkeit. Das erste Mal in der Saison 1968/69 als amtierender Deutscher Meister, zuletzt 2018/19. Viermal gelang die direkte Rückkehr ins Oberhaus, einmal ging es sogar noch tiefer: 1995/96 stieg der FCN in die damals drittklassige Regionalliga Süd ab.

2. Abstieg als amtierender Deutscher Meister Seine neunte und letzte Deutsche Meisterschaft feierte der Club in der Saison 1967/68 unter Trainer Max Merkel. Doch im Folgejahr riss er das erfolgreiche Team auseinander. Zehn Spieler mussten gehen, darunter der beste Nürnberger Torjäger Franz Brungs (25 Tore). 13 Neue kamen an den Valznerweiher.

Nach der Hinrunde stand das Team nur auf Rang 16, Ende März war es Letzter - Merkel musste gehen, Kuno Klötzer übernahm. Aber er konnte den Club nicht mehr retten. Mit einer 0:3-Niederlage beim direkten Konkurrenten FC Köln am letzten Spieltag war der Abstieg als amtierender Meister besiegelt.

3. Abstieg als amtierender DFB-Pokal-Sieger Die letzten beiden Titel der Vereinsgeschichte bekamen den Clubberern nicht gut: Erst der Abstieg als amtierender Deutscher Meister und 39 Jahre später der Abstieg als amtierender Pokalsieger. Nach dem Triumph von 2007 schwebten die Fans im siebten Himmel durch Europa. Der Ligaalltag war hingegen grau. Erfolgscoach Hans Meyer wurde entlassen und der FCN stieg zum siebten Mal in die 2. Liga ab.

Diesen "Rekord" muss er sich allerdings mit den Kickers Offenbach teilen, die 1971 ebenfalls als Pokalsieger aus der Bundesliga abstiegen. 1996 setzte der FC Kaiserslautern noch einen drauf: Nachdem er eine Woche zuvor abgestiegen war, holte er noch den Pokal.

4. Knappster Abstieg der Bundesliga-Geschichte Dieses Finale im Abstiegskampf ist legendär. Am letzten Spieltag 1998/99 kämpften noch fünf Teams um den Klassenerhalt. Der Club hatte als Tabellenzwölfter mit drei Punkten und fünf Toren Vorsprung auf Rang 16 die besten Karten.

Doch nach einer der dramatischsten Schlussphasen der Bundesligageschichte verlor er zu Hause mit 1:2 gegen den direkten Konkurrenten SC Freiburg, während Hansa Rostock mit 3:2 gegen den VfL Bochum gewann und Jan Aage Fjörtoft in der 89. Minute das nicht für möglich gehaltene 5:1 für Eintracht Frankfurt gegen den Vorjahresmeister und Champions-League-Anwärter FC Kaiserslautern erzielte.

Sowohl Frankfurt als auch Nürnberg wiesen 37 Punkte und eine Tordifferenz von minus 10 auf - die Eintracht erzielte aber vier Tore mehr und blieb deshalb drin, der FCN musste runter in Liga 2.

5. Dreimal hintereinander sportlich abgestiegen Dreimal in Folge stand der 1. FC Nürnberg auf einem Abstiegsrang, stieg aber nur zweimal ab. 1994 verabschiedete er sich als 16. aus der 1. Bundesliga. Ein Jahr später landete er in Liga 2 auf dem 15. Platz. Allerdings erhielten Ligakonkurrent FC Saarbrücken und Bundesliga-Absteiger Dynamo Dresden für das Folgejahr keine Lizenz. Dadurch war der Club gerettet - vorerst. Denn in der Saison 1995/96 musste er als Vorletzter den bitteren und bislang einmaligen Gang in die Drittklassigkeit antreten.

6. Eine Saison ohne Auswärtspunkt 1983/84 war eine der katastrophalsten Spielzeiten der Club-Geschichte: Vier verschiedene Trainer standen an der Seitenlinie, Präsident Michael A. Roth trat zurück und der FCN kassierte gegen den VfB Stuttgart die beiden höchsten Niederlagen seiner Bundesliga-Geschichte (0:6, 0:7). Am Ende stand der dritte Abstieg und ein weiterer Rekord: In seinen 17 Auswärtspartien holte der Club keinen einzigen Punkt. Diese Serie hatte sich schon in der Vorsaison angedeutet, denn die letzten zwölf Auswärtsspiele gingen ebenfalls verloren.

7. Elf Bundesliga-Niederlagen in Folge An den vorherigen Rekord schließt sich gleich der nächste an: Die letzten zehn Partien der Serie 1983/84 verlor der FCN allesamt. Nach der sofortigen Rückkehr ins Oberhaus folgte 1985/86 die Auftaktniederlage gegen den VfL Bochum, bevor mit einem 1:1 bei Eintracht Frankfurt diese saisonübergreifende Niederlagenserie in der 1. Liga beendet wurde.

8. Eine Hinrunde lang kein Spiel gewonnen Der FC Schalke 04 hat derzeit zwar seit 25 Spielen nicht mehr gewonnen, allerdings teilt sich diese Serie auf zwei Saisons auf. Der Club hingegen vollbrachte das Kunststück, eine Hinrunde lang nicht zu gewinnen. 2013/ 14 holte er stattdessen satte elf Unentschieden in dieser Zeit. In der Rückrunde fuhr er zwar wieder fünf Dreier ein, mit 26 Punkten reichte es aber nur noch zu Platz 17.

9. Schlechtestes Torverhältnis in der Ewigen Tabelle 33 Spielzeiten absolvierte der FCN in der Bundesliga. Dabei holte er 1318 Punkte und steht in der Ewigen Tabelle auf einem soliden 14. Platz von 56. Aber mit einem Torverhältnis von 1428:1794 weist er die schlechteste Tordifferenz (minus 366) aller bisherigen Bundesligavereine auf.

In der Ewigen Tabelle der 2. Liga hat er als 13. die zweitbeste Differenz (plus 288) nach Hannover 96 (316).

10. Pokal-Aus gegen einen Fünftligisten Gerade hatte der Club sein Comeback in die Bundesliga gefeiert, da sorgte er erneut für ein Novum: In der 1. Runde des DFB-Pokals 2001/02 flog er als bislang einziger Erstligist gegen einen Fünftligisten raus. Beim SSV Ulm 1846 verlor das Team um den Nürnberger Torschützen Stoycho Stoilov mit 1:2.