Der Glanz - er ist sichtbar verblichen auf dem Sportgelände des VfB Rupboden an der Sinn. Das Vereinsheim verlassen, der Platz verkrautet, die großen Tore abgebaut: Ein offizielles Fußballspiel hat hier seit Jahren nicht stattgefunden. Was hat es auf sich mit dem Verein, den nur noch Insider zu kennen scheinen? Der aber ein interessantes Erbe vorzuweisen hat.

Auf dem Vereinsgelände ist Adam Reusch kaum noch. Obwohl der 85-Jährige wenige Hundert Meter entfernt wohnt. "Ich war lange genug da über die Jahre, kann das abhaken", sagt der Rupbodener.

Reusch ist der letzte noch Lebende aus der ersten Mannschaft des VfB Rupboden, die am 30. März 1959 gegen die Reserve des FC Bad Brückenau antrat - und ein 3:3 erreichte.

Acht Tore schoss Reusch in dieser ersten offiziellen Saison, 15 oder 16 in seiner gesamten Karriere. Aber wichtig war sein Engagement im VfB-Vorstand: 30 Jahre Schriftführer, zwölf Jahre Vize-Vorsitzender, acht Jahre Vorsitzender, sechs Jahre Fußball-Abteilungsleiter, fünf Jahre Ehrenamtsbeauftragter.

Kicken auf der Reichsautobahn

Adam Reusch, der 1957 aus Gräfendorf nach Rupboden kam, kennt die Anfänge seines Vereins aus eigenem Erleben. Sie liegen auf der Autobahn.

Auf keiner, die je befahren wurde, sondern auf der sogenannten "Strecke 46". Diese sollte schon vor dem Zweiten Weltkrieg Würzburg mit Fulda verbinden. Die Trasse oberhalb Rupbodens war freigeräumt; Brücken und Entwässerungsbauwerke erstellt. Der Krieg verhinderte den Fertigbau.

Danach, in den 1950er-Jahren, spielten einige junge Männer auf der alten Autobahn, oberhalb des Hirschgrabens, Fußball. Nicht organisiert; aber das sollte sich bald ändern.

Im Spätsommer 1958 wollten vier junge Männer die Vereinsgründung angehen. Ihre Namen: Erwin und Erhard Bohn, Friedl Götzelmann und Angelus Ankert. Da keiner von ihnen wusste, wie man das macht, holten sie sich Willi Riemey, Franz Amrhein und Hans Spahn ins Boot.

Nach einigen, vor allem von Riemey initiierten Vorarbeiten erfolgte am 11. Januar 1959 die VfB-Gründung. Von den 45 Menschen, die sich zur Versammlung im Gasthaus Richter einfanden, wurden 43 als Mitglieder aufgenommen.

Erster Vorsitzender wurde Franz Amrhein. Sein Stellvertreter Hans Spahn war entscheidend dafür, dass der künftige VfB-Sportplatz auf der "Ganswiese" angelegt wurde. Da, wo er heute noch ist. Am 24. Mai 1959 wurde er eingeweiht. Auch Adam Reusch war als erster Schriftführer dabei.

Spielermangel kannten sie in Rupboden von Anfang an nicht. "Im Kader standen immer 30 Akteure; wir hatten sogar eine Reservemannschaft", erinnert sich Reusch. Beim VfB agierten Spieler aus Eckarts und Roßbach; der Verein profitierte anfangs davon, dass beim Zeitlofser Sportverein der Spielbetrieb seit Mitte der 1950er-Jahre ruhte und erst 1965 wieder gestartet wurde.

Kurz nach der Platzweihe gründete sich ein Jugendteam. Es nahm - wie die 1. Mannschaft - gleich am Verbandsspielbetrieb 1959/60 teil.

Wenige Jahre später stellte sich der erste Erfolg ein - und der größte: Die "Erste" schaffte 1967 die Meisterschaft in der C-Klasse - und den Aufstieg. "Es war nicht so einfach, damals in eine höhere Klasse zu kommen", sagt Reusch.

Zwei Jahre spielte der VfB Rupboden in der B-Klasse Bad Neustadt. Dann stieg er wieder ab. Ein Aufstieg sollte keinem Team danach mehr gelingen.

Was nicht heißt, dass es keine Erfolge mehr gab. Sie verlagerten sich auf andere Ebenen. So errichteten die Mitglieder 1972 an der Ganswiese in großer Eigenleistung ein kleines Sportheim aus Holz.

Es musste schon im Juni 1980 wieder weichen. Das neue Domizil war mit 162 000 D-Mark veranschlagt, wurde am 1. August 1982 eingeweiht. Das Gebäude verfügte erstmals über Duschen, Umkleiden und einen Gastraum. Auch hier steckten Mitglieder viel Eigenleistung rein - 10 000 Stunden.

Anfang der 1980er-Jahre entstanden eine Damengymnastikgruppe und ein Frauen-Fußballteam. Nach drei Runden im geregelten Spielbetrieb löste Letztere sich aber auf.

Spielermangel ab den 1980ern

Damals zeichnete sich beim Nachwuchs ein Spielermangel ab. Die Jugend spielte schon in der SG Rupboden/Zeitlofs zusammen. So war es nicht weit zu einem einst undenkbaren Schritt - dem Zusammengehen und Ende beider Vereine.

1993 lösten sich VfB Rupboden und TSV Zeitlofs trotz Widerstände auf; am 25. April erstand der SV Zeitlofs-Rupboden neu. Fortan kickten die Fußballer beider Orte saisonweise mal in Zeitlofs - oder in Rupboden. Das Spielfeld an der Ganswiese wurde erneuert und im August 1998 in Betrieb genommen. Dank hervorragender Drainage und neuer Beregnungsanlage war es immer bespielbar, so Adam Reusch.

Doch auch das Modell blieb zeitlich begrenzt. 2013 endete für den SV mangels Spieler der offizielle Fußball-Betrieb. Die Kicker spielen in Altengronau, Detter, Bad Brückenau oder Oberleichtersbach.

Was bleibt vom VfB Rupboden außer dem Vereinsheim und dem alten Sportplatz? Sicher die Erinnerung an schöne Zeiten und einen großen Zusammenhalt. Das hat nicht jeder Verein vorzuweisen.