Einkaufen ist gar nicht so einfach. Vor allem, wenn man für Andere Dinge besorgen soll, die man selbst nicht nutzt. Die Erfahrung hat René Schneider, Cotrainer des TSV Wollbach, gemacht, als er jüngst für eine ältere Dame Besorgungen im Supermarkt gemacht hat. Die Bratensoße eines bestimmten Herstellers suchte er vergebens, brachte schließlich die eines anderen mit. Die Lust, in der Corona-Krise anderen zu helfen, ist Schneider aber nicht vergangen.

"Helfen statt trainieren", lautet das Motto auch beim TSV Wollbach. Angesichts der Corona-Krise bietet der TSV allen Menschen in Burkardroth, Wollbach, Zahlbach und Frauenroth, die auf Unterstützung angewiesen sind, Hilfe an.

Manuela Schmitt erfuhr von ähnlichen Hilfsaktionen aus Würzburg und Schweinfurt und initiierte gemeinsam mit Tamara Albert die Hilfsaktion. "Manuela und ich tanzen zusammen Garde. Unsere Männer, Matthias Albert und Steffen Schmitt, spielen zusammen in der ersten Mannschaft", sagt Albert.

Beide sind gut vernetzt im Ort. Ein kurze Nachricht genügte und viele weitere Spieler meldeten sich, um zu helfen. Sie hätten genug Zeit, das zu tun. "Ich bin in Kurzarbeit", sagt Manuela Schmitt und Tamara Albert ergänzt: "Vor vier Monaten habe ich ein Kind bekommen und bin noch in Elternzeit."

Über Plakate im Ort, etwa in Supermarkt oder Tankstelle und Beiträge in sozialen Medien, informierte der TSV Wollbach über sein Angebot. "Am vergangenen Montag kam der erste Auftrag. TSV-Trainer Michael Jahns hat sich dem sofort angenommen", berichtet Schmitt. Keine zwei Minuten habe es mit der Zusage gedauert. "Die Hilfesuchenenden müssen einfach nur ihren Namen, Anschrift und den Kassenzettel durchgeben und wie die Übergabe stattfinden soll, also welche Abstände eingehalten werden sollen", erklärt Schmitt den Vorgang.

Das Hilfsteam besteht aus 20 Spielern und Angehörigen der 1. Mannschaft des TSV. "Andere Abteilungen, wie die Gymnastik und die Tennisabteilung, haben sich ebenfalls bereit erklärt mitzuhelfen", sagt Tamara Albert. Schmitt meint: "Wir sind sehr flexibel. Man kann uns tagsüber jederzeit anrufen." Das Team bestehe aus Menschen mit unterschiedlichen Berufen, viele hätten gerade Kurzarbeit. "Eigentlich hat immer irgendjemand Zeit", so Schmitt.

So wie jüngst René Schneider. Der 33-Jährige war "sofort dabei, als die Gruppe gegründet wurde". Am Mittwoch nahm Schneider seinen ersten Auftrag an und erledigte den Einkauf für eine ältere Frau. "Sie hat sich sehr gefreut, als ich ihr den Einkauf vorbeigebracht habe", sagt er zufrieden. "Es macht mir Spaß anderen zu helfen." Der Industriearbeiter baut Überstunden ab, für ihn war es "eine willkommene Abwechslung".

Den Kleinen Hilfe zeigen

Schneider, der in Burkardroth wohnt, verband den Einkauf mit einer Art Ausflug mit seinen beiden kleinen Kindern. Gemeinsam radelten sie zum Supermarkt. "So kann ich ihnen gleich zeigen, wie man anderen Menschen helfen kann." Beim Einkaufen selbst hat Schneider "noch so viele alte Menschen im Supermarkt gesehen". Dabei sei es nun "wirklich gefährlich für Risikogruppen". Schneider appelliert: "Die Menschen sollen sich gerne bei uns melden. Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit".

Bisher wird das Angebot noch nicht massenhaft genutzt, so die Organisatorinnen. "Es ist für viele schwer, die Selbstständigkeit abzugeben, aber für alte oder immunschwache Leute ist es so eben sicher", sagt Albert. Sie verstehe, dass für viele dieser Schritt schwer sei und bekräftigt: "Wir machen das gerne".