Der Mittwoch hätte für Josef Francic ein ganz normaler Arbeitstag werden sollen. Wurde er aber nicht. Ständig klingelte beim Sportdirektor des Fußball-Regionalligisten TSV Aubstadt das Telefon. Um seine Aufgaben als Hausmeister bei der Stadt Bad Neustadt ging es in den Gesprächen eher selten. Worum dann? "Karten, Karten, Karten", sagt der 54-Jährige und schmunzelt, "das Ding rollt".

"Das Ding" ist der Gegner, der dem TSV Aubstadt am Dienstagabend für das Halbfinale im Toto-Pokal zugelost worden ist: der TSV 1860 München. "Das wird für uns ein Jahrhundertspiel", spricht aus Francic die Vorfreude, die den ganzen Verein erfasst hat. "Früher wären wir froh gewesen, gegen so einen Gegner ein Testspiel bestreiten zu dürfen."

"Das ist das perfekte Los", sagt Aubstadts Trainer Victor Kleinhenz (30). "Genau für ein Spiel wie dieses betreiben wir den ganzen Aufwand." Im Verbandspokal hatte sich seine Mannschaft mit vier - teils überzeugenden - Siegen in die Vorschlussrunde vorgearbeitet: 14:0 beim Bezirksligisten FC Thulba in der ersten Runde, in der zweiten Runde das 3:1 beim Bayernligisten SpVgg Ansbach, im Achtelfinale das 3:1 gegen den Regionalliga-Konkurrenten TSV Rain/Lech sowie im Viertelfinale das 3:1 gegen Türkgücü München, den Drittligisten und Titelverteidiger.

Auch 1860 München, der Deutsche Meister von 1966, ist Drittligist. "Die Löwen haben aber natürlich eine ganz andere Tradition als Türkgücü", sagt Kleinhenz, "und gehören in die 2. Bundesliga". Als Termin für das Halbfinale ist der 26. März im Gespräch, möglicherweise wird aber auch erst im April in Aubstadt gespielt. "Je später, desto besser", sagt Kleinhenz und ergänzt: "Ich hoffe, dass sich die Corona-Situation bis dahin beruhigt hat, sodass wir die Hütte richtig voll machen können." Bei der Zielsetzung nimmt Kleinhenz schon jetzt kein Blatt vor den Mund: "In einem Spiel ist alles möglich. Wir wollen ins Finale."

In der Liga musste 1860 München am Dienstagabend einen Rückschlag einstecken. Die Elf von Michael Köllner verlor 1:3 gegen den SV Waldhof Mannheim und hat den Anschluss an die Spitzenplätze vorerst verloren. Im Toto-Pokal mühten sich die Löwen im Viertelfinale zu einem 3:2-Erfolg beim Regionalligisten TSV Buchbach. In der ersten Runde hatte sich 1860 beim Würzburger Kreisligisten SV Birkenfeld mit 3:0 durchgesetzt. Es folgten Siege beim Bezirksligisten Saas Bayreuth und beim Regionalligisten Wacker Burghausen.

Ob der - am Mittwochmittag vom Bayerischen Fußball-Verband noch immer nicht offiziell bestätigten - Absage des für diesen Samstag geplanten Heimspiels gegen den TSV Buchbach ruht beim TSV Aubstadt inzwischen der Trainingsbetrieb. "Im Dezember machen wir gar nichts", sagt Kleinhenz, "die Spieler haben von Athletiktrainer Christoph Freiherr von Andrian-Werburg individuelle Pläne bekommen". Das erste Mannschaftstraining nach der Winterpause hat Kleinhenz für den 18. Januar angesetzt. Sollte das Nachholspiel gegen Buchbach auf den 19. Februar terminiert werden, "fangen wir eine Woche früher an".Daniel Rathgeber