Bald, nach der Winterpause, beginnt wieder die Zeit, in der Kinder die Fußballplätze der Region fluten. Viele von Ihnen haben denselben Traum, den einst auch drei talentierte Kicker aus Franken träumten. Für die meisten bleibt es bei der Wunschvorstellung: Fußballprofi werden. Der bekannte Autor und Journalist Ronald Reng begleitete drei talentierte Spieler über viele Jahre und erlebte, wie er in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk beschrieb, deren Jugendjahre mit. Diese Zeit war für sie geprägt von Entbehrungen, von Höhen und Tiefen.

Letztendlich schaffte nur einer den Weg in den bezahlten Fußball. Und ausgerechnet dieser Junge wurde im Alter von 16 Jahren aus dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des 1. FC Nürnberg weggeschickt, weil man ihn für nicht stabil, für nicht kräftig genug hielt: Marius Wolf. Der heute 26-Jährige aus Rödental bei Coburg ist längst ein etablierter Bundesligaprofi bei Borussia Dortmund und kann eine dreistellige Anzahl an Bundesligaspielen, Einsätze in der Champions League und einen DFB-Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt vorweisen.

Offene Worte des Autors

Bei den beiden anderen Protagonisten dieser Geschichte, Fotios Katidis und Niko Reislöhner, nahm das Leben eine andere Kurve. Katidis versuchte sein Glück in der Regionalliga (unter anderem beim SV Seligenporten), jetzt ist er als Versicherungsmakler und nicht mehr fußballerisch aktiv. Auch Niko Reislöhner hat sich nach seinem Engagement beim damaligen Regionalligisten FC Ingolstadt II für den grundsoliden Beruf des Fliesenlegers entschieden. Heute kickt er mit seinem Freunden der DJK Stopfenheim in der Kreisliga Neumarkt-Jura West.

Ronald Reng beschreibt in seinem Buch sehr offen und deutlich, an welchen Kleinigkeiten es manchmal liegt, dass die Verantwortlichen der Nachwuchsleistungszentren mit dem Daumen nach oben oder nach unten zeigen. Und somit über den weiteren Fortgang einer Karriere entscheiden, der bedeuten kann: Bundesliga gegen Bayern München oder Kreisliga gegen Steinach. Er schreibt vom Schmerz, den Kinder erleiden, wenn sie ihr Zuhause in Richtung Fußballinternat verlassen, und den der Eltern, die mit ansehen müssen, wie das Kind auf der Ersatzbank leidet, auch wenn es - wie Marius Wolf - im Training das fleißigste ist. Reng ist als Journalist unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung" und das Magazin "11Freunde" tätig und hat zahlreiche Fußballbücher veröffentlicht, darunter eine sehr bewegende Biografie über Robert Enke.

Großbardorfs Auge für Talente

Wie schwierig das Thema Nachwuchsförderung ist, hat auch Andreas Lampert vom TSV Großbardorf im Podcast "Du Holz!" erklärt. Der Wahl-Nüdlinger ist beim Bayernligisten Sportvorstand und kümmert sich intensiv um die Spielersichtung. Unter anderem hat er früh die Qualitäten von Johannes Geis entdeckt. Der gebürtige Oberstreuer entwickelte sich beim TSV Großbardorf zu einem Talent, das ihn letztendlich ins Nachwuchsleistungszentrum der SpVgg Greuther Fürth und danach in den Profifußball nach Mainz, Schalke und Sevilla führte, ehe er seit 2019 Leistungsträger beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg ist.

"Wir haben zumindest noch keinen späteren Profi aus Großbardorf weggeschickt", erklärte Lampert, der selbst Inhaber einer Fifa- und Uefa-Spielervermittlerlizenz ist, das Scouting aber nur noch für seinen Heimatverein übernimmt. Aber auch er weiß, wie unterschiedlich die Entwicklung von Jugendlichen verlaufen kann - der Überflieger oder die Überfliegerin aus der U15 kann in der U17 schon zu schmächtig sein, weil andere in der Pubertät körperlich davonziehen.

Podcast Wer sich dafür interessiert, was Johannes Geis bereits im Alter von acht Jahren konnte und welcher Spieler aus der Region auf dem Sprung zum Profi ist, kann sich das Gespräch mit Andreas Lampert im Podcast jeder Zeit anhören über die obenstehenden Verlinkungen.

Das Buch "Der große Traum" (528 Seiten) von Ronald Reng ist im Piper-Verlag erschienen (EAN 978-3-492-07099-7, € 22,00).