FC 05 Schweinfurt - 1. FC Nürnberg II 1:1 (0:0). Tore: 1:0 Adam Jabiri (55.), 1:1 Tim Sausen (74.). Rot: Jonas Groß (67., Nürnberg).

Draußen prasselte der Regen auf das VIP-Zelt, drinnen gab sich Tobias Strobl erst gar keine Mühe, seine schlechte Laune zu verstecken. Zutiefst menschlich übrigens, weil das Unentschieden eine gefühlte Niederlage war. Es war mehr Arbeit denn Vergnügen, was die 05er gegen die Club-Reserve über weite Strecken boten. Aber Aufwand und Ertrag lagen in keinem stimmigen Verhältnis zueinander. Schließlich hatten die Schweinfurter geführt, das Gros an Chancen, um sich ausgerechnet in Überzahl das Gegentor einzufangen nach einem schlampigen Abwehrverhalten. "David Grözinger weiß selbst, dass das sein Fehler war. Aber in den Verein werden derzeit viele Unzufriedenheiten eingeschleust, und das verunsichert", vermengte Strobl individuelle und grundsätzliche Kritik.

Bei der Analyse der torlosen ersten Halbzeit war für den Schweinfurter Trainer das Glas definitiv halbvoll. "Wir sind gut ins Spiel gekommen, auch wenn man der Mannschaft etwas Verunsicherung nach der Niederlage in Burghausen angemerkt hat. Aber wir haben gut gegen den Ball gearbeitet und wenig zugelassen", so Strobl. Die exakt eine Nürnberger Chance hatte es kurz vor dem Pausenpfiff allerdings in sich, als Tim Latteier und Tim Sausen binnen Sekunden Pfosten und Keeper Bennet Schmidt getroffen hatten. Das auf Kontrolle angelegte Spiel der 05er nahm nach einer halben Stunde Fahrt auf mit Gelegenheiten für Meris Skenderovic, Kristian Böhnlein und vor allem Marco Zietsch, als Ex-Schnüdel Jan Reichert die Faust blitzschnell an die richtige Stelle manövrierte.

"Wir konnten gegen eine gute Schweinfurter Mannschaft nur Nadelstiche setzen und haben uns durch eine Disziplinlosigkeit geschwächt", sagte später FCN-Coach Christian Fiel zum Schlag von Jonas Groß gegen Kristian Böhnlein. Zu einem Zeitpunkt, als die Schweinfurter bereits führten, weil Adam Jabiri einen Abwehr-Bock konsequent bestraft hatte. "Das war ein krasser individueller Fehler, aber großes Kompliment an meine Mannschaft für ihre Moral und Leidenschaft", so Ex-Profi Fiel.

Skenderovic hatte das 2:0 auf dem Fuß, stattdessen sahen die offiziell 927 Fans den Ausgleich durch Tim Sausen, der das Leder mit seinem Schlenzer im Winkel parkte. "Das darf einer Spitzenmannschaft einfach nicht passieren. Ich möchte ein Team trainieren, das nach so einem Rückstand zusammensteht. Ich hab nach dem 1:1 nicht gesehen, dass die Jungs zusammenhalten und den Fehler wettmachen wollen, egal, was von außen kommt. Das tut mir heute am meisten weh. Das Warum müssen wir ganz schnell herausfiltern", analysierte Strobl schonungslos.

Pech und auch ein Schuss Unvermögen verhinderten den Siegtreffer der Gastgeber. Am nähesten dran war Daniel Adlung, dessen Schuss in der Nachspielzeit auf der Linie zur Ecke geklärt wurde. Der Nachmittag hätte für die Schweinfurter freilich noch bitterer ausfallen können, hätte Lukas Schleimer (85.) mehr Cleverness im Abschluss bewiesen.

"Jetzt fahren wir am Dienstag 330 Kilometer nach Tiefenbach, um uns beim Kreisligisten im Pokal ein Erfolgserlebnis zu erarbeiten", so Strobl, dessen Elf dann drei Tage später wieder viele Kilometer auf der Autobahn verbringen wird mit dem Gastspiel beim FC Augsburg II.

Schweinfurt: Schmidt - Yarbrough, Rinderknecht, Grözinger - Haas, Fery, Böhnlein, Adlung, Zietsch (56. Cekic) - Skenderovic (80. Suljic), Jabiri.