Weißblauer Vorzeige-Himmel. Frühsommer in der Rhön. Pavillons und Bierbänke. Dazu vom Band gefühlvolle Lieder der österreichischen Rock-Pop-Poeten von S.T.S. - idyllischer kann ein Familientreffen nicht beginnen. Freilich verrät die Kleiderordnung sehr schnell, dass Kaffee und Kuchen oder Steak und Bier an diesem Nachmittag sicher nicht im Mittelpunkt stehen. Rausgeputzt haben sich die Protagonisten für den ersten Bike and Run des SV Wildflecken. Schickes Sport-Outfit und garantiert nicht billige, breitreifige Räder begegnen einem da im örtlichen Helmut-Patzke-Stadion.

Fast 30 Teams sind es schließlich, die sich für die Premieren-Veranstaltung angemeldet haben. Darunter auch einige wenige Sportler, die als Ich-AG Fahrer und Läufer gleichermaßen sind. "Früher hatten wir einen Mountainbike-Biathlon angeboten. Aber vor allem unsere Schützen wollten nicht mehr so. Daher haben wir uns für dieses Format entschieden", sagt SV-Vorsitzender und Organisator Wolfgang Illek, der später auf seinem E-Fatbike als Erster Fahrer ins Ziel kommt und Laufpartner Klaus Wiegand mit Handschlag auf die Strecke schickt. Nahezu identisch ist diese für Radfahrer (5,5 km) und Läufer (4 km). Und durchaus anspruchsvoll. Im Bärlochgraben und durch das Wölbersbachtal ist es über 150 Höhenmeter ein stetes Auf und Ab.


Strecke im Top-Zustand

Der ehemalige Trimm-Dich-Pfad im Randgebiet des Truppenübungsplatzes präsentiert sich in einem hervorragenden Zustand. "Die Gemeinde hat den Boden für uns doppelt gemulcht", sagt Wolfgang Illek. Und kramt die Geschichte aus der Erinnerung von seiner Teilnahme an einem ähnlichen Wettbewerb in Nüdlingen aus dem Jahr 1995. "Da hat es mich böse geschmissen. Aber das hatte trotzdem Spaß gemacht. Und daran habe ich mich erinnert."
Cheforganisator damals war Bundeswehr-Spezl Wolfgang Wilm, der an diesem Tag auch in die Rhön gekommen ist, mit Sohn Linus ein Team bildet. Die Wolfgang-Trilogie komplettiert mit Wolfgang Back der Organisator des MTB-Biathlons in Burglauer. Der Wettbewerb beginnt mit dem Massenstart der MTB-Fahrer über eine Stadionrunde, ehe es in einer engen Kurve in beachtlichem Tempo auf die eigentliche Strecke geht.


Ein Favoritensieg

Erstaunlich sind die mitunter großen Abstände, aber Gelände und hohe Plus-Grade zwingen die Sportler ans Limit. "Über diese Distanz gibt es keine Ausruh-Phasen. Da gibt es nur Vollgas", sagt Tobias Heil, der erst am Vortag auf seinem Mountainbike in Wombach den Keiler-Bike-Marathon über 60 Kilometer bewältigt hatte, als Gesamt-42. im Feld der über 300 Teilnehmer. Den Favoriten-Sieg der beiden Oberwildfleckener mit einer Gesamtzeit von 30:14 Minuten komplettiert Florian Kretschmann, für den die finalen 400 Bahnmeter zum Triumph werden. Längst hatte der Trail-Runner, der beim diesjährigen BraveheartBattle den dritten Platz belegte, seine Verfolger abgeschüttelt.

Für den Breitensport-Charakter stehen Teilnehmer wie Klaus Wiegand. "Am Start war ich etwas nervös. Aber das hat sich auf der Strecke schnell wieder gelegt", sagte der 65-Jährige, der noch als 53-Jähriger das Fußball-Trikot des SV Wildflecken trug. Und der jetzt eine Art zweite Karriere startet. "2011 war ich beim Opa-Lauf in Bad Brückenau dabei und wurde nicht Letzter. Das hat mich motiviert. Und daher bin ich Hans Wagner heute noch dankbar für diese Veranstaltung." Einen Tag zuvor hatte Wiegand an gleicher Stätte noch zwölfeinhalb Stadionrunden gedreht beim 5000-Meter-Bahnlauf im Rahmen des Rhön-Grabfeld-Cups. Kurzum: Eine gelungene Premiere, auch wenn es etwas mehr Publikum hätte sein dürfen. Wer nicht da war, hat bei diesem Familientreff der besonderen Art jedenfalls einiges verpasst.