Dass Simon Wittmann Tore schießen kann, ist in der Rhön längst keine Neuigkeit mehr. Trotzdem ist Wittmanns Hattrick beim 4:1-Erfolg der SG Oberleichtersbach/Modlos gegen die Viktoria Untererthal II in der A-Klasse 1 keine Selbstverständlichkeit. Und das aus vielerlei Gründen. Denn Wittmann hatte die Fußballschuhe aufgrund anhaltender Hüftprobleme zu Beginn dieser Saison bereits an den Nagel gehängt. Vorläufig zumindest.


Vertreter muss vertreten werden

Wittmann, der bereits einen Kreuzbandriss überstanden hat, konsultierte die Ärzte und suchte den Weg zurück auf den grünen Rasen. In der Vorrunde hatte Moritz Leitsch den 26-jährigen Goalgetter noch würdig vertreten, doch Leitsch muss derzeit verletzungsbedingt pausieren. Sieben Treffer hatte Leitsch bis zu seiner Verletzung erzielen können. "Oberleichtersbach ist zwar gut aufgestellt, aber die Tore von Moritz fehlen nun natürlich", sagt Wittmann. Und so muss es doch wieder der routinierte Goalgetter richten, der nach seiner lange ersehnten Rückkehr auch schon wieder sechs Tore auf seinem Konto hat.


Im Stile eines Torjägers

Mit einem Freistoß hatte René Lormehs die SGO schon nach 18 Minuten auf die Siegerstraße führen können. "Der Ball ist aber merkwürdig geflattert", wundert sich Wittmann immer noch über die kuriose Flugkurve des runden Spielgeräts. Es sollte eine ganze Weile dauern, bis Wittmann in gewohnter Manier jubeln durfte. In der 51. Minute schnappte sich der 26-Jährige einen Flankenball und umkurvte den Untererthaler Keeper Mario Koch. "Dann musste ich den Ball einfach nur über die Linie schieben." Auch der zweite Treffer (66.) war ein Tor ganz im Stile eines Torjägers. Vom Kreidepunkt aus ließ Wittmann dem gegnerischen Keeper keine Chance. Tobias Romeis war zuvor an der Strafraumgrenze regelwidrig gestoppt worden. Routinier Romeis war auch beim finalen Tor Wittmanns an diesem Spieltag nicht ganz unbeteiligt. "Er hat mir den Ball perfekt rübergelegt, ich musste einfach nur den Fuß hinhalten", schildert Wittmann den krönenden Abschluss seines lupenreinen Hattricks. "Heute haben es mir die Mitspieler ganz einfach gemacht."


Das Geheimnis um die Schuhe

Dass Wittmann an diesem Sonntag drei Treffer machen würde, erstaunt Mitspieler Sebastian Vogt überhaupt nicht. "Neue Schuhe, gleich drei Tore", lautet Vogts simple Erklärung. Doch was hat es mit dem Geheimnis rund um das richtige Schuhwerk auf sich? Das ist eine lange Geschichte, die Jahre zurückliegt, als der technisch begnadete Kasimir Szyszka noch Trainer in Oberleichtersbach war. "Simon Wittmann muss in schwarzen Schuhen spielen", lautete das Geheimrezept von Szyszka, der auf den Rhöner Sportplätzen einst so trickreich wie kaum ein anderer Kicker war. "Eigentlich ist mir die Farbe der Schuhe mittlerweile egal. Als Jugendlicher habe ich natürlich alle möglichen Farben ausprobiert", blickt Wittmann zurück. "Aber ich habe mich nun doch wieder an die Worte unseres damaligen Trainers zurückerinnert und heute eben mal schwarze Schuhe ausprobiert. Tatsächlich hat das auf Anhieb super geklappt."

Nun ist es also gelüftet: Das jahrelang gut behütete Schuh-Mysterium von Oberleichtersbach. Man darf aber nicht verschweigen, dass Wittmann in knallbunten Schuhen auch schon seine Tore gemacht hat. Sogar schon stolze 32 Treffer in einer Saison. Das war vor vier Jahren. Wenig später bremste ein Kreuzbandriss den Rhöner Torjäger jäh aus. Doch mit dem farblich richtigen Schuhwerk sollte einer langen Rhöner Torjägerkarriere nichts mehr im Wege stehen.