Vergangene Saison half er noch als stiller Berater im sportlichen Bereich; nun hat Cornel Closca selbst den Trainerposten bei den Hammelburg Volleys inne. Der 45-Jährige soll den größten Umbruch im Team der letzten Jahre bewältigen. Auch wenn er sich der Herausforderung bewusst ist, wirkt der Rumäne im Gespräch entspannt. Vor dem Heimspiel gegen Gotha (Samstag, 20 Uhr) berichtet Closca, wie er den Umbruch meistert, was die Fans von ihm und dem Team erwarten können. Und welchen Spielern er eine große Zukunft zutraut.

Herr Closca, seit Sommer trainieren Sie die Hammelburg Volleys. Haben Sie diesen Schritt angesichts der großen Umwälzungen im Verein schon bereut?

Cornel Closca: Überhaupt nicht. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Die Spieler haben viel von dem begriffen, was ich von ihnen will. Hinter den Kulissen wird gut zusammengehalten und gearbeitet; die Sponsoren stehen hinter dem Verein. Das macht mich zuversichtlich, dass es mit unserem großen Ziel, dem Klassenerhalt, klappt. Ich habe keine Angst vor der Saison.

Nach dem Abgang der Ur-Hammelburger Lukas Spachmann, Henning Schulte und Felix Bendikowski müssen Sie den größten Umbruch seit langem stemmen. Wie wollen Sie das schaffen?

Meine Philosophie ist, dass wir eine große Familie sind. Wir haben keinen Superstar in der Mannschaft, müssen also durch Arbeit und Verständnis füreinander zusammenwachsen. Mein Vorgänger hatte die Möglichkeit, mit erfahrenen Spielern zu agieren, die seit Landesliga-Zeiten beisammen waren. Im neuen Team werden wir nicht nur auf eine Stamm-Sechs setzen, sondern alle Spieler einbinden. Da müssen wir schauen, wer sich am besten stabilisiert.

Gibt es da schon nähere Erkenntnisse, auch was die Qualität der Neuzugänge angeht?

Ein wichtiger Neuzugang ist Zuspieler Laurentiu Vinatoru. Er bringt mit seiner Erfahrung Ruhe in die Mannschaft. Er hat nicht den Anspruch, immer auf dem Feld stehen zu müssen, sondern lässt die Jüngeren sich auch entwickeln. Er kennt die Geheimnisse des Zuspiels und versucht sie, den jungen Spielern beizubringen. Aber auch Hannes Krochmann wird im Laufe der Saison spielen. Er ist jung und groß. Beide machen uns variabler. Aber auch Andrian Zych wird in seine Rolle als Libero reinwachsen, ebenso Angreifer Moritz Zeitler.

Der Zeitler, der wie Hannes Krochmann und Luca Dierks letzte Saison schon da, aber meist Reserve war. Was geschieht mit ihnen?

Sie sollen noch mehr ins Team hineinwachsen. Zeitler und auch Janick Sill steigern sich von Training zu Training und sind für den Teamzusammenhalt wichtige Stützen. Moritz hat gegen Kriftel erstmals von Anfang an gespielt und Sill zeigte sich bei seiner Einwechslung sehr stabil. Aber wie gesagt: Wir schauen von Spiel zu Spiel, wer sich am besten eignet. Man wird Spieler, die in der vergangenen Saison auf eine Position festgelegt schienen, auch auf einer anderen sehen.

Mit Oscar Benner ist nur noch ein "echter Hammelburger" aus dem Aufstiegsteam übrig. Welche Rolle wird er in der neuen Saison spielen?

Oscar hat viel Erfahrung und wird gemeinsam mit Moritz Rauber große Verantwortung übernehmen. Als Diagonalangreifer kann er ganze Spiele herumreißen. Wir können aber nicht erwarten, dass er ein Spiel alleine lenkt.

Einigen Spielern trauen Sie noch große Karriereschritte zu.

Ich glaube, dass es Moritz Rauber mittelfristig als Libero bis in die Erste Liga schaffen kann. Dasselbe gilt für Hannes Krochmann als Zuspieler. Aber es gibt auch noch andere Spieler mit Potenzial.

Welche?

Ich denke an Ben Stoverink, der aber noch etwas Zeit braucht. Wir wollen die Liga halten und aus unserer jungen Truppe Stammspieler entwickeln; beziehungsweise solche fördern, die Potenzial für die Erste Liga besitzen. Wenn junge Spieler sehen, dass es ihresgleichen bei uns zu Stammspielern in der Zweiten Liga geschafft haben, kommen vielleicht weitere zu uns.

Nach dem Bundesliga-Aufstieg der Heitech-Volleys Eltmann hatten die Hammelburg Volleys mit dem ein oder anderen Neuen aus dem dortigen Zweitligateam gerechnet. Warum ist daraus nichts geworden?

Zunächst einmal verlangen gestandene Volleyballspieler teilweise hohe Summen und eine Wohnung dazu. Wenn man gute Spieler aus dem Ausland holen möchte, werden oft hohe Ablösen an die abgebenden Vereine und Verbände fällig. Das kann unser kleiner Verein nicht leisten. Zudem wohnen einige frühere Eltmanner noch hinter Bamberg. Die gehen eher zu Schwaig als nach Hammelburg.

Welche Teams werden Ihrer Meinung nach diese Saison um den Aufstieg spielen?

Für mich sind Grafing, Schwaig und Mimmenhausen die Favoriten, weil bei ihnen ehemalige Erstliga-Spieler und Nationalspieler im Kader stehen. Außer denen kann in der Zweiten Liga Jeder Jeden schlagen. Da entscheidet die Tagesform.

Eines hat in dieser noch jungen Saison schon gut geklappt: Vom Aufsteiger aus Kriftel brachten Sie gleich drei Punkte mit. Das gelang vergangene Spielzeit auswärts selten. Hat Sie der Sieg überrascht?

Nein. Wir haben in der Vorbereitung zwölf Testspiele absolviert, so gegen Eibelstadt und Mainz-Gonsenheim. Zudem waren wir auf einem Vorbereitungsturnier. Die Jungs haben gemerkt, dass sie mit allen Teams mithalten können. Das Match gegen Kriftel war dann wie ein 13. Testspiel. Als es im zweiten Satz schwierig wurde, haben wir gemeinsam gekämpft.

Am Samstag gegen Gotha bestreiten Sie Ihr erstes Heimspiel als Cheftrainer an der Linie. Was können die Zuschauer von Ihnen und der Mannschaft erwarten?

Auf dem Feld wollen wir durch Abwehr und Kampf ins Spiel finden, weil wir nicht so viel Körpergröße im Team haben. An der Linie bin ich ruhig und fachlich. Aber wenn die Spieler mich brauchen, dann werde ich da sein.

Das Gespräch führte Steffen Standke