Während der Spielbetrieb im ganzen Freistaat auf Eis gelegt wurde, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, rollt der Ball in einem kleinen gallischen Dorf unweit von Bad Kissingen dennoch. Der TSV Arnshausen hat sich nicht etwa über die Bestimmungen des Fußballverbandes hinweggesetzt. Nein, als einziges Team im Umkreis spielt der Verein in der eFootball Bayernliga Nord des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) auf dem virtuellen Rasen um Punkte.

36 Vereine, je 18 pro Liga, duellieren sich an 17 Spieltagen in den Bayernligen Nord und Süd, die der Bayerische Fußballverband ins Leben gerufen hat. Jedes Team hat fünf Spieler, von denen jeder Mitglied des Vereins sein muss. Am Spieltag selbst treten pro Team zwei Spieler im Eins-gegen-Eins gegen ihre in ganz Bayern verteilt sitzenden Kontrahenten auf der Playstation 4 im Fußball-Videospiel FIFA 20 gegeneinander an. Gespielt wird im 85er Modus mit bayerischen Mannschaften, wie dem FC Bayern München, seinem blauen Rivalen TSV 1860 München oder den Würzburger Kickers. Die Besonderheit dabei ist, dass alle Spieler positionsbezogen die gleiche Stärke haben, wodurch die Chancengleichheit gewährleistet wird.

"Eine richtig coole Idee"

Verantwortlich für den eFootball-Bereich beim TSV zeichnet sich Fußball-Abteilungsleiter Christian Kiesel. Der 26-jährige Teamkapitän, der allerdings selbst nicht zum Controller greift ("Da gibt es einfach bessere Zocker bei uns"), war vom Angebot des BFV sofort begeistert und meldete seinen Verein ohne großes Zögern beim Wettbewerb an: "Das ist eine richtig coole Idee. Wir haben im Verein gesagt, dass wir uns dem Thema eFootball verstärkt annehmen wollen. Die virtuelle Liga des BFV kommt uns da entgegen." Allerdings ging man im Bad Kissinger Stadtteil ohne große Erwartungen ins Rennen um die beste bayerische Mannschaft auf der Spielkonsole: "Wir sind mit dem Ziel gestartet, Spaß zu haben. Es war ja auch schwer, das Niveau der Liga einzuschätzen."

Doch ab dem ersten Spieltag lief es wie am Schnürchen. Man besiegte den TV 1863 Ebern (Lkr. Haßberge) mit 6:0 und eine Woche später auch die Sportfreunde Dinkelsbühl (Lkr. Ansbach) mit 13:4. Hatten die Gamer ihre ersten beiden Spiele noch vor der eigenen Konsole absolviert, sollte es am dritten Spieltag ein Public-Viewing im Arnshäuser Sportheim geben.

Nachdem die technischen Voraussetzungen geschaffen waren, stand dem Rudelschauen nichts mehr im Wege. Vor mehr als 20 Zuschauern und unter gehörigem Applaus und Staunen auch einiger älterer Vereinsmitglieder schlugen die Playstation-Cracks den ASV Wunsiedel mit 8:4 und konnten sich damit vorerst an die Spitze der Tabelle setzen. Den ersten Rückschlag gab es, als man vor ähnlich großer Kulisse eine 2:11-Niederlage gegen den TSV Aufhausen (Lkr. Regensburg) hinnehmen musste. Doch auch die auf den ersten Blick hohe Pleite und der Verlust der Tabellenführung, tat der Motivation im Team keinen Abbruch. Erst recht nicht, weil man von einem örtlichen Unternehmen mit Trikots sowie einem Gaming-Bildschirm ausgestattet wurde.

Arnshausens Vorstand Holger Schmitt (46) betrachtet die Entwicklung durchweg positiv: "Generell finde ich es eine tolle Sache. Ich will mich da als Vorstand auch nicht verschließen. Ich habe früher selbst FIFA 95 gezockt. Super ist auf jeden Fall, dass im Sportheim etwas zusammenkommt und man sich als Gemeinschaft trifft. Deshalb fördern wir das auch gerne. Mal schauen, wie sich das nach der Corona-Krise weiterentwickelt, vielleicht auch etabliert. Schön, dass wir hier in der Region sowas wie ein Vorreiter auf dem Gebiet sein können". Zusammenhalt und Gemeinschaft kann mal also auch beim eSport erleben. Wenngleich in der Vergangenheit kritische Stimmen laut wurden, dass das Spielen auf einer Konsole ja kein Sport sei. Diese oft geführte Diskussion können die Teammitglieder Jan Hofmann und Louis Höchemer nicht nachvollziehen: "Man kann eSport, insbesondere eFootball professionell ausüben und trainieren." Dass es dazu Spaß macht, stehe außer Frage, so die beiden 19-jährigen, die in ihrer Freizeit aber nicht nur vor der Playstation sitzen. Dass man den ganzen Tag nur im dunklen Zimmer sitzt und sich richtigen Sportarten verweigert, ist oftmals ein Vorurteil. Alle Teammitglieder schnüren die Fußballschuhe auch in der Realität. Jan beim FC 06 Bad Kissingen als Torhüter, Louis in der Bad Kissinger U19-Spielgemeinschaft. Auch die anderen Teammitglieder streifen sich regelmäßig das Trikot der Arnshäuser Fußball-Mannschaft über.

Geplant war, auch am vergangenen Sonntag ein Public-Viewing in der Vereinsgaststätte abzuhalten, welches aber den Maßnahmen zur Corona-Eindämmung zum Opfer fiel. Und so saßen Jan "frwam" Hofmann und Louis "Blazze" Höchemer vor der heimischen Konsole und battelten sich mit ihren Gegnern vom TSV 1946 Altenberg. Am Ende zweier spannender Spiele, bei denen im kurzfristig eingerichteten Youtube-Stream in der Spitze 35 Zuschauer zuschauten, reichte es nicht für einen Sieg. Gegen die Mittelfranken aus dem Landkreis Fürth)hieß es in der Addition 2:5. Und so werden auch am nächsten Sonntagabend wieder die Controller glühen, wenn die eFootball-Riege auf den TV 1911 Vohburg (Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm.). Auch dann erstmal nicht im Vereinsheim, sondern als Stream auf YouTube. Wer Interesse an der Materie hat und sehen möchte, wie sich das eSport-Team beim TSV Arnshausen schlägt, der kann auch in Zukunft dabei sein, wenn die Partien im Sportheim oder auf den SocialMedia-Kanälen des Vereins übertragen werden.

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