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Tennis

Beim Tennis ist der Spaß am Wettkampf getrübt

Mit mehrwöchiger Verspätung beginnt in Bayern der Punktspielbetrieb ohne Auf- und Abstieg. Viele Mannschaften haben zurückgezogen.
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Nicht nur den Schatten als "Gegner": In diesen Tagen beginnt trotz Corona die Medenrunde im Tennis. Foto: Archiv
Nicht nur den Schatten als "Gegner": In diesen Tagen beginnt trotz Corona die Medenrunde im Tennis. Foto: Archiv

Jetzt kann nur noch das Wetter den verspäteten Saisonstart der bayerischen Tennis-Medenrunde stoppen. "Viele sind heiß auf den Wettkampf und freuen sich nach Wochen des Stillstands auf ein bisschen Normalität in ihrem geliebten Sport", sagt Walter Haun, Vorsitzender des Tennisbezirks Unterfranken.

Den traditionellen Auftakt zum 1. Mai hatte die Corona-Pandemie zunichte gemacht, die Politik gab nach ersten Lockerungen Ende Mai Grünes Licht für den Start im Juni. Um den Vereinen genügend Zeit zu geben, die behördlichen Hygieneverordnungen umzusetzen, entschied der Bayerische Tennis-Verband (BTV), die ersten Punktspiele erst in diesen Tagen auszutragen. Einige Vereine haben ihre Saison bereits begonnen, die Landkreis-Clubs starten aber allesamt erst am kommenden Wochenende in den Spielbetrieb.

Mit reichlich Verspätung geht es also in die "Übergangssaison 2020", wie der BTV die Spielzeit tituliert. Denn der Verband hat den Auf- und Abstieg für diese Saison ausgesetzt. Der Grund: Aufgrund der Planungsunsicherheit während der Lockdown-Phase und den behördlichen Auflagen für den Spielbetrieb hat fast die Hälfte der ursprünglich 12 410 in Bayern gemeldeten Mannschaften zurückgezogen.

Besonders in den höherklassigen BTV-Ligen waren die ungeklärte Frage nach dem möglichen Einsatz von Ausländern und die weiten Fahrten Grund für Abmeldungen. So auch beim TC Rot-Weiß Bad Kissingen, der mehrere Mannschaften kurzfristig zurückzog. Sinn und Nutzen war für alle Beteiligten nicht erkennbar", erklärt Markus Wittek, Sportwart des Vereins. Auch bei den Herren 30 in der Landesliga, die eigentlich spielen wollten, gaben aufgrund der Zusammenlegung der Gruppen mit Teams unter anderem aus Regensburg die weiten Fahrten den Ausschlag für die nachträgliche Abmeldung.

Umkleiden und Duschen gesperrt

Obwohl nun doch Doppel gespielt werden darf - laut bayerischem Innenministerium wird es als kontaktloser Sport geführt, weil der Mindestabstand während der Ballwechsel nur in seltenen Fällen unterschritten wird - haben die behördlichen Vorgaben vielen Spielern den Spaß an der Medenrunde vermiest. Vor Probleme stellen die Klubs vor allem die gesperrten Umkleidekabinen und Duschen sowie die Anfahrtsbeschränkungen zu den Auswärtsspielen.

Das "Rahmenhygienekonzept Sport" des bayerischen Gesundheitsministeriums schreibt vor, dass in einem Fahrzeug nur Mitglieder von zwei Hausständen sitzen dürfen. In der Regel müssen sich demnach die sechs Spieler, die eine Mannschaft bilden, mindestens mit drei Autos auf den Weg zu einer Auswärtspartie machen.

Zahlreiche Auflagen

Die gastgebenden Vereine haben dabei einiges zu beachten. Jeder, der das Klubgelände betritt, muss seine Kontaktdaten hinterlassen - egal, ob Aktiver oder ein Elternteil, das seinen Nachwuchs zu einem Jugendspiel bringen will. Handdesinfektionsmittel müssen bereitgestellt, die Toiletten regelmäßig desinfiziert und die Mülleimer täglich geleert werden. An den Plätzen müssen Sitzbänke durch mehrere Stühle ersetzt werden, damit die Spieler den Mindestabstand einhalten können. In Sachen Bewirtung der Mannschaften ist es für jene Vereine, die eine eigene Gastronomie haben, einfach zu handhaben. Dort gelten die gleichen Vorschriften wie für die Gastronomie allgemein.

Trotz aller Widrigkeiten hat der BTV von Beginn der Corona-Pandemie an versucht, einen Regelspielbetrieb in diesem Sommer zu gewährleisten. "Mit der Übergangssaison haben wir alle gegensätzlichen Interessenslagen berücksichtigt und die Mitgliedsvereine in den Entscheidungsprozess eingebunden. Sie konnten einerseits den Bedenken ihrer Mitglieder Rechnung tragen und andererseits den wettkampfwilligen Athleten den geliebten Mannschaftswettspielbetrieb ermöglichen", sagt BTV-Präsident Helmut Schmidbauer. Dass nun knapp die Hälfte der Teams nicht an den Start gehe, sei zwar bedauerlich, so Schmidbauer, aber kein Beinbruch: "Wir respektieren diese Entscheidung und hoffen, dass wir im nächsten Jahr wieder einen Wettspielbetrieb unter normalen Bedingungen durchführen können."

Anreize für Teilnahme

Es hat auch finanzielle Gründe, dass der Verband die Medenrunde 2020 trotz der hohen Abmeldequote durchführt. "Ohne das Mannschafts-Nenngeld würde uns eine höhere sechsstellige, bereits eingeplante Summe im Budget fehlen", sagte der BTV-Präsident der "Süddeutschen Zeitung". Um den Vereinen die Medenrunde trotz der Aussetzung von Auf- und Abstieg schmackhaft zu machen, hat er Anreize geschaffen. So wird den Erstplatzierten der Sprung in die nächsthöhere Liga ermöglicht, sollte dort ein Platz frei werden. Zudem wird die Leistungsklassenregelung angepasst. Spieler können diese wie bisher verbessern, müssen aber keine Herabstufung befürchten.

Sollte der Medenbetrieb aber nicht wirklich gut funktionieren, haben Vereine immer noch die Möglichkeit, Mannschaften jederzeit auch während der Runde zurückzuziehen. Dann werden die Nenngelder in voller Höhe einbehalten.

Gesamt 12 410 Mannschaften gemeldet, 5589 zurückgezogen (Abmeldequote 45%).

BTV-Ligen 665 Mannschaften gemeldet, 367 zurückgezogen (55%).

Bezirk Oberbayern-München 3984 gemeldet, 1573 zurückgezogen (39%).

Niederbayern 1612 gemeldet, 962 zurückgezogen (60%).

Schwaben 1760 gemeldet, 1032 zurückgezogen (59%).

Oberfranken 696 gemeldet, 267 zurückgezogen (38%).

Mittelfranken 1738 gemeldet, 540 zurückgezogen (31%).

Unterfranken 1168 gemeldet, 460 zurückgezogen (39%).

Oberpfalz 787 gemeldet, 388 zurückgezogen (49%).

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