Für den SV Aura bedeutete es einen großen Erfolg nach langer Durststrecke; für den FC Rottershausen war es der Supergau nach mauer Spielzeit: Das 1:0 (0:0) durch Marko Moritz in der Relegation Mitte Juni 2005 besiegelte den Aufstieg der Auraer von der A- in die Kreisklasse und den vorläufigen Abschied der "Spirken" aus der höheren Liga.

An die fotografierte Szene selbst kann sich Peter Sattes, damals SV Aura, nicht mehr erinnern, an den Charakter der Partie schon. "Es war spielerisch kein Sahnestückchen von beiden Teams; es wurde hart gekämpft. Für beide ging es um alles".

Das spiegelt auch das Foto wider, das in der Heimatzeitung am 11. Juni vor 15 Jahren erschien: Sattes, von dem nur der Haarschopf und kein Gesicht zu erkennen ist, scheint ins Straucheln gekommen zu sein. Aber er hat offensichtlich Gegenspieler Michael Bieber vom Ball abgedrängt; der fällt ins Leere.

Erhebliche Probleme

Der 38-Jährige Rottershausener hat den Zeitungs-Artikel von damals ausgeschnitten und aufbewahrt. Das Spiel war Endpunkt eines längeren Kampfes um die Kreisklasse. "Wir waren immer mehr oder weniger um den Relegationsplatz gekreiselt, konnten die Liga aber fünf Jahre lang halten", sagt Bieber.

Doch in der Saison litt die Mannschaft unter erheblichen Besetzungsproblemen; die Trainingsbereitschaft war auch verbesserungswürdig, erinnert sich der einstige Mittelfeld- und Abwehrspieler. Der Wechsel zu einem recht unerfahrenen Trainer in der Winterpause verpuffte. Und so gingen die "Spirken" mental angeschlagen ins Relegationsspiel.

Der SV Aura verbreitete eine ganz andere Stimmung, erinnert sich Peter Sattes. In den Ligaspielen zuvor hatte die Mannschaft lange um die Meisterschaft in der A-Klasse mitgespielt. Doch ausgerechnet zum Saisonfinale unterlag der SV Konkurrent TSV Ebenhausen mit 1:4. Die Meisterschaft war futsch; es blieb der zweite Platz, der zur Aufstiegsrelegation berechtigte. Trotzdem eine Enttäuschung.

"Wir haben dann aus Trotz gesagt, dass wir statt einmal die Meisterschaft lieber drei Mal feiern wollen: erst zwei Siege in den Aufstiegsspielen, dann das 75. Jubiläum des Vereins", sagt Sattes. Daran, dass die Auraer trotz Tiefschlags so topmotiviert in die Aufstiegsrelegation gingen, habe Spielertrainer Wolfgang Schmitt großen Anteil gehabt. "Er war ein guter Fußballer und einzigartiger Mensch. Er redete viel, war immer gut gelaunt. Er hat uns kameradschaftlich den entscheidenden Push gegeben, dass wir den Aufstieg geschafft haben."

Zuerst bezwang der SV Aura in der Relegation die DJK Reith/Schwärzelbach mit 3:2. Der damals eher defensiv ausgerichtete Sattes glaubt, in dem Spiel sogar ein Tor erzielt zu haben. Das zweite Aufstiegsmatch gegen Rottershausen fasst der 37-Jährige mit einer Fußballfloskel zusammen: "Die glücklichere Mannschaft hat gewonnen."

Für Michael Bieber besitzt dieser Junitag im Jahr 2005 eine doppelte Tragik. Zum einen hatte er vor dem entscheidenden Gegentor einen Schlag auf den Knöchel bekommen, wurde draußen behandelt. "Auch wenn unser Torwart bei dem Freistoß nicht gut aussah: Vielleicht hätte ich die Szene klären können."

Zum anderen verschwand der FC Rottershausen nach dem Abstieg lange in der A-Klasse, spielte zwischenzeitlich sogar nur B-Klasse (siehe Infokasten am Ende des Textes).

Doch die Fußballerwunden sind geheilt: Der FC Rottershausen schaffte die furiose Rückkehr in die Kreisklasse, wo Bieber zum Ende seiner Laufbahn noch zwei Spielzeiten mitkicken durfte.

Peter Sattes lebt inzwischen mit Frau und zwei Kindern in Machtilshausen, verfolgt die Geschicke seines früheren Herzensvereins nur aus der Ferne. Anders Michael Bieber. Er schaut sich viele Spiele seines FC Rottershausen an, für den er als Letzter des 2005er-Teams bis vor eineinhalb Jahren auflief.

Der 38-Jährige besitzt Grund zur Freude. Als letztjähriger Aufsteiger in die Kreisliga tüteten die aktuellen Spirken souverän den Klassenerhalt ein (auch wenn die Saison wegen Corona abgebrochen wurde). Spieler wie Johannes Kanz, Julian Göller und Fabian May versprechen weitere Erfolge.

Doch auch die Ansprüche des durch Spieler aus Wittershausen und Albertshausen verstärkten SV Aura sind gestiegen. Nach dem Aufstieg in der Spielzeit 2017/18 und einem Platz kurz hinter der Spitzengruppe 2018/19 steht der Verein im "zweiten schwierigen Jahr" im Mittelfeld der Kreisklasse. Auch das der Klassenerhalt, würde die Saison wider Erwarten zu Ende gespielt.

Christof Sauer spielt noch

Teambetreuer Daniel Sauer jedenfalls hofft, dass sich die Mannschaft längerfristig in der Liga halten, das Image als Fahrstuhltruppe loswerden kann.

Von der Mannschaft, die 2005 den FC Rottershausen in die A-Klasse schickte, steht tatsächlich noch ein Akteur im Aufgebot: Christof Sauer. Auch wenn der Spielertrainer nicht mehr allzu oft die Startaufstellung ziert.

Doch wer weiß: Vielleicht geht es mit oder ohne Christof Sauer auch mal hoch in die Spielklasse, die Rottershausen jetzt schmückt - die Kreisliga. Bruder Daniel, Peter Sattes und der gesamte SV Aura würden es sich sicher wünschen.

Neubeginn Der Abstieg des FC Rottershausen aus der Kreisklasse 2005 leitete einen Abwärtstrend ein - der ganz unten endete. So verbrachten die "Spirken" die Spielzeit 2008/09 (die am weitesten zurückliegende, die sich auf der BFV-App in die Tiefen des Amateurfußballs verfolgen lässt) in der B-Klasse Rhön 1. Erst in der Saison 2010/11 gelang dem FC Einigkeit als Erstplatzierter der B2 der Sprung in die A-Klasse, wo das Team sich in den beiden Jahren darauf im Mittelfeld halten konnte.

2013/14 erreichte Rottershausen schon Platz 3 und ein Jahr später Rang 2. Der Lohn: die Zugehörigkeit zur Staffel 2 der Kreisklasse 2015/16, in der der Verein sich die nächsten Jahre stabilisierte. Und vorne angriff. In der Spielzeit 2018/19 der große Coup: Aufstieg als Kreisklassen-Meister in die Kreisliga nach einem Herzschlagfinale. Dort belegte der FC Einigkeit vor Abbruch des Spielbetriebs mit 31 Punkten Platz 5.

Fahrstuhlteam Der SV Aura wechselte in den vergangenen Jahren zwischen A- und Kreisklasse hin und her. Aufstiegen 2010/11 und 2013/14 mit jeweils souveränen ersten Spielzeiten in der neuen Liga folgten Abstiege 2012/13 und 2015/16. Zuletzt schaffte der SV 2017/18 den Ligawechsel und seitdem immer den Klassenerhalt. Aura steht in der Kreisklasse mit 15 Punkten auf Rang 9.