Das Spiel gewonnen, aber Oliver Lotze vom TC Hammelburg ist immer noch ein Stück weit geschockt. "Jetzt spiele ich schon so lange Tennis, aber so etwas hatte ich noch nicht erlebt", sagt der 46-Jährige, der mitten im Spiel Zeuge eines üblen Sportunfalls wurde. Im Parallel-Match war ein Burgsinner Akteur bei einem Sprint ans Netz aus der Balance geraten und hart mit einem Netzpfosten kollidiert. Der Sturz auf Schulter und Hinterkopf machte einen Notarzt-Einsatz erforderlich. Für eine halbe Stunde ruhte der Spielbetrieb. Teamkollege Wolfgang Geyer kam so nahezu kampflos zum Punktgewinn, Oliver Lotze zog nach mit einem überdeutlichen 6:0, 6:0 über seinen um einige Jahre älteren Gegner.

Zweimal in der Woche trainiert der Fuchsstädter, um in seinem Sport nicht nur in der Medenrunde im Frühsommer fit zu sein. Und freut sich, dass seine Mannschaft erstmals an der Winterrunde teilnimmt, die es im Bezirk erst seit einem Jahr gibt. "Aufgeregt bin ich an den Spieltagen bis auf die übliche Grundnervosität nicht. Aber es ist natürlich immer spannend, weil man erst in der Halle erfährt, wen man zum Gegner haben wird", sagt der Diplom-Ingenieur, der von seinen drei Auftritten bisher zwei gewonnen und einen verloren hat. Und der natürlich auch im Doppel zum Einsatz kommt, in wechselnden Konstellationen.

Vier Einzel, zwei Doppel

"Was immer davon abhängig ist, wer mir an den Spieltagen zur Verfügung steht", erklärt Mannschaftsführer Wolfgang Geyer. Über die teaminterne WhatsApp-Gruppe kommen entsprechende Rückmeldungen, aus denen der 44-Jährige die Aufstellung bastelt. Gespielt werden immer vier Einzel und zwei Doppel, sodass mindestens vier, theoretisch aber auch acht Spieler zum Einsatz kommen können. Wie in der Freiluft-Saison, wird Wert auf einen kollegialen Umgang auch nach dem Spiel gelegt. "Bei Heimspielen in unserer Halle, die über eine kleine Küche verfügt, gibt es immer einen Kuchen und Baguettes oder Würstchen sowie natürlich Getränke", sagt Wolfgang Geyer.

Ein gewisser Aufwand, den die Protagonisten gerne in Kauf nehmen. "Wir sammeln so wertvolle Matchpraxis für die Freiluftsaison, das ist schon was anderes als nur zu trainieren. Außerdem werden Leistungsklassen-Punkte vergeben, mit denen man sich in der Rangliste verbessern kann", sagt Geyer, der selbst gerne bei den sogenannten LK-Turnieren startet, um seine LK 13 zu halten.

Von den insgesamt fünf Spielen in ihrer Bezirksliga-Runde haben die Saalestädter bislang drei gespielt. Zwei Matches wurden gewonnen, unter anderem das Spiel an diesem Samstag gegen Burgsinn, einmal gab es ein Remis. Und zwar gegen die TG Kitzingen II, die fast ausschließlich aus Spielern des TSV Maßbach besteht. Was daran liegt, dass Jörg Dotzel, seines Zeichens Bezirkssportwart, seit Jahren im Winter für die Mainfranken in der Landesliga Mittelfranken antritt. "Für zwei Vereine gleichzeitig kann ich im Winter nicht starten, und ich wollte in Kitzingen bleiben, daher laufen die Maßbacher eben für eine zweite Mannschaft der TG auf", erklärt Dotzel, der die Winterrunde auf unterfränkischer Ebene federführend ins Leben gerufen hatte. "Ich wurde bei Verbandssitzungen immer komisch angeschaut, weil wir bayernweit als einziger Bezirk nicht eine solche Runde hatten", sagt der Bezirkssportwart. 47 Mannschaften starteten in die Premieren-Saison, aktuell haben 66 Teams gemeldet. Zur Saison 2019/2020 sollen flächendeckend erstmals zwei Landesligen (Nord und Süd) installiert werden. Die aktuellen Bezirksliga-Meister hätten ein Aufstiegsrecht. Dass im Landkreis Bad Kissingen nur wenige Vereine Interesse an der Hallenrunde zeigen, ist einerseits schade. "Andererseits muss ich sagen, dass wir mit den Hallenkapazitäten schon jetzt an unsere Grenzen stoßen, weil uns kaum geeignete Spielstätten zur Verfügung stehen. Da fehlt uns schlichtweg Substanz. "Dabei wären die Hallengebühren doch ein gutes Zubrot für die Betreiber", erklärt der 48-Jährige, der bei der Organisation des Spielbetriebs maßgeblich von der Teilzeitkraft in der Bezirks-Geschäftsstelle unterstützt wird. "Da steckt sehr viel Arbeit dahinter. Rein ehrenamtlich ist das alles gar nicht möglich."

Heimspiel-Kuriosum

Auch der TC Bad Brückenau verfügt am Kurpark über eine eigene Spielstätte. Doch es gehört zu den Kuriositäten dieser Winterrunde, dass ein Heimspiel in einer fremden Halle stattfinden kann "Das hat etwas mit Chancengleichheit zu tun. Ein Heimspiel hat man eigentlich nur auf dem Papier. Als Heimmannschaft stellt man die Bälle und füllt den Spielberichtsbogen aus", sagt Christian Gerhäuser, der bei den Blau-Weißen aus der Sinnstadt Sportwart sowie Mannschaftsführer der Herren-40 ist, die nach drei Spielen in der Bezirksklasse noch auf ihren ersten Punktgewinn wartet. "Unsere Ambitionen sind eher niedrig angesiedelt, weil wir Verletzungsprobleme haben und meist deutlich älter als unsere Gegner sind. Aber wir waren trotzdem schon letztes Jahr dabei, um auch im Winter in Wettkampfform spielen zu können", sagt der 55-Jährige, dessen Großeltern Gründungsmitglieder beim TC Bad Brückenau waren. Gerhäuser ist es einfach wichtig, dass der Tennissport in Bad Brückenau eine Zukunft hat. "Wir haben ja nur noch ein paar Überlebende nach dem Tennisboom."

Saison Die Winterrunde geht von Oktober bis März. Durchschnittlich wird pro Monat ein Match ausgetragen. Gespielt wird über maximal drei Sätze, der letzte Satz wird als Matchtiebreak ausgespielt.

Teams Aus dem Landkreis Bad Kissingen nehmen vier Vereine an der Winterrunde teil: Der TC Hammelburg mit den Herren- 40 in der Bezirksliga sowie mit den Damen in der Bezirksklasse, der TC Bad Brückenau mit den Herren-40 in der Bezirksklasse und den Damen in der Bezirksklasse sowie der TC RW Bad Kissingen und der TC Motten mit ihren Damen in der Bezirksklasse. Akteure des TSV Maßbach starten zudem für die TG Kitzingen II bei den Herren-40 in der Bezirksliga.

Kosten Der Tennisverband stellt für die Winterrunde eine einmalige Gebühr in Höhe von 57 Euro in Rechnung. Dazu kommt pro Spieltag eine Gebühr von 60 Euro für jede Mannschaft, zur Hallenfinanzierung.