Auf dem Rasen haben fränkische Fußball-Größen oft eine wichtige Rolle gespielt. Vom Fürther Karl Mai, dem WM-Sieger von 1954, bis zum Herzogenauracher Lothar Matthäus - fränkische Fußballer standen bei vielen Erfolgen auf dem Platz. Überraschenderweise haben zur großen Trainer-Karriere in Deutschland aber nur wenige Franken angesetzt, Lothar Matthäus wartet wohl noch immer auf sein erstes Angebot aus der Bundesliga.

Die Suche nach Trainern, die in Franken geboren sind und auf Erfolge in der 1. und 2. Bundesliga zurückblicken, gestaltet sich zäh. Weil es eben kaum fränkische Trainer in den Bundesligen gegeben hat. Zwar werden auch Gino Lettieri (wohnt im Landkreis Bayreuth, aktuell Trainer beim MSV Duisburg) oder der seit langem in Nürnberg wohnende Hans Meyer als Franken wahrgenommen, geboren wurden sie aber woanders.

An einem kommt man auf der Suche nach den erfolgreichsten fränkischen Trainern aber natürlich nicht vorbei: Felix Magath. 1953 in Aschaffenburg als Sohn einer Vertriebenen und eines puerto-ricanischen US-Soldaten geboren, wurde er in den 70ern zum Nationalspieler und setzte anschließend zur Karriere nach der Karriere an, immer in wechselnden Rollen: als Manager oder als Trainer. Den FC Bayern München führte er 2004/05 sowie in der Folgesaison jeweils zu Meisterschaft und Pokalsieg. Noch höher ist aber die unerwartete Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg in der Saison 2008/09 anzusehen mit dem unvergessenen 5:1-Sieg gegen seinen Ex-Verein aus München, als Grafite die gesamte Abwehr narrte und per Hacke zum Endstand traf.

Erfolg ist ausgeblieben

Elf Jahre ist der Coup her, für Magath war es die Krönung seiner bisherigen Trainerkarriere. Ein ähnlicher Erfolg sollte sich danach aber nicht mehr einstellen: Beim FC Schalke 04 (2009 bis 2011) waren sie ihm zwar dankbar für zwei Jahre mit der spanischen Legende Raul, auf dem Transfermarkt fehlte Magath aber das glückliche Händchen: 32 neue Spieler holte er in zwei Jahren, im Gedächtnis ist kaum einer geblieben.

Auch der zweite Abstecher zum VfL Wolfsburg war nicht von Erfolg gekrönt: Nach 55 Spielen und nur 1,49 Punkten im Schnitt endete die Zusammenarbeit im Oktober - und damit vorerst auch das Wirken von Magath in Deutschland. Nach einem halbjährigen Gastspiel 2014 beim FC Fulham (England) in der Premier League und 18 Monaten in der chinesischen Super League bei SD Luneng ist der 67-Jährige seit Januar 2020 wieder auf dem deutschsprachigen Markt unterwegs: als Leiter von Flyeralarm Global Soccer. Das unterfränkische Unternehmen ist Hauptsponsor der Würzburger Kickers und Teilhaber des österreichischen Erstligisten FC Admira Wacker Mödling. Eine glückliche Figur hat Magath aber auch dort zuletzt nicht mehr abgegeben: Nach der Rückkehr der Kickers in die 2. Bundesliga wurde der Kader grundlegend erneuert und magath-typisch auf 29 Spieler aufgebläht.

Nach nur zwei Partien musste Aufstiegstrainer Michael Schiele gehen, sein Nachfolger Marco Antwerpen durfte sich dann nur fünf Spiele beweisen. Magath verspielte bei den Fans viel Kredit, als er Antwerpen kurz vor seiner Entlassung noch eine Arbeitsgarantie ausstellte - und dann Bernhard Trares als neuen Übungsleiter präsentierte. "Der Trainer kann weiter in Ruhe arbeiten - nur halt woanders. Wo ist das Problem? Wenn ich viermal verloren und einmal unentschieden gespielt hätte, hätte ich zu meinem Chef gesagt: Ich gehe lieber." Angesichts dessen kann man Bernhard Trares nur wünschen, schnellstmöglich das mickrige Punktekonto aufzubessern.

Achim Beierlorzer: Eigentlich hatte das Berufsleben für Achim Beierlorzer einen anderen Plan vorgesehen. Der 1967 in Erlangen geborene Gymnasiallehrer für Mathematik und Sport unterrichtete bereits seit mehr als zehn Jahren, als er 2013 bei der SpVgg Greuther Fürth den Lehrgang zum Fußball-Lehrer beendete - und sich fortan von der Schule beurlauben ließ. Über die U17 der Greuther ging es in den Nachwuchs zu RB Leipzig, 2015 wurde er Co- und Interimstrainer der ersten Mannschaft. Nach zwei Jahren bei Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga wagte der im Landkreis Forchheim wohnende Beierlorzer den Sprung ins Oberhaus: Beim 1. FC Köln (13 Spiele) und FSV Mainz (26 Spiele) erfolgte aber die vorzeitige Trennung, seither wartet der 52-Jährige auf eine neue Anstellung.

Lorenz-Günther Köstner: 1952 in Wallenfels im Landkreis Kronach geboren, startete Köstner seine Spieler- und Trainerkarriere jeweils bei Bayern Hof. Den größten Erfolg feierte er 1975 mit der deutschen Meisterschaft mit Borussia Mönchengladbach, weitere Spiele in der Bundesliga folgten bei Bayer Uerdingen und Arminia Bielefeld, ehe Köstner 1982 seine erste Trainerstelle antrat - und sich nach oben arbeitete. 1992 war er Co-Trainer unter Christoph Daum und holte mit dem VfB Stuttgart den Titel. Seine längste Zeit verbrachte Köstner bei der SpVgg Unterhaching (1994 bis 2001), unterbrochen von einem Jahr beim 1. FC Köln. Im Oktober 2012 beerbte er Felix Magath interimsmäßig beim VfL Wolfsburg. Seine letzte Station war Fortuna Düsseldorf bis April 2014. Insgesamt saß er bei 565 Spielen auf der Trainerbank.

Christian Wück: Mit 17 Jahren durfte Christian Wück 1990 in der Bundesliga für den 1. FC Nürnberg spielen, dem in Werneck (Landkreis Schweinfurt) geborenen Offensivspieler wurde eine große Karriere prognostiziert. Von Verletzungen geplagt beendete Wück mit Ende 20 nach weiteren Stationen (Karlsruhe, Bielefeld, Wolfsburg) seine Karriere - und stieg ins Trainergeschäft ein. Zunächst für vier Jahre bis 2010 in der Regionalliga, 3. Liga und 2. Liga (60 Spiele für Rot Weiss Ahlen, 26 Spiele für Holstein Kiel), machte sich der 47-Jährige dann als Nachwuchstrainer einen Namen: Seit 2012 betreut er diverse Nachwuchsteams des DFB. Unter ihm gelang der U17 der Einzug ins EM-Finale 2015 gegen Frankreich (1:4). Wück hat nun die U15 übernommen und soll den Jahrgang für die U17-EM in drei Jahren entwickeln.

Bernd Hollerbach: Als langjähriger Co-Trainer unter Felix Magath beschritt der gebürtige Würzburger seit 2014 eigene Wege als Trainer - zunächst mit durchschlagendem Erfolg. In seiner Heimat führte der einstige Profi des Hamburger SV und des FC St. Pauli die Kickers von der Regionalliga in die 2. Bundesliga, trat dort aber im Mai 2017 nach einer sieglosen Serie von 17 Spielen zurück. Im Januar 2018 heuerte er beim HSV an, musste aber nach sieben Spielen ohne Sieg den Verein bereits im März verlassen. Zur Saison 2019/2020 übernahm der 50-Jährige den Trainerposten beim belgischen Erstligisten Royal Excel Mouscron. Weil Mouscron aber Geld einsparen musste, wurde der noch laufende Vertrag mit Hollerbach im Juni 2020 aufgelöst. Seither ist die "Holleraxt" (196 Spiele als verantwortlicher Trainer) ohne Verein.

Konrad Fünfstück: Über die SpVgg Greuther Fürth landete der 40-Jährige 2013 beim 1. FC Kaiserslautern und übernahm nach zwei Jahren in der Reserve die erste Mannschaft in der 2. Bundesliga, musste aber nach 27 Spielen gehen. Nach einem Abstecher in die Schweiz zum FC Wil trainiert der gebürtige Bayreuther seit Juni 2019 den SV Werder Bremen II in der Regionalliga.

Karl Bögelein: 175 Spiele bestritt der Bamberger bis 1951 für den 1. FC Bamberg, stand in diesem Jahr sogar einmal im Tor der Nationalelf (4:1 gegen Luxemburg) und wurde danach beim VfB Stuttgart zur Legende. 1952 holte der "Elfmetertöter" mit dem VfB die deutsche Meisterschaft und trainierte danach die Amateure des VfB für viele Jahre. Bögelein verstarb im August 2016 im Alter von 89 Jahren, die VfB-Spieler ehrten ihn mit einer Schweigeminute.

Kurt Geinzer: Der Erlanger machte sich in den 70ern als Spieler des 1. FC Nürnberg einen Namen und führte 84/85 als Spielertrainer den SV Viktoria Aschaffenburg in die 2. Liga. Dort blieb er - abgesehen von einem Abstecher nach Offenbach - bis 1997 und trainierte 1998 den SC Weismain.