Am Mittwochabend zog sich der Vorstand des Bayerischen-Fußball-Verbands (BFV) mit Präsident Rainer Koch und allen sieben Bezirksvorsitzenden zu einer Videokonferenz zurück. Thema: Wie sollen die gut 4500 Vereine zum unausweichlich scheinenden Abbruch der Saison 2019/21 befragt werden. Die 19 Teilnehmer stellten sich auf eine längere Sitzung ein, eine Bekanntgabe der Entscheidung solle deshalb erst heute Vormittag erfolgen.

Nach der Verlängerung des Lockdowns im Freistaat bis 9. Mai ist der selbst gesetzte, spätest mögliche Zeitpunkt für einen Re-Start nicht mehr einzuhalten, schließlich müsste die Saison bis Ende Juni beendet werden. Wozu die Vereine dann überhaupt befragen? Und wäre es mit einer einfachen Zustimmung oder Ablehnung nicht getan?

Abbruch unabhängig von BFV möglich

Der BFV ist verpflichtet, den Vereinen bis 30. Juni ein Spielangebot zu machen, sofern es coronabedingt zulässig ist. Würde der Verband jetzt die Notbremse ziehen, Amateurfußball aber vor Ende der Frist erlaubt werden, hätten die Klubs ein Klagerecht. Auch die Auf- und Abstiegswertung nach Quotienten ist trotz Anpassung der Spielordnung nicht in Stein gemeißelt. Warum die Saison nicht bis in den Sommer oder ins Jahr 2022 ausdehnen?

Nicht unmöglich, allerdings wäre der BFV diesmal als einziger Landesverband auf den DFB angewiesen, der wie schon im vergangenen Jahr für alle 21 Verbände das Wechselrecht aussetzen müsste. Diese haben heuer aber keinen Bedarf, da sie ihre Spielzeit 2020/21 wegen zu wenig ausgetragener Begegnungen annullieren und das zum Teil schon getan haben. Mit einem einstimmigen Votum innerhalb einer Spielklasse wäre ein Abbruch sogar unabhängig vom BFV möglich. Dies wollen die Vertreter der Bayernliga Nord Donnerstag diskutieren.

Nebenbei blitzt das Thema Pokalwettbewerb auf. Bayern muss zeitnah seinen Sieger und DFB-Pokalvertreter ermitteln. Wir haben Vereinsvertreter gefragt, wie sie die aktuelle Situation bewerten und was sie für den besten Ausweg aus dem Dauer-Abseits halten.

Übrigens: Unten haben wir die Fußballtabellen von der Landesliga abwärts aufgeführt, falls die Saison abgebrochen und nach Quotientenregel gewertet wird. Großartige Veränderungen würden sich für die Landkreisvereine nicht ergeben.

Der FC Westheim und die SG Oerlenbach/Ebenhausen stehen in Bezirks- beziehungsweise Kreisliga am Ende. Die TSVgg Hausen würde in der A-Klasse von Relegationsplatz auf den 3. Rang rutschen. Die SG Bad Bocklet/Aschach würde in der B-Klasse anstelle der SG Eltingshausen/Rottershausen II auf die Spitzenposition rücken. Beide Ränge berechtigen Stand jetzt zum Aufstieg.

Das sagen die Vereinsverantwortlichen:

Thorsten Büttner ( Trainer SG Oerlenbach/Ebenhausen)

Aus meiner Sicht bleibt fast nichts anderes übrig als ein Abbruch nach Quotientenregel nur mit Aufsteigern. In der vergangenen Saison sind wir Meister in der Kreisklasse geworden. Wenn wir da nicht hätten aufsteigen dürfen, wäre das extrem schade gewesen. Für mich ist es auch Bestrafung genug, die Saison nicht zu Ende spielen und so lange keinen Sport treiben zu dürfen. In dieser Situation sollte es keine Absteiger geben. Es wäre doppelt bitter für diejenigen Vereine, die vielleicht ein Spiel oder einen Punkt zu viel oder zu wenig haben, am Grünen Tisch abzusteigen und keine Handhabe zu besitzen, das noch zu korrigieren. Das schwierige ist auch, danach wieder aufzusteigen. Der Bayerische Fußballverband die Situation dann wieder so einnorden, indem es kommende Saison wieder mehr auf- und Absteiger gibt. Für uns als SG Oerlenbach/Ebenhausen ist es auch bitter, dass wir nicht einen Punkt mehr in der Kreisliga haben. Mit 18 Punkten wären wir vom Quotienten her aus dem Abstieg heraus. Eine Verlängerung der Spielzeit würde ich nicht gut finden. Die Voraussetzungen für den Verein werden immer schlechter, weil nicht mehr die Mannschaft da ist, mit der man es hätte packen können. Einige Spieler gehen weg oder hören ganz auf. Außerdem wäre die Saison viel zu lang; man quält sich jetzt schon durch. Gefühlt haben wir vier Vorbereitungen absolviert. Den Toto-Pokal würde ich beibehalten. Da sind es wenige Spiele, die gut nachgeholt werden können.

Maximilian Schaub ( Abteilungsleiter FC Westheim)

Ich bin schon länger für einen Saisonabbruch, weil das, was jetzt ist, mit der ursprünglichen Spielzeit nichts mehr zu tun hat. Man hätte diese Entscheidung auch viel früher treffen können. Es war klar, dass in absehbarer Zeit nicht mehr gespielt werden kann. Wir haben es sportlich nicht geschafft und daher nicht verdient, weiter in der Bezirksliga anzutreten. Daher akzeptieren wir es, wie es kommt. Klar würde sich der FC Westheim nicht gegen einen Abbruch ohne Absteiger wehren. Aber wer bin ich denn, so etwas zu fordern? Im Falle des Abstiegs würden wir nicht klagen. Es geht auch nicht darum, was das Beste für den FC Westheim ist, sondern um die fairste Lösung für alle. Dafür gibt es beim BFV genügend Leute, die im Sinne der größtmöglichen Fairness entscheiden sollen. Ich bin aber froh, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss. Die Quotientenregel halte ich für die relativ fairste Lösung.

Sven Röthlein ( Abteilungsleiter FC Untererthal)

Die logischste Entscheidung wäre die Quotientenregel mit Aufsteigern. Das wäre auch für den FC Untererthal das Beste; wir wären dadurch aufgestiegen. Sollte es keine Auf- und Absteiger geben, wäre das für uns sehr ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Verstehen würde ich eine solche Entscheidung zwar nicht, weil zwei Drittel der Saison gespielt sind und die Tabellen eine gewisse Aussagekraft besitzen. Aber ich sehe die Sache differenziert und mache dem Verband keine Vorwürfe. Wenn schon die Politik keine Leitlinien geben kann; wie soll das der BFV dann tun. Darüber, ob es Absteiger in den Amateurligen geben soll, möchte ich mir kein Urteil bilden.

Thomas Kraus ( SG Bad Bocklet/Aschach)

Wenn die Saison abgebrochen wird, nehmen wir die Quotientenregelung als nunmeriger Tabellenerster gerne an. Also würde ich sagen: Aufsteiger ja; aber das mit den Absteigern würde ich sein lassen. Man weiß ja auch nicht, wie und wann es mit der neuen Saison losgeht. Ich glaube nämlich noch nicht, dass es im September mit dem Fußballspielen weitergehen kann wegen der Virus-Mutanten und weil sich die Impfungen rausziehen. Eine Verlängerung der Saison im Sommer oder ins nächste Jahr hinein ist absoluter Quatsch. Die Jungs laufen nur noch und treten gar nicht gegen den Ball. Der Saisonabbruch ist ohne Alternative.