Es war kein richtungsweisendes Spiel am 20. Oktober 2002, zwischen der DJK Schondra und dem SV Riedenberg in der Kreisliga Nord (Endstand 2:2 (2:1). Aber es war trotzdem ein besonderes: weil es in einer Zeit stattfand, in der die Kräfteverhältnisse andere waren, als sie es heute sind.

Eines kann Mirko Metz auch nach 18 Jahren ganz sicher sagen: Mit einem seiner beiden Tore im Spiel gegen Schondra hat unser Archivbild nichts zu tun. Kein Wunder, erzielte der Stürmer beide Treffer doch per Kopf - kurz vor (35.) und kurz nach der Halbzeit (47.). Damit rettete er seinen Grün-Weißen ein Unentschieden. Die DJK hatte 2:0 (17, 27.) geführt.

Als "exzellenten Kopfballspieler" kennt Metz' damaliger Widerpart Joachim Wirth (blockt im Bild den Schuss) den Riedenberger noch. "Zu der Zeit war Mirko ein alter Hase, mit allen Wassern gewaschen. Wenn wir gegeneinander gespielt haben, war ich auf ihn angesetzt." An Szenen aus der Partie erinnert sich der frühere Schondraer Abwehrspieler aber nicht mehr.

Schondraer Höhenflug

Es war eine Zeit, in der die DJK einen langanhaltenden Höhenflug hinlegte. Gerade erst in die Kreisliga aufgestiegen, bastelten die Schondraer am Durchmarsch in die Bezirksliga. Nach dem zwölften Spieltag, zu dem das Derby gegen Riedenberg gehörte, lagen sie auf Rang 4, Riedenberg nur auf Platz 10. Am Ende reichte es für den SV nicht einmal zum Klassenerhalt.

Für die DJK Schondra sprang letztlich der 2. Platz heraus - und ein Aufstiegsspiel zur Bezirksliga. Der Ligawechsel sollte tatsächlich gelingen. "In der Relegation haben wir den SV Krum dermaßen weggebombt und dort mit 9:1 gewonnen", erinnert sich der 37-jährige Wirth.

"Für mich war das ein persönliches Fußball-Highlight," ergänzt er. Eines, das ziemlich früh in seiner Karriere erfolgte. Denn Joachim Wirth war erst zwei Jahre zuvor gemeinsam mit Stefan Beck in die 1. Mannschaft aufgerückt, musste als 17-Jähriger noch per Antrag von der A-Jugend "freigemacht" werden. Für seinen Heimatverein spielte der Schondraer noch bis zur Saison 2015/16, hörte dann familien- berufsbedingt auf.

Da hatte Mirko Metz seine Kickstiefel längst an den Nagel gehängt. Die Spielzeit 2005/06 bedeutete für ihn die letzte. Der Riedenberger krönte sie mit einem Aufstieg. 3:2 gewannen die Riedenberger in Wollbach gegen den SV Wildflecken. "In dem Jahr habe ich eigentlich nur noch ausgeholfen, bin aber zu vielen Einsätzen gekommen."

Und zu vielen Toren. 21-mal netzte Metz allein in jener Saison ein. Einmal holte der SVler nach eigenen Angaben sogar die Torjägerkanone.

Trotzdem war Weitermachen keine Option für den heute 46-Jährigen. "In der Bezirksliga wurde mit jungen Spielern geplant. Ich selbst habe dort nie gespielt."

Überhaupt: Seine aktive Zeit sei mit der heute nicht mehr vergleichbar. In den 1990er-Jahren, als Merz in den Männerbereich einstieg, hieß die unterklassigste Liga noch C-Klasse. Die A-Klasse besaß eine viel höhere Wertigkeit als heute; man stieg gleich in die Bezirksliga auf.

2002 - als Mirko Metz und Joachim Wirth in der Kreisliga Nord aufeinandertrafen - gehörten die Reservemannschaften nicht zum offiziellen BFV-Spielbetrieb. Sie richteten in sogenannten Reserverunden Vorspiele aus. Die Teams konnten sich zwar Platzierungen erarbeiten. Auf- und Abstieg gab es allerdings nicht. So bezwang zum Beispiel die Reserve der DJK Schondra an jenem 20. Oktober die Riedenberger B-Elf mit 5:1.

Ein System, das Mirko Metz besser fand als das heutige. Teilweise kickten die Ersatzspieler der 1. Mannschaft bei der Zweiten mit; Extra-Fahrten, wie sie heute die Reserveteams auf sich nehmen müssen, weil sie nicht am selben Ort wie die Erste spielen, waren kein Thema.

Joachim Wirth hingegen erlebte Entwicklungen, die an Metz noch fast vorbeigingen. Als beide Teams 2002 die Klingen kreuzten, stammten bis auf Trainer Bertram Schmitt aus Wildflecken und einem Spieler alle aus dem Ort. Bei den Riedenbergern war es ähnlich. "Neun von elf kamen aus dem Dorf, gerade im Altlandkreis Brückenau", so Metz.

Zwischenzeitlich wieder obenauf

Mit der Zeit schmiedete die DJK Spielgemeinschaften - erst mit Breitenbach/Mitgenfeld, dann mit Schönderling. Riedenberg blieb eigenständig. Nach Mirko Metz kamen starke Jahrgänge. Der SV schaffte, verstärkt durch auswärtige Spieler, einen Aufschwung bis in die Bezirksliga. Nun heißt die Realität Kreisliga.

Mirko Metz erlebte Zusammenschlüsse vor allem als Jugendbetreuer. Er war an der Gründung der JFG Sinngrund/Schondratal beteiligt, in der Nachwuchskicker aus Riedenberg, Oberbach, Wildflecken, Bad Brückenau und Schondra vereinigt waren. Sein Sohn kickt heute in der SV-Reserve. Für seinen ehemaligen Gegner hat Mirko Metz noch ein Kompliment übrig: "Der Joachim Wirth war ein sehr fairer Spieler." Das könne er nicht über jeden Abwehrmann sagen.