Ausgestorben wirkt Ramsthal an Fronleichnam im Jahr 1982. Ein Großteil der Bewohner ist in Eußenheim zu finden, wo am Nachmittag das unterfränkische Pokalfinale angepfiffen wird, für das sich die A-Klasse-Kicker sensationell qualifiziert haben.

Im Halbfinale hatten die Ramsthaler den Landesligisten TuS Frammersbach mit 5:2 düpiert. "Wir hatten nichts zu verlieren. Als der Gegner, der uns wohl unterschätzt hat, gemerkt hat, dass mit uns schlecht Kirschen essen ist, war die Partie schon zu unseren Gunsten entschieden", erinnert sich der damalige Vorsitzende Helmut Morper. Helmut Kaiser, seinerzeit Kapitän und Stürmer, ist vor allem der Sieg zuvor über den FC Haßfurt präsent. "In Haßfurt habe ich einmal gegen den berühmten Luggi Müller gespielt, der war beinhart."

Im Endspiel wartet mit dem SV Bütthard ein weiteres Überraschungsteam. Der frischgebackene Meister der B-Klasse Kitzingen/Ochsenfurt war ebenfalls als krasser Außenseiter in den Pokalwettbewerb gegangen, marschierte dann aber durch und ließ ebenfalls einige höherklassige Teams staunen.

1000 Zuschauer in Eußenheim durften also eine spannende Auseinandersetzung erwarten, "weil es keinen ausgemachten Favoriten gab", so SV-Coach Franz Büttner. Der spätere Bürgermeister hatte drei Wochen vor dem Endspiel nicht nur interimsweise den Trainerposten von seinem Vorgänger Manfred Hilmer übernommen, er fungierte auch als Libero.

Schon nach sieben Minuten Jubel in der Ramsthaler "Kurve", weil Walter Späth, ein Meister des ruhenden Balls, einen Freistoß direkt verwandelt. Ein Wirkungstreffer für den Kontrahenten, der fahrig agiert und keine Mittel gegen das Ramsler Bollwerk findet. Auch die im Mittelfeld aufgestellten Brüder Achim und Reinhard Unsleber übernehmen vorwiegend Defensivaufgaben, weil mit Ernst Weisensel und Michael Kaiser zwei Stammspieler verletzungsbedingt ausfallen.

"An diesem schwül-heißen Nachmittag galt es die Kräfte gut einzuteilen", erklärt Büttner die vorsichtige Ausrichtung seiner Elf gegen ausgebuffte Büttharder Routiniers wie Rudi Riegel, Stefan Breunig oder Richard Schenk, die bei den Würzburger Kickers oder beim Würzburger FV sogar 2. Bundesliga gespielt hatten.

Dem Ausgleichstreffer voraus geht eine unglückliche Aktion von Ramsthals Keeper Ingo Radtke, der nach einer Ecke die Kugel aus den Händen rutschen lässt, genau vor die Füße von Paul Kordmann. "Radtke, der eigentlich gelernter Handballtorhüter war und seinerzeit bei der Bundeswehr in Hammelburg arbeitete und in Ramsthal wohnte, musste kurzfristig unseren Stammtorhüter Wieber ersetzen", weiß Walter Späth. Zehn Minuten vor Spielende müssen die Ramsthaler dem Dauerdruck der Büttharder Tribut zollen, kassieren den zweiten Gegentreffer und gehen danach notgedrungen ins volle Risiko - was der Gegner zur Entscheidung nutzt.

Während der SV Bütthard im Jahr des 45-jährigen Vereinsbestehens einen überregionalen Erfolg feiert, "waren wir natürlich geknickt und enttäuscht. Wir konnten leider nicht an die Leistungen der vorherigen Pokalspiele anknüpfen. Der Gegner war an diesem Nachmittag einfach die bessere Mannschaft", so Büttner und Späth unisono.

SV Ramsthal - SV Bütthard 1:3 (1:0).

Ramsthal Radtke - Stäblein, W. Seufert, F. Büttner, J. Wahler - R. Unsleber, A. Unsleber, W. Späth, Nöth (60. Neder) - H. Kaiser, Reusch.

Tore 1:0 Walter Späth (7.), 1:1, 1:2 Paul Kordmann (67., 80.), 1:3 Stefan Breunig (88.).

Zuschauer (in Eußenheim) 1000.