Alexander Unsleber vom VfR Sulzthal trifft immer noch am Fließband. Er sicherte sich aber nun wirklich das erste Mal den begehrten Torjägerpokal, den die Saale-Zeitung gemeinsam mit dem Rhöner Fußball-Podcast "Du Holz" verleiht. Fast wäre es seine letzte Saison gewesen, doch weil es am Ende eben nicht die Meisterschaft war, muss noch ein Jahr folgen sagt er. Aufgestiegen ist der VfR Sulzthal dennoch und geht nächste Saison in der Kreisliga an den Start.

Herr Unsleber, Sie sind 38 Jahre alt und treffen weiter am Fließband. Warum?

Alexander Unsleber: Manchmal ist es mir selbst ein Rätsel. Ich muss mich aber nur noch aufs Toreschießen konzentrieren, den Rest machen dankenswerterweise meine Mannschaftskollegen. An dieser Stelle deshalb nochmals mein Dank an die ganze Mannschaft. Es ist keine Einzelleistung.

Waren die 26 Tore der vergangenen Saison Ihre persönliche Rekord-Tormarke?

In Summe ja. In der vorletzten Saison war ich besser unterwegs, da wäre sogar die 30er-Marke drin gewesen. Aber die Spielzeit wurde ja abgebrochen, doppelt ärgerlich. So bin ich dann, glaube ich, bis zur Saison 2020/21 davor drei Mal in Folge mit dem VfR Sulzthal auf dem 3. Tabellenplatz gelandet.

Haben Sie ein Vorbild?

Damals war ich immer ein Fan von Marek Mintal. Das "Phantom" hat viele Tore aus dem Nichts gemacht. Ich glaube, dass passt ganz gut zu mir.

Glauben Sie, dass die Bewachung in der Kreisliga Rhön jetzt noch härter wird?

Definitiv wird das für uns alle jetzt nochmal eine ganz andere Hausnummer. Ich denke, die ersten fünf Mannschaften in der Kreisklasse haben das Niveau, Kreisliga zu spielen. Es wird für uns jetzt natürlich jede Spiel eine Herausforderung auf hohem Niveau. Ich hoffe aber dennoch, dass ich mich noch das ein oder andere Mal durchmogeln kann.

Wie viele Torschützen-Pokale haben Sie schon gewonnen?

Mannschaftsintern habe ich natürlich schon ein paar gewonnen. Aber als Spielklassentorschützenkönig dürfte es wirklich der Erste sein. Mir war es aber nie wirklich wichtig, ob ich die meisten Tore schieße. Wichtig ist der Erfolg der Mannschaft. Dass es jetzt zum Ende meiner Karriere hin dennoch geklappt hat und wir auch noch aufgestiegen sind, freut mich natürlich umso mehr.

Was war Ihr schönstes Tor?

Als Strafraumstürmer kommen da jetzt nicht die allerschönsten Leckerbissen heraus. Im Kopf habe ich aber mein Tor gegen Haard/Nüdlingen. Bei Starkregen stand es 2:2. Wir haben uns damals echt schwer getan. Dann kam ein langer Ball von Marcel Schmitt, den ich mit dem Rücken zum Tor mit der Brust angenommen habe. Danach habe ich noch zwei oder drei Gegenspieler aussteigen lassen und ins lange Ecke zum 3:2 für uns getroffen. Wir haben am Ende 4:2 gewonnen.

Welches Spiel blieb Ihnen besonders in Erinnerung?

Da muss ich das Relegationsspiel in Burglauer gegen Herbstadt nennen. Ich hatte ehrlich gesagt erst etwas "Bammel". Aber was unsere Fans da abgeliefert haben, hat uns alle enorm beflügelt. Der Aufstieg war für den Verein, für unsere Fans und für die Mannschaft etwas ganz besonderes.

Kommen Anfragen anderer Vereine? Wie gehen Sie damit um?

Ja, aber die gehen dann eher schon in Richtung Trainer oder Spielertrainer. Ein Wechsel nur als Spieler kommt nicht mehr in Frage. Irgendwann muss dann ja auch mal Schluss sein. Ich hätte damals nach meinem Wechsel von Ramsthal nach Sulzthal ohnehin nicht gedacht, dass ich noch so lange am Ball bleibe.

Was ist das Geheimnis Ihrer guten Quote? Was sind Ihre Stärken?

In erster Linie ist es wohl wirklich die Erfahrung. Den "Torriecher" hatte ich eigentlich schon immer. Hauptsächlich aber vor allem die Mannschaftskollegen, die mir die Bälle auflegen. Ich muss mich aber auch bei unsere Physiotherapeutin Nadine Neder bedanken. Ohne sie würde ich nämlich nicht mehr so oft auf dem Platz stehen.

Welches Schuhmodell bevorzugen Sie?

Bis auf meine Jugendzeit habe ich immer mit Adidas Copa gespielt. Das Modell ist alt, aber gut.

Warum fehlt in der deutschen Nationalmannschaft so ein Stürmertyp wie Sie?

Ich glaube, es wird teilweise zu viel Wert gelegt auf Ballbesitz, Zweikampfwerte oder gelaufene Kilometer. Einfach zu viel Statistik. Ein Miroslav Klose hat die Dinger einfach gemacht, ohne im Spiel 80 Ballkontakte oder zig gewonnene Zweikämpfe zu haben. Und zum Schluss gewinnt immer noch die Mannschaft mit den meisten Toren.

Das Gespräch führte

Thomas Sturm