Es war noch einmal das emotionale Highlight einer fantastischen vergangenen Saison: Im Spiel gegen Grafing war der letzten Ballwechsel gerade gespielt und Fans und Spieler surften kollektiv auf einer nicht enden wollenden Begeisterungswelle. Dennoch machte bei den Zuschauern schnell diese eine Frage die Runde: "Wie sollen wir denn nun unsere Samstagabende verbringen, bis es endlich wieder losgeht?" Diesen Samstag ist es nun soweit: Sie schmettern wieder und aus verrückten Aufsteigern sind Hammelburger Jungs geworden.
Vom Rhein an die Saale führt der Weg der Gäste aus Mainz. Mainz? Da war doch was. Ach ja, es war der allererste Auftritt einer Hammelburger Volleyballmannschaft in der 2. Bundesliga. Damals gelang in Mainz-Gonsenheim ein überraschend deutlicher 3:0-Erfolg. Ein Jahr später trifft man erneut auf das Team von Trainerin Aline Reinhardt, diesmal vor Heimpublikum. Retrospektiven spielen in den Gedanken von TV/DJK-Trainer Tado Karlovic vor dem Ligastart allerdings keine Rolle: "Von dem dritten Platz im vergangenen Jahr und der Tatsache, dass wir Mainz zwei Mal schlagen konnten, können wir uns nichts kaufen", so das nüchterne Statement des Hammelburger Trainers. Alles zurück auf null, die Karten werden neu gemischt. Eine Tatsache, die auch für die Gäste gilt: Dass man nach Anlaufschwierigkeiten gut in die Saison fand und als einzige Mannschaft gleich zwei Mal Meister Fellbach in die Schranken weisen konnte, ist Samstag Abend nicht mehr als eine interessante Randnotiz. Dennoch wissen alle Beteiligten sehr wohl um die Stärken ihrer jeweiligen Gegenüber am und über dem Netz. Volle Konzentration der Hammelburger Block- und Abwehrspezialisten gilt dabei in erster Linie dem "fliegenden Holländer" auf Mainzer Seite. Gemeint ist deren Diagonalangreifer Frank Manenschijn. Der konnte in der vergangenen Saison insgesamt sieben MVP-Medaillen einheimsen und zählt zu den Top-Angreifern der Liga. "Um gegen Mainz erfolgreich zu sein, müssen wir wohl oder übel mal wieder sau gut spielen", freut sich Karlovic auf das Duell gegen die sympathischen Mainzer.


Einstelliger Tabellenplatz als Ziel

"Wenn ich als Ziel formuliere, vier Tage vor Saisonende nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben, ist das weder tief gestapelt noch unrealistisch", so der Wunsch vom Hammelburger Trainerfuchs, der Realist und Profi genug ist zu wissen, dass die zweite Saison in einer neuen Liga immer die Schwerere ist: "Den Aufsteiger-Bonus haben wir verloren." Zudem sieht Karlovic einen deutlichen Anstieg des Qualitätsniveaus bei den Teams. Zu den "Top 5" der Liga gehören für den Trainer die beiden Meisterschaftsfavoriten Fellbach und Eltmann sowie das Team aus Schwaig: "Personell haben all diese Teams eine gute Schippe draufgelegt, dazu gesellen sich mit Rüsselsheim und Dresden zwei sehr starke Aufsteiger."


Drei neue Hammelburger Jungs

Natürlich waren auch die Hammelburger in der spielfreien Zeit nicht untätig und haben aus den vielen Verletzungen der vergangenen Saison ihre Lektion gelernt. Nach dem Rückzug von Zuspieler Olli Möller und Libero Aaron Dettner warten gleich drei neuen Gesichter darauf, sich Samstag Abend dem nicht nur selbsternannten "besten Publikum der zweiten Liga" zu präsentieren. Bruno Simonic (Zuspieler), Branko Damjanovic (Diagonal) und Timm Benecke (Diagonal) heißen die drei Neuzugänge, die zukünftig im Dress der Hammelburger auflaufen werden. "Die drei werden dem Team und dem Verein helfen", so Karlovic, der bei der Verpflichtung seiner beiden kroatischen Landsleute von seinem großen Volleyball-Netzwerk profitierte.
So ganz ohne einen sehnsüchtigen Wunsch geht es beim Taktikfucks und Volleyballanalytiker Karlovic vor dem Heimspielauftakt dann aber doch nicht: "Natürlich möchten wir hochklassige Spiele liefern, um zusammen mit unserem Publikum viele schönen gemeinsame Stunden zu erleben." Eine erste Möglichkeit dazu gibt es am Samstag, wenn es bei der Teamvorstellung zum ersten Gänsehautmoment kommt. Dann heißt es bei gedimmtem Licht und einer durch bunte Knicklichter illuminierten Tribüne der Saaletalhalle erstmals wieder: "Und hier sind unsere Hammelburger Jungs...!" Es ist angerichtet.

Aufgebot TV/DJK Hammelburg
Zugänge: Bruno Simunić (unbekannt), Branko Damjanovic (Straßburg), Timm Benecke (Unterhaching) - Abgänge: Olli Möller (Trainer der 1. Damen), Aaron Dettner (berufliche Pause).
Libero: Lukas Spachmann - Zuspiel: Aldin Dzafić, Bruno Simunić - Mittelblock: Friderich Fell, Michael Schottdorf, Mario Radman - Außenangriff: Lorenz Karlitzek, Oscar Benner, Henning Schulte - Diagonal: Felix Bendikowski, Timm Adrian Benecke, Branko Damjanovic.
Trainer: Tado Karlovic (seit 2009) - Ziel: einstelliger Tabellenplatz - Meistertipp: SV Fellbach, SG Eltmann.