Für Viviane Heilmann gingen nach ihrem Wechsel vom TV/DJK Hammelburg zum SC Magdeburg in diesem Jahr nicht alle Hoffnungen in Erfüllung. Kürzlich musste sich die Leichtathletin bei den deutschen Meisterschaften der U20 über 400 Meter Hürden mit dem fünften Rang begnügen. In Heilbronn blieb die Nationalkaderathletin in 61,35 Sekunden deutlich über ihrer Bestmarke von 59,71 Sekunden aus dem vergangenen Jahr, mit der sie die Jahresschnellste in Deutschland war.

Die nationale Meldeliste angeführt

Auch in diesem Jahr führte die U20-EM-Halbfinalistin des letzten Jahres die Meldeliste der deutschen Jugend-Meisterschaften an. Nachdem sie im vorigen Jahr klar in Führung liegend auf den letzten Metern von ihrer jetzigen Teamgefährtin Maren Smoljuk abgefangen wurde, sollte es dieses Mal der nationale Titel werden. Aber schon in den Vorläufen zeigte sich, dass die Hammelburgerin nicht die einzige Titelanwärterin sein wird. Während Viviane Heilmann in 61,77 Sekunden den ersten Vorlauf sicher gewann, waren die Zeiten der Ersten aus den beiden folgenden Läufen sogar noch schneller. "Ich hatte die ersten 300 Meter einen sehr guten Rhythmus und habe dann an den letzten Hürden etwas rausgenommen", zeigte sie sich nach dem Vorlauf dennoch optimistisch.

Enttäuscht trotz Saisonbestzeit

Auch am nächsten Tag im Endlauf überlief Viviane Heilmann die ersten acht Hürden, die 76,2 Zentimeter hoch sind und jeweils in einem Abstand von 35 Metern stehen, in einem tollen Rhythmus. Die achte Hürde überquerte sie nahezu zeitgleich mit zwei weiteren Athletinnen. "Eigentlich ohne Not habe ich vor den letzten zwei Hürden zwei Schritte mehr eingelegt als geplant und dadurch gedribbelt. Da war die Geschwindigkeit weg und dann nichts mehr zu machen, zumal die anderen Läuferinnen annähernd gleich stark waren", beschreibt sie ihr Missgeschick auf der Zielgeraden. Wenige Meter vor dem Ziel ging auch noch der Medaillenrang flöten, die Saalestädterin wurde bis auf Platz fünf förmlich durchgereicht. In 61,35 Sekunden lief sie sogar noch Saisonbestzeit. Aber die andern Jugendlichen steigerten sich in diesem stark besetzten Finale deutlich mehr. Neue U20-Meisterin wurde Anastasia Vogel vom TV Wattenscheid in 60,44 Sekunden.

Im Herbst 2019 begann Viviane Heilmann ihr Medizin-Studium in Magdeburg und wechselte in die starke Magdeburger Trainingsgruppe, die von Marco Kleinstäuber betreut wird. Der ist nebenbei auch noch der zuständige Bundestrainer für den Nachwuchs über 400 Meter Hürden. Erstklassige Betreuung, kurze Wege von der Wohnung zu den sehr guten Trainingsstätten bildeten eigentlich ideale Voraussetzungen für eine weitere Leistungssteigerung in diesem Jahr. "Das Training war vom Umfang her allerdings am Anfang eine gewaltige Umstellung für mich", berichtet sie. In der Vorbereitungsphase hatten wir wöchentlich schon bis zu zwölf Trainingseinheiten zu absolvieren", so die 19-Jährige weiter. Das bestimmt nicht leichte Studium forderte sicher die eine oder andere Nachtschicht. "Aber das Studium und den Sport habe ich gut unter einen Hut gebracht", sagt sie. In der Hallensaison wurden in der Trainingsgruppe die ersten großen Erfolge eingefahren. Mit dem SC Magdeburg wurde sie deutsche Staffel-Meisterin über 4 x 200 Meter. Dabei verpasste das Quartett nur knapp den deutschen Rekord der Jugend U20.

Natürlich hatte die Corona-Pandemie auch Auswirkungen auf das Training in Magdeburg. "Ich war mit dem Perspektiv-Nationalkader für die U20-Weltmeisterschaft gerade im Trainingslager in Kienbaum. Der Lehrgang wurde ganz plötzlich abgebrochen. In Magdeburg kam kurz danach das Trainings-Aus und auch die Uni wurde geschlossen", beschreibt Heilmann den plötzlichen Lockdown. Noch im März wurde sie von den Eltern nach Hause geholt. Aber auch im Landkreis Bad Kissingen waren die Rundbahnen allesamt geschlossen, im Training daheim musste daher viel improvisiert werden.

Ein Gefühl der Leere

Der eigentliche Schock kam für Viviane Heilmann aber im April. Da wurde die Jugend-U20 Weltmeisterschaft, die in Nairobi stattfinden sollte, bereits frühzeitig abgesagt. Das Erreichen des Finales war das ganz große Ziel für die Hammelburgerin für Kenia. "Danach ging das Training nur sehr schleppend bei mir. Ich hatte da das Gefühl, ich trainiere einfach ins Leere", beschreibt sie ihren Gemütszustand zu diesem Zeitpunkt der Saison, die ja da noch gar nicht begonnen hatte. Erst als entschieden wurde, dass im September doch noch nationale Meisterschaften stattfinden sollten, hatte sie wieder so etwas wie ein Ziel vor Augen.

"Wir haben es immerhin sehr gut geschafft, dass ich meinen Rhythmus auf den ersten dreihundert Metern der 400 Meter Hürden stabilisieren konnte und da jetzt ganz sicher unterwegs bin", findet sie doch noch etwas Gutes an dieser ungewöhnlichen Saison. "Das Überlaufen der letzten beiden Hürden, das bei der deutschen Meisterschaft nicht funktioniert hat, ist reine Kopfsache gewesen", blickt sie zurück.

Wer die ehrgeizige Athletin kennt, der weiß, dass sie das auch noch hinkriegen wird. Momentan weilt sie wieder mal in Hammelburg, absolviert dort ein Praktikum. Aber schon bald beginnt das Training für die nächste Saison in Magdeburg. Im Winter in der Halle will die 19-Jährige auch mal die 800 Meter ausprobieren. Für den Sommer 2021 hat sich Viviane Heilmann mit den U-23 Europameisterschaften wieder ein internationales Ziel gesteckt.