FC Memmingen - FC 05 Schweinfurt 6:0 (2:0). Tore: 1:0 Andreas Mayer (27., Foulelfmeter), 2:0 Fabian Kogler (42.), 3:0 Andreas Mayer (47.), 4:0 Edgar Weiler (61.), 5:0 Andreas Mayer (70.), 6:0 Sebastian Bonfert (87.). Rot: Bauer (49., Schweinfurt).
Memmingen sechs, Schweinfurt null, danke, bitte. Das, was sich da im Allgäu bei Dauerregen abgespielt hat, war die fürchterlichste Vorführung einer FC-05-Mannschaft seit sehr, sehr langer Zeit. Mit dem 6:0 (2:0) schoss der in allen Belangen überlegene FC Memmingen die Elf von Gerd Klaus höchst verdient auf einen Relegationsplatz. Und das heißt: Aus eigener Kraft können die Schweinfurter den Gang in die unfreiwillige Saisonverlängerung jetzt nicht mehr vermeiden.
"Vollgas geben, viele Tore schießen und auf Schützenhilfe hoffen", gibt der eingewechselte Ingo Feser die Devise für das Schicksalsspiel am Samstag gegen Fürth aus.

"Mir fehlen die Worte, so etwas habe ich noch nicht erlebt", fand er aber keine Erklärung für das vorangegangene Desaster. Verteidiger Marco Janz ging?s nicht viel anders, doch er wusste ganz genau, wo der Knackpunkt an diesem Tag gelegen hatte: An diesem unsinnigen Elfmeter, als Torwart Julian Schneider recht sinnfrei dem vom Tor weg laufenden Muriz Salemovic an den Fuß gepackt- und Andreas Mayer eiskalt zum 1:0 verwandelt hatte (27.). "Danach ist uns das Spiel aus den Händen geglitten", so Janz. Denn zumindest die erste Viertelstunde hatte klar den Schweinfurtern gehört. In Rückstand freilich präsentierten sich die Gäste geschockt und planlos. "Wir hätten uns von dem 0:1 nicht derart enttäuscht zeigen dürfen", resümierte Gerd Klaus ziemlich verständnislos. "So etwas müssen die Spieler besser raus schütteln."

Der 05-Trainer musste eine Stunde des Spiels von der Tribüne aus verfolgen. Nachdem der Memminger Denis Hoffmann an der Auslinie touchiert hatte, gab?s ein kurzes Schubsen der beiden, anschließend noch Gezeter wegen der Gelben wegen Meckerns gegen Kapitän Bastian Lunz, der damit nächste Woche gesperrt ist - und dann hatte Schiedsrichter Matthias Zacher genug. Von den Rängen aus musste Klaus dann das 2:0 miterleben, als nach einem Kracun-Fehlpass Memmingen schnell umschaltete und im zweiten Anlauf Fabian Krogler vollendete (42.).

"Wir wollten nach Wiederbeginn das Ruder rumreißen, haben aber auch gesagt, dass wir, wenn wir das dritte Tor kassieren sollten, das Ergebnis sichern." Was mal tüchtig in die Hose ging. Nicht nur wegen der Roten Karte gegen Andreas Bauer, der sich ein Frustfoul im Mittelfeld geleistet hatte (49.) - eine wohl zu harte, aber vertretbare Entscheidung. Da stand?s aber bereits 3:0 durch Mayers zweiten Streich (47.). "Dieses 3:0 war der absolute Killer", so Janz. "Trotzdem: 6:0 darfst du einfach nicht kriegen. Heute muss sich Jeder hinterfragen, ob er alles reingeschmissen hat." Angebrachte Selbstkritik - wohl auch vor dem Hintergrund, dass die Fans die Spieler nach Schlusspfiff auf dem Weg zum Gästeblock wieder weggeschickt hatten. Janz war dann lediglich in Begleitung von Florian Wenninger, Johannes Bechmann und Feser dennoch zu den Anhängern gegangen, um eine Erklärung - und auch Entschuldigung - abzugeben.

Ein bisschen Hoffnung verbreitete er auch: "Das müssen wir jetzt abschütteln, warum sollen wir nicht gegen Fürth gewinnen? Gegen Mannschaften von weiter oben lief es ja meistens besser." Klaus, der den Gang zur Pressekonferenz nach dem Wirbel um seine Person lieber sein ließ, will es unter der Woche mit möglichst wenig Aufhebens versuchen, seine Mannschaft aufzurichten: "Wir machen jetzt keinen Psychologen-Aufstand. Wir werden normale Trainingseinheiten machen." Dass kleinste Dinge ablenken können, hatte sich die letzten Tage gezeigt. Denn ganz zufällig war?s vermutlich nicht, dass Torwart Schneider ausgerechnet nach dem Gerede um ein mögliches Interesse des 1. FC Nürnberg an seiner Person gleich mehrere Böcke schoss. Beim 4:0 ließ er Edgar Weilers Kopfball über die Fäuste rutschen (61.), bei Mayers 5:0 hatte er zuvor mittig prallen lassen (70.). Machtlos war er beim finalen Memminger Treffer, Sebastian Bonferts Sonntagsschuss (87.).

6:0 - das ist ein Brett. Ein Resultat, das die nach ihrem 2:2 gegen Unterhaching punktgleichen Aschaffenburger bei nicht mehr für möglich gehaltener Torgleichheit wegen des gewonnenen direkten Vergleichs vorbeiziehen ließ. Auch Schalding-Heining ist mit dem dritten Sieg in Serie vorbei. Der FC 05 liegt jetzt auf dem Relegationsplatz und hat erstmals in dieser Saison komplett - ja, das muss man sagen - versagt. Lässt sich das aus dem Kittel klopfen? "Wir werden einen Mittelweg aus Angriffslust und Sicherheit finden müssen", sagt Klaus - und wird in den nächsten Tagen vor allem tüfteln müssen, welche Typen jetzt gefragt sind. Typen mit stählernen Nerven wären sicher nicht das schlechteste.

Denn trotz des mächtigen Nackenschlags ist auch der direkte Klassenerhalt nicht ganz abwegig. Gewinnt der FC 05, müssen auch Schalding (in Illertissen) und Aschaffenburg (in Ingolstadt mit mindestens der gleichen Differenz) gewinnen, um für Schweinfurt zu bleiben. Jetzt haben sie beim FC 05 halt genau dieses Herzschlagfinale, das sie partout vermeiden wollten.
Schweinfurt: Schneider - Messingschlager, Bauer, Bechmann, Janz, Lunz - Wenninger, Fery (74. Feser), Kracun (46. Mar. Müller) - Krautschneider (67. Krämer) - Jäckel.