War das ein Spaß. Das Legendenspiel zum 40. Geburtstag des HSC Bad Neustadt hielt, was es versprochen hatte: schönen Handballsport und vor allem ein Wiedersehen mit Freunden. Das Ergebnis, die aktuelle Drittliga-Mannschaft des HSC gewann 44:35 (19:15), war Nebensache. "Es war ein in der Vorbereitung sehr arbeitsreicher Abend, aber der Aufwand hat sich mehr als gelohnt", sagte HSC-Vorsitzender Dieter Schulz, der sich neben einem ansprechenden Spiel auch über die Zahl von knapp 450 Zuschauern freute.

Ein kleines bisschen unzufrieden war nach dem Spiel nur einer: Patrick Schmitt. Bis auf ein paar Einsätze in der Zweitligasaison 2002/03 hat der 47-Jährige seit fast 20 Jahren kein Handball gespielt. Und hatte auch nicht vor, beim Legendenspiel mitzumischen. Eigentlich. In der Halle ließ er sich dann doch überreden, das rote Trikot überzuziehen und von der angestammten Position in der Mitte Spielzüge einzuleiten. Zu gerne hätte er sich auch in die Torschützenliste eingetragen und setzte in den letzten Minuten zu zwei Würfen an. Beide Male wurde er vom jungen Kreisläufer Max Kalliske geblockt. Der sammelte Pluspunkte bei seinem Trainer Margots Valkovskis, nicht aber bei Patrick Schmitt: "Was muss der sich so reinschmeißen", lamentierte er und lachte, "als ob es in dem Spiel um etwas gegangen wäre."


Gutes Bild abgegeben

Irgendwie ging es natürlich schon um etwas. Die aktuelle Mannschaft präsentierte sich mit ihren vier Neuzugängen zum ersten Mal dem Heimpublikum und wollte ein gutes Bild abgeben. Das gelang, auch wenn in der Abwehr nicht wirklich zugepackt wurde. Ansatzweise zeigte die Valkovskis-Sieben, welchen Handball sie in der kommenden Saison spielen möchte. Nicht mitmachen konnte Felix Wolf, der am Donnerstag im Training mit dem kleinen Finger der rechten Hand im Trikot eines Mitspielers hängen geblieben war. Momentan ist der Arm eingegipst, eine weitere Untersuchung in dieser Woche soll zeigen, ob die Kapsel oder ein Band in Mitleidenschaft gezogen worden ist. "Wir wussten schon, dass es kein Selbstläufer wird", sagte Kapitän Maximilian Schmitt. Ja, die All-Stars bewiesen, dass sie es konnten und noch können. Klar war bei denen die Abläufe flüssiger, die noch aktiv spielen oder erst vor kurzem aufgehört haben. Zum Beispiel bei Sebastian Kirchner, der mit einem Kempa-Anspiel auf Holger Lührs oder einem Bodenpass zu Lukas Ulsamer durch die Beine von Jan Wicklein für Ahs und Ohs von der Tribüne sorgte.

Szenenapplaus gab es für Stig Skilbred, der sich nach dem Ball hechtete, als sei es die letzte Minute der entscheidenden Ligapartie. Oder für Daniel Sauer, als er, der Vorstandsvorsitzende des Fußball-Drittligisten FC Würzburger Kickers fast so resolut einen Konter unterband wie er es in acht Bundesligajahren bei HBW Balingen-Weilstetten gemacht hatte. "Wenn der Schiedsrichter anpfeift, gibt man immer 100 Prozent", sagte Gunnar Odden. Der Norweger überlegt gerade, ob er ins Trainergeschäft einsteigen soll. Erste Anfragen gab es schon. "Das würde mir Spaß machen", ist er sich sicher.


Ganz wie früher

Mile Mijacinovic stand wie erwartet im Mittelpunkt des Interesses. Schon bei der Vorstellung hatte er nach Vereinsgründer Sepp Schmitt den lautesten Applaus bekommen, vor und nach dem Spiel scharten sich Fans und Freunde um ihn. Und natürlich wurde er auf dem Feld von seinen Mitspielern gesucht, ganz so wie früher, als er ein Jahrzehnt lang der Torjäger und das Aushängeschild des Klubs war. So hoch wie damals kann der 45-Jährige freilich nicht mehr springen. Nach seiner Handballkarriere hatte er sich als Kickboxer versucht, ehe ihn ein Bandscheibenvorfall ausbremste. Eine Operation kam für ihn nicht in Frage. Inzwischen ist Wasser sein Element geworden. "Ich schwimme fast jeden Tag 2000 Meter Rücken."

Ins Schwimmen gerieten die von Rainer Kirchner, Ralf Baucke und Vladimir Haber gecoachten All-Stars nie. "Ruhig spielen", hatte Trainerfuchs Haber, der beim tschechischen Handballverband Chef aller Nationaltrainer ist, seinen Schützlingen mit auf den Weg gegeben und bescheinigte ihnen hinterher einen starken Auftritt. "Man hat gesehen, dass alle noch gut Handball spielen können."