Hammelburg (1./31) begrüßt an diesem Samstag die Marktredwitzer (3./27) als Tabellenführer. Wer das zum Saisonbeginn prophezeit hätte, wäre wohl nur milde belächelt worden. War Marktredwitz doch das Topteam der 3. Liga, das auf den Aufstieg in die 2. Liga verzichtete. Doch schon im Hinspiel setzten die Jungs von der Saale ein erstes Ausrufezeichen bei den Oberfranken, als sie nach 0:2-Rückstand noch 3:2 siegten. Um so einen erneuten deutlichen Rückstand zu vermeiden, müssen sich die TV/DJKler besonders auf die Marktredwitzer Angreifer Harry Schlägel und Jo Liebscher einstellen. Hammelburgs Trainer Tado Karlovic muss dabei weiterhin auf seinen etatmäßigen Libero Dominik Seller verzichten, der noch verletzt passen muss. So wird erneut Lukas Spachmann diesen Part übernehmen, der bereits in den vergangenen Spielen auf dieser Position überzeugte.
Wir sprachen mit Dominik Seller, den sein Trainer als absoluten Teamplayer bezeichnet.

Du konntest verletzungsbedingt nach der Winterpause noch nicht spielen. Was fehlt Dir?
Dominik Seller: Ich habe seit der Winterpause mit einer Entzündung in der linken Schulter zu kämpfen. Daher befinde ich mich zur Zeit in physiotherapeutischer Behandlung. Ich brenne natürlich darauf, so bald wie möglich wieder anzugreifen, jedoch wird es gegen Marktredwitz leider noch nicht klappen.

Das Marktredwitz-Spiel ist ein besonderes. Zum einen empfangt Ihr als Tabellenführer mit dem Dritten einen Verfolger, zum anderen stehen anschließend drei Auswärtsspiele in Serie an. Das Hinspiel war zudem eine heiße Kiste, als Ihr nach einem 0:2-Rückstand die Partie gedreht habt - noch dazu in einem Hexenkessel.
Schade, dass ich nicht dabei sein kann, weil das wirklich ein besonderes Spiel ist. Im Hinspiel kamen wir als Underdogs nach Marktredwitz und haben uns in den ersten beiden Sätzen komplett von der Atmosphäre, aber auch von der konstanten Leistung der Gegner, überrumpeln lassen. Anschließend haben wir uns einfach auf die Stimmung eingelassen und frei aufgespielt. Wir haben einfach mit Spaß und Einsatz Volleyball gespielt, das Ding noch zusammen gedreht und danach sind wir alle zusammen Essen und Feiern gegangen.

War das die Initialzündung für den anschließenden Siegeszug?
Solche Spiele und die darauf folgenden Abende schweißen ein Team natürlich zusammen, und dieser Zusammenhalt ist, denke ich, eines der Erfolgsrezepte in Hammelburg. Von daher würde ich nicht direkt von einer Initialzündung reden, sondern eher von einem fortschreitenden Prozess, da wir uns einfach immer besser zusammen finden. Die neuen Spieler wie Aldin Dzafic und Mario Radman, aber auch unsere Jugendspieler, haben sich mittlerweile nicht nur integriert, sondern sind zu Freunden geworden. Somit fightet man einfach ein bisschen mehr füreinander und es fällt leichter, das entscheidende Quäntchen nochmal drauf zu legen, um die entscheidenden Siege, wie gegen unseren schärfsten Rivalen Neumarkt, zu holen.

Wächst jetzt die Anspannung, weil man spürt, dass man etwas Großes schaffen kann?
Von Erfolgsdruck oder Anspannung merke ich nichts. Natürlich macht es einen Riesenspaß, ganz oben zu stehen und allen zu zeigen, was wir können, jedoch bleibt der Spielspaß und einfach die Lust auf Volleyball der treibende Gedanke.

Du zählst auch zu den Hammelburger Urgesteinen. Seit wann spielst Du Volleyball?
Puh, einen Volleyball habe ich gefühlt schon in der Hand seit ich laufen kann. Oder wahrscheinlich auch schon davor, da ich immer mit meinen Eltern in der Halle war. Beide sind selbst sehr aktiv und haben damals in Hausen mit Hobbyvolleyball begonnen, woraus mittlerweile eine große Volleyballgemeinde mit vielen Freunden entstanden ist. Somit war der Weg quasi vorgezeichnet, dass ich, während ich nebenbei die eine oder andere Sportart ausprobiert habe (Leichtathletik, Eishockey, Tennis, Badminton, Fußball), in Hammelburg beim Volleyball lande. Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals immer von einem Freund in seinem alten, weißen Polo zum Training mitgenommen wurde, um dort dann mit Friedrich beim Heckes (unser damaliger Jugendtrainer) die Medizinbälle hin und her zu pritschen.

Lukas Spachmann spielt jetzt Libero. Ist das eine Konkurrenz?
Bei meiner Verletzungsmisere muss natürlich ein anderer das beliebte Amt des Libero übernehmen. Lukas hat eine extrem stabile Annahme, ist wahnsinnig flink und bringt auch schon Erfahrung als Libero aus seiner früheren Zeit bei Mömlingen mit. Von daher ist Lukas einfach die optimale und logische Option für Tado. Wir haben beim Training ein extrem hohes Niveau und verbessern uns, dank Tado, stark und konstant weiter. Dadurch ist es möglich, dass wir auch einmal auf den Positionen rotieren können. Lukas hat in den letzten Jahren ja schon fast jede Position gespielt, aber ich denke, dass es ihm im Außenangriff am besten gefällt.

Wie lassen sich Volleyball und Studium unter einen Hut bringen?
Perfekt finde ich. Hammelburg ist nicht weit weg und wir sind eine kleine Gemeinschaft aus den Damen- und Herrenteams, die immer wieder schnell und problemlos zu den Trainings und zu den Spielen aus Würzburg pendelt. Für mich war und ist Sport schon immer der perfekte Ausgleich zu den geistigen Anstrengungen des Studiums. Besonders jetzt in der Prüfungszeit.

Welche Hobbys hast Du außer Volleyball, bleibt dafür noch Zeit?
Natürlich bleibt neben Studium und Volleyball noch reichlich Zeit. Die verbringe ich am liebsten mit meiner Freundin und Freunden in Würzburg.

Wie kommst Du mit der Fußball-Vorliebe vieler Deiner Mitspieler klar? Spielst Du im Training selber gerne? Bist Du auch Fan?
Ich habe selbst lange Fußball gespielt und spiele auch jetzt noch gerne in meiner Freizeit. Obwohl ich sehr gerne Fußballspiele anschaue, würde ich mich auf keinen Fall als Fan bezeichnen, wobei sich eine kleine Sympathie zu Arsenal London nicht abstreiten lässt.

Lieblings-Mucke?
Bei mir läuft eigentlich den ganzen Tag Musik, sobald ich zu Hause bin (wenn es das Lernen zulässt). Allerdings läuft da alles Mögliche rauf und runter. In letzter Zeit am liebsten Indie.

In der Mannschaft herrscht eine lockere Atmosphäre? Erinnerst Du Dich an eine besondere Anekdote?
Ja, das war beim Bundespokal in Krefeld. Wir sind damals noch als (so glaube ich) Landesliga-Team angereist und haben uns am ersten Tag gegen einen Haufen Regionalliga-Teams durchgesetzt und sind ins Finale eingezogen. Dort wartete die Erstliga-Mannschaft Volleys Bottrop auf uns, die die Nacht in bequemen Hotelbetten schlief, während wir auf dem Boden in einer nahe gelegenen Schule verbrachten. Allerdings war unsere Nacht sowieso nicht allzu lange... Am Tag darauf haben wir in unserer Euphorie sogar den ersten Satz gegen Bottrop gewonnen und gefeiert, als hätten wir das Turnier gewonnen.

Das Gespräch führte Tom Schulze.