Welches Windheim? Fußballer und Fans kennen die Frage nur zu gut, und so mancher strandete am falschen Ort, musste bei Bier und Bratwurst die Häme ertragen. Zwei Windheime gibt es bekanntlich im Landkreis - ein Alleinstellungsmerkmal bei den hiesigen Ortsnamen. Da der SV aus dem Wartmannsrother Ortsteil, dort die DJK. Stolze 157 Mitglieder - das älteste ist 95 Jahre alt - hat der Verein aus dem Münnerstädter Stadtteil bei gerade mal 350 Einwohnern. Und eine fast 70-jährige Geschichte, die reich an Anekdoten ist. Beispiele gefällig? Um sich ihren ersten Trikotsatz zu finanzieren, baten die Kicker die Einwohner im Ort um Getreidespenden, der Verkaufserlös brachte die erhofften Textilien, natürlich in weiß und blau: den Vereinsfarben.

Nicht minder kreativ war man beim Bau des ersten Fußballplatzes, für den der sogenannte Schafsee trockengelegt wurde. Schon im Juni 1953 konnte Kuratus Richard Konrad den neuen Platz segnen, im gleichen Jahr meldete die DJK die erste Mannschaft zur Teilnahme an der Verbandsrunde an. Zu den Auswärtsspielen ging es nach wie vor zu Fuß oder mit dem Fahrrad. 1959 stand die Mannschaft am Ende der Runde auf Rang drei. Vielleicht auch deshalb, weil in der Generalversammlung die Aktiven die Anschaffung eines zweiten Balls durchgesetzt hatten...

Bescheidene Helfer

Eine Zeit, die Sebastian Beck nur vom Hörensagen kennt, schließlich ist der Sportvorstand der DJK gerade mal 34 Jahre jung. Und immer noch fasziniert von der Passion der Generation Ü60, die sich wie eh und je aktiv einbringt. Ein unverzichtbarer Teil des Vereinslebens ist auch die 1980 gegründete Damengymnastikgruppe mit Frauen, die sich durch die anspruchsvolle Übungsleiterausbildung gekämpft haben. "Bei uns gibt es so viele, die gar kein Amt haben, aber trotzdem alles für den Verein machen, vor allem bei den Festen. Und die zu bescheiden sind, als dass sie ihren Namen irgendwo lesen wollen", schwärmt der junge Familienvater vom Zusammenhalt im Ort. Die Verantwortung an der Vereinsspitze teilt sich der aktive Kicker mit Cousin Julian Beck (Wirtschaft) und Cedric Seliger (Verwaltung).

Spielermangel in den 60ern

Ein schwerer Schlag war die Abmeldung der Mannschaft im Jahr 1961 aufgrund von Spielermangel. Acht Jahre ruhte der Ball, ehe der Windheimer Fußball dank Spielertrainer Hans Masurek eine erste Blütezeit erlebte mit der Meisterschaft samt Aufstieg in die B-Klasse in der Saison 1972/73. Ein Super 8- Film, immer noch im Vereinsbesitz, hielt die damalige Jubelarie bildlich fest.

Anfang der 80er Jahre klopften die DJKler unter Helmut Bach gar ans Tor zur Bezirksliga, mittlerweile hatte sich sogar ein Reserveteam etabliert. Weil in beiden Mannschaften ausschließlich Windheimer spielten, standen Sonntag für Sonntag fast zehn Prozent der Gesamtbevölkerung des damals 260 Einwohner-Orts auf dem Fußballplatz - und fast der komplette Rest daneben. In diese Zeit fällt auch der Bau der heutigen Sportanlage mit Hart- und Rasenplatz. Im Winter 1984 begannen die Arbeiten, wieder packten die Windheimer kräftig mit an. Am 31. Juli 1988 segnete Pater Hugo Beck, einst selbst aktiver Fußballer der DJK, die beiden Plätze und brachte damit das 250 000 Mark-Projekt zum vorläufigen Abschluss. Erneuter Spielermangel brachte das Team zurück in die C-Klasse, ehe dank der starken Jugendarbeit pünktlich zum 40-jährigen Bestehen des Vereins noch einmal ein Aufstieg gelang mit einer blutjungen Truppe.

Um das Vereinsleben zu finanzieren, braucht es Einnahmen, die die DJK hauptsächlich über ihre Vereinsfeste generiert. Gut, dass die Windheimer gerne feiern. Schlecht, dass die Pandemie genau dies verhindert. "Nicht einmal ein Bier können wir aktuell in unserem Vereinsheim 'Alte Schuel' trinken, das wir in normalen Zeiten an Freitagen und Sonntagen bewirten", bedauert Sebastian Beck. Publikums-Magnete sind insbesondere das Vatertagsfest mit den legendären "Winner Hax'n" sowie das 1. Maifest, deren Ausrichtung die DJK gemeinsam mit der örtlichen Feuerwehr stemmt.

Zäsur im Jahr 1996

Ihre fußballerische Eigenständigkeit verlor die DJK Windheim endgültig 1996, aber die Spielgemeinschaft mit dem Nachbarn und Patenverein DJK Wacker Burghausen war - für beide Vereine - die richtige Entscheidung, wie große sportliche Erfolge unterstreichen. Im Jahr 2006 feierte die SG ihren ersten Titelgewinn samt Aufstieg in die Kreisklasse, mit Camillo Floth als Trainer wurde gar an der Tür zur Kreisliga geklopft. Der spätere Abstieg sollte sich als "Betriebsunfall" herausstellen, weil nur ein Jahr später als souveräner Meister die Rückkehr in die Kreisklasse gelang. Zum 60-jährigen Bestehen feierte die Spielgemeinschaft im Jahr 2012 noch einmal eine Meisterschaft samt Aufstieg.

Erfolge, die übrigens detailreich nachzulesen sind auf der Homepage des Vereins (djk-windheim.de). Überhaupt ist man crossmedial hervorragend aufgestellt, weil die Jugendkraftler auch auf Facebook und Instagram zu finden sind. Zumindest im virtuellen Raum ist Vereinsleben aktuell möglich...

1952 ist das Jahr der Vereinsgründung. 48 Mitglieder wählten Theodor Hein zum ersten DJK-Vorsitzenden.

157 Mitglieder hat die DJK Windheim aktuell in ihren beiden Abteilungen: Fußball und Gymnastik.

40 Kilometer trennen die Sportplätze des SV Windheim (Wartmannsroth) und der DJK Windheim.

15 Fußballspieler aus Windheim kicken aktuell in der SG mit Burghausen und Reichenbach II.