Es war ein Tag wie gemalt für Jorge Cuadri. Seinen 33. Geburtstag feierte der Spanier am Freitag. Und das in Schweinfurt. Der Ingenieur lebt und arbeitet seit fünf Jahren in Nürnberg - und ist Fan von Real Betis Sevilla. "Als ich von diesem Spiel erfahren habe, war ich begeistert", sagte der Iberer. Und sah sich später beschenkt, weil die Andalusier, die in ihrer Heimat "Balompié" genannt werden in Abgrenzung zum großen Rivalen FC Sevilla, mit 1:0 gewannen durch den Treffer von Molina Vidal in Minute 23. Für den 1. FC Nürnberg war es ein letzter Härtetest vor dem Bundesliga-Start. Und den hätte Dieter Hecking allzu gerne mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Einer schwachen Nürnberger Chancenverwertung stand spanische Effizienz gegenüber.

Drei Chancen, ein Treffer. Das genügte dem Verein aus der Primera Division gegen Cluberer, die bereits vor der Pause vor weit über 3000 Zuschauern die größeren Feldanteile hatten mit guten Gelegenheiten für die Neuzugänge Sebastian Polter und Elias Santos. Der 1. FCN blieb bei herrlichem Fußballwetter auch nach dem Seitenwechsel am Drücker. Allerdings präsentierten sich die Profis vor dem Betis-Tor wie Amateure angesichts der leichtfertig vergebenen Möglichkeiten durch Polter, Mike Frantz und Tomas Pekhart. So sauer war der Club-Trainer nach dem Spiel, dass die eigentlich vorgesehene Pressekonferenz kurzerhand abgeblasen wurde. Nach dem Duschen wurden die Profis von der Noris noch im Bus verpflegt, ehe es gen Mittelfranken ging, während Gäste und Sponsoren im VIP-Zelt vergebens auf die Fußball-Prominenz warteten. Zumindest viele junge Fans hatten nach dem Spiel das ein oder andere Autogramm abgestaubt von den mit allen Stars angetretenen Nürnbergern, bei denen lediglich Keeper Rafael Schäfer vermisst wurde.

Für die Club-Fans der Region war ein Besuch im Willy-Sachs-Stadion Pflicht. "Für uns war klar, dass wir uns dieses Spiel ansehen", sagte die Schweinfurterin Christina Rödemer, die in der Familie der größte Club-Fan ist. Noch vor dem Ehemann und Sohn. Ebenfalls ganz in schwarz und rot gekleidet war Dirk Schmitt, mit Tochter Ronja und Sohn Phillip an der Hand. "Club war mein erstes Wort. Meine Liebe zu diesem Verein geht so weit, dass ich mir damals nach dem Abstieg in die Regionalliga eine Dauerkarte gekauft habe", sagte der 41-Jährige, der eine gewisse Erwartungshaltung an seine Lieblingsmannschaft hatte. "Die sollen zeigen, was sie können und sich gegen einen guten Gegner für die Stamm-Elf empfehlen" , so der Birnfelder.

Obwohl mit vielen Beamten vor Ort, war es für die Polizei ein Spiel ohne jede Probleme. "Heute sind nur Leute da, die Lust auf Fußball haben. Unser Schwerpunkt liegt bei der Verkehrskontrolle", berichtete Einsatzleiter Detlef Schrenk von einem entspannten Einsatz. Ausgerichtet wurde das hochkarätige Testspiel von der Marketing-Agentur XXL Sports mit Sitz in Werneck, die für beide Vereine Trainingslager organisierte. Real Betis Sevilla ist seit fast zwei Wochen in Bad Schönborn nahe Karlsruhe. "Wir sind bemüht, zumindest einmal im Jahr ein attraktives Spiel in der Region auszurichten", erzählt Waios Dinudis. Der Assistent der Geschäftsführung und Kicker des TSV Großbardorf war im Dauereinsatz, genoss aber auch das internationale Flair. Einen Tag später ging es bereits nach Augsburg, wo die Queens Park Rangers ein Spiel gegen den dortigen Bundesligisten hatten - ebenfalls von XXL Sports ausgerichtet. "In Sachen Trainingslager gehören wir in Europa zu den größten Agenturen", sagte Dinudis. Für die Profis war es ein Tag ohne großen Erinnerungswert, für viele Kinder ein Erlebnis. Und für Jorge Cuadri ein Fest.