Mit der Wucht seiner zwei Zentner hatte sich "Bütti" in den Eckball von Maxi Pfülb geworfen und zum 3:2 gegen den TSV Rannungen getroffen. Per Kopf. Natürlich. "Der Christian ist mit Abstand unser bester Kopfballspieler", sagt FC-Spielertrainer Marc Hartmann über seinen vielseitig einsetzbaren Hünen. Mit 5:2 werden die Reichenbacher später das Spiel gewinnen und drei Spieltage vor Saisonende die Meisterschaft in der Kreisklasse Rhön 2 samt Rückkehr in die Kreisliga Rhön perfekt machen. Christian Büttner hat auch seine weichen Seiten, wirft beim Torjubel Kusshände Richtung Publikum. Und liebkoste später das aufgepimpte Meisterschalen-Imitat, das der gebürtige Herschfelder aus seinem privaten Fundus mitgebracht hatte. "Der Christian ist ein ganz feiner Kerl, mit dem man Pferde stehlen kann. Genau der Kumpel, den man sich wünscht", findet Hartmann.

Kumpel-Typen braucht es. Aber eben auch Qualität. Und diesbezüglich will sich der 31-Jährige nicht beklagen. "Wir haben ein gutes Niveau bei uns. Die Trainings-Beteiligung ist hoch und das Potenzial für die Kreisliga vorhanden", lobt der Coach seine Elf. "Natürlich gibt es immer Punkte, wo man sich verbessern kann", weiß Hartmann, der sich selbst als Perfektionisten bezeichnet. Im taktischen und läuferischen Bereicht sieht der Bundeswehr-Soldat noch Potenzial. Und in der Chancenverwertung. Trotz der 96 Tore.

Dass es in der Truppe stimmt, beweisen auch viele gemeinsame Unternehmungen. Einmal im Monat ist Mannschafts-Abend, den zwei Leute zu organisieren haben. Entsprechend vielfältig ist die Bandbreite der Ideen. Das Gesamt-Paket im Verein passt jedenfalls. "Was möglich ist, wird möglich gemacht", sagt Hartmann. Und meint damit die Vereinsführung um Vorsitzenden Klaus Katzenberger und die helfenden Hände im Hintergrund. Ein Erwin Reiter, der sich vorbildlich um die Platzpflege kümmert. Eine Karin Trägner, die die Trikots vom Schmutz der Schlachten auf dem Spielfeld befreit. Auch die Fans, die selbst auswärts in großer Zahl erscheinen.
Darunter viele Helden früherer Tage, die Landesliga-Fußball in das kleine Dorf mit nicht einmal 800 Einwohnern gebracht hatten. Und ihrem Verein Söhne schenkten. Patrick und Julian Hergenröther, Lukas Nöth, Claus Kirchner, Michael Seith. Alles aktuelle Kicker, deren Väter im Ort noch heute verehrt werden. "Natürlich wird viel von früher geredet. Aber ich empfinde die Vergangenheit nicht als Last", sieht Hartmann keine imaginäre Bürde auf den Schultern seiner Spieler. "Nur privat daheim werde ich manchmal etwas aufgezogen. Früher wären die Reichenbacher kämpferisch und konditionell besser gewesen", erzählt FC-Kapitän Michael Seith von Diskussionen mit Papa Friedrich.

Die Argumente liegen aber durchaus bei den Erben. Weil die Statistik unterstreicht, dass dieser Titelgewinn nicht auf Sand gebaut ist. In 26 Spielen bisher blieben die Teutonen unbesiegt, teilten sich nur dreimal die Punkte. "In der Rückrunde waren die direkt aufeinander folgenden Spiele gegen Bad Neustadt, Hohenroth und Steinach Schlüsselspiele für uns", erinnert sich Frank Schmitt. Der 28-Jährige "dient" seiner Mannschaft als Spieler und Betreuer. Und freute sich daher doppelt über die sieben Punkte, mit denen der Rote Teppich Richtung Liga-Thron gelegt war. "Jetzt wollen wir ungeschlagen bleiben. Wenn das klappt, wäre das überragend", kündigt Hartmann motivierte Auftritte für die Spiele in Weichtungen und Nüdlingen an.

In der neuen Saison ändert sich personell nicht viel. Marc Hartmann, seit eineinhalb Jahren im Amt, bleibt Trainer. Aus der Jugend des TSV Großbardorf kommt Christoph Hillenbrand, ein Reichenbacher. Und Mario Mölter vom SV Burgwallbach tritt die Nachfolge von Christoph Back im FC-Tor an. Das schmerzende Knie zwingt den Mann zwischen den Pfosten zur Aufgabe. Was Michael Seith ganz besonders bedauert. "Unser Torwart hat mich immer motiviert. Der hat trotz Schmerzen trainiert und gespielt", hat der 21-Jährige Respekt vor so viel Passion. Der junge FC-Spielführer beginnt demnächst ein Studium, wird daher möglicherweise ebenso kürzer treten müssen wie Maxi Pfülb, dessen Beruf die Freizeit am Wochenende begrenzt. Zum Klassenerhalt sollte es dennoch reichen, auch wenn die Liga stark wird.

Zeit zum Feiern bleibt bis dahin. Mit Fans und Freibier wurde bereits angestoßen. Auch eine Stripperin durfte sich von Reichenbacher Gastfreundlichkeit überzeugen. Demnächst geht es mit der Mannschaft auf Abschlussfahrt nach Düsseldorf. Nicht nach Mallorca, wie ursprünglich angedacht. Kein Teutonen-Grill also. Vielleicht besser so. Die Kreisliga wird heiß genug.