"Als ich noch ein ganz kleiner Bub war, da nahm mich mein Vater mit zum Club ..." - so beginnt ein bekanntes Fanlied der Anhänger des 1. FC Nürnberg. Beim gebürtigen Würzburger Jürgen "Beppo" Bergmann, der mittlerweile Leiter Fan- und Zuschauerservice bei den Rot-Schwarzen ist, war es jedoch nicht der Vater, sondern der Opa, und zunächst der FV 04 Würzburg und nicht der Club. "So bin ich als kleiner Zwerg zum Fußball gekommen", sagt der mittlerweile 58-Jährige.

Seit 1981, nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der damaligen Nullvierer, geht es für ihn allerdings nicht mehr zum Nachfolgeverein WFV, sondern zum FCN. Und Stück für Stück wurde diese Bindung immer enger: Erst war Bergmann als Fan-Club-Koordinator tätig, um die Jahrtausendwende wurde er gemeinsam mit Karl Teplitzky und Peter Maul ehrenamtlicher Fanbeauftragter und seit Februar 2003 ist der passionierte FCN-Anhänger hauptberuflich beim Club angestellt. Zunächst als Filialleiter im Fan-Shop am Valznerweiher und seit Februar 2007 als Leiter Fan- und Zuschauerservice. "Ich hatte dann das Glück, dass wir drei Monate später unseren ersten Titel in meiner Zeit beim Club geholt haben. Leider blieb es bis jetzt auch dabei", erzählt Bergmann lachend. Zu welchen kuriosen Erlebnissen ihm der Job bis ins Jahr 2022 noch verhelfen sollte, war ihm damals wahrscheinlich nicht bewusst.

"Die Begeisterung dort ist riesengroß"

2007 hatte der Club nämlich nicht nur den DFB-Pokal gewonnen, sondern auch bei Traoré Abdel Manaf, einem jungen Mann aus Sokodé, der zweitgrößten Stadt Togos, Begeisterung für die rot-schwarzen Farben ausgelöst. Und die war so groß, dass eben jener 2011 den "FC Nürnberg Togo" gründete - einen FCN-Fan-Club, knapp 6000 Kilometer entfernt von der Frankenmetropole. "Der Fan-Club hat mittlerweile über einhundert Mitglieder. Die Begeisterung dort ist riesengroß", weiß Bergmann. Während eines privaten Urlaubs im November 2021 - der eigentlich schon vor der Corona-Pandemie geplant war - besuchte Bergmann gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin die Jungs vom Fan-Club in Sokodé. "Togo ist schon etwas Besonderes", berichtet der Wahl-Nürnberger von seinem einwöchigen Trip. Mit insgesamt fünf Koffern beladen, von denen drei mit Geschenken für die Club-Fans in Westafrika prall gefüllt waren, ging es für Bergmann nach Togo.

"Traoré haben wir als erstes gesehen, als wir in Lomé, der Hauptstadt von Togo, aus dem Flughafen herausgekommen sind - und Traoré haben wir als letztes gesehen, als wir wieder in den Flughafen hineingegangen sind. Wir hatten dort eine Rundumbetreuung", erzählt Bergmann. Von der Reiseplanung bis zur Route - der 27-Jährige hat sich um alles gekümmert. Bis die Delegation den Fan-Club kennenlernen konnte, musste sie aber erst einmal 350 Kilometer von der Hauptstadt bis nach Sokodé zurücklegen. "Da braucht man schon fünf bis sechs Stunden", so Bergmann.

Am Hotel wurden er und seine Lebensgefährtin von 30 Fan-Club-Mitgliedern "in voller Club-Montur, mit Club-Fahnen und einer kleinen Trommelband" empfangen. Was bis hierhin schon verrückt klingt, war aber nur der Anfang einer spektakulären Reise des Fanbeauftragten. Traoré hatte noch ein paar Highlights für Bergmann in der Hinterhand. Unter anderem führten in Sokodé 600 bis 700 Leute traditionelle Tänze auf einem Marktplatz auf - "euch zu Ehren", wie es der 58-Jährige erklärt bekam.

Mehr als ein Fan-Club

"Egal, wo wir in der Stadt waren und ausgestiegen sind, gefühlt hat jeder gewusst, dass wir in der Stadt sind", berichtet der gebürtige Würzburger. "Es hat zwei Minuten gedauert und es waren Menschentrauben von 20 bis 30 Leuten um uns herum." Die Leute vor Ort wollten Fotos machen und haben sich für den Besuch aus Franken bedankt. "Viele Menschen wussten: Die Nürnberger sind da. Es war sehr, sehr beeindruckend - teilweise war es fast ein bisschen unangenehm", empfand Bergmann. Der "FC Nürnberg Togo" ist aber nicht nur ein Fan-Club des FCN, sondern spielt zugleich mit einer Mannschaft in der dritthöchsten Liga Togos. Für den Besuch aus Nürnberg wurde extra ein Freundschaftsspiel organisiert, und ein Zelt samt Stühlen aufgestellt, damit die Gäste im Schatten sitzen konnten. 400 Zuschauer waren vor Ort. Neben einem Besuch bei Traorés Familie stand ebenso ein Zwischenstopp beim Training des ortsansässigen Erstligisten AC Semassi FC im Reiseplan - laut Bergmann vor 400 Beobachtern an einem Donnerstagvormittag um 10 Uhr.

In Togo ist das Frauenbild unübersehbar ein anderes als in Europa. "Im Fußballstadion oder beim Training waren keine Frauen", erklärt der FCN-Fanbeauftragte. Für seine Freundin sei das kein Problem gewesen, denn "sie durfte und konnte überall mit rein". Überhaupt habe Bergmann nie Bedenken gehabt: "Zu keinem Zeitpunkt hatten wir uns unsicher gefühlt oder Sorge gehabt. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Leute in Togo war beeindruckend", schwärmt Bergmann - trotz Armut und hoher Arbeitslosigkeit in dem westafrikanischen Land. In Zukunft möchte Bergmann versuchen, Unterstützende zu finden, die den FCN-Freunden aus Togo helfen, ihr eigenes kleines Fußball-Märchen weiterzuschreiben und sich den Traum eines eigenen Platzes mit einer kleinen Tribüne und Umkleidekabinen zu erfüllen. "Da möchte ich mal schauen, ob wir sie nicht mit unseren Fan-Clubs und der großen Anhängerschaft unterstützen können."

Traoré Abdel Manaf erklärt, dass "sein" Fan-Club für jedes Spiel ein Stadion anmieten müsse. "Das ist sehr teuer für uns, da wir keinen Sponsor haben." Er und seine Club-Freunde haben übrigens ihr Herz nicht nur an den FCN verloren, sondern, wie auch die Nürnberger Anhängerschaft, auch etwas für Schalke 04 übrig.

Abstecher zu den "Cluberern" nach Ghana

Für Bergmann und seine Lebensgefährtin ging es nach der Reise durch Togo nicht direkt wieder in Richtung Nürnberg, sondern erst noch ins benachbarte Ghana, denn auch dort hatte sich kurz zuvor ebenfalls ein FCN-Fan-Club gegründet. "Blauäugig und naiv wie ich bin, habe ich gesagt, das passt doch, dann schauen wir mal kurz nach Ghana rüber und können denen dann gleich die Fan-Club-Urkunde übergeben", so Bergmann. Trotz einiger kniffliger Herausforderungen bei der Einreise war Bergmann schließlich in Ghana bei den dortigen "Cluberern".

Und eine Kuriosität selten alleine kommt, hat er auf seiner Reise durch Togo auch noch die Familie eines Nürnberger U-19-Spielers Yazid Tambo getroffen - selbstverständlich ebenfalls geplant. "Der Besuch von Jürgen Bergmann in Sokodé war sehr toll. Wir hatten eine gute Zeit mit ihm", fasst Fan-Club-Präsident Traoré Abdel Manaf den Besuch zusammen, als seine Gäste abgereist waren.

Ende Januar ist er zum ersten Mal Vater geworden. Vielleicht gibt es in ein paar Jahren ja wieder eine Geschichte, die mit "Als ich noch ein ganz kleiner Bub war, da nahm mich mein Vater mit zum Club ..." beginnt.Michael Endres