Völlig unabhängig vom endgültigen Abschneiden seiner Mannschaft in ihrer vierten Saison in der Tischtennis-Bundesliga zimmert man beim TSV Bad Königshofen an deren Gerüst für die nächste Runde. Wie Manager Andy Albert in einem Interview mit dem Internet-Sportkanal "sportdeutschland.tv" nach dem 3:1-Sieg im letzten Heimspiel gegen den TTC OE Bad Homburg bekannt gab, wolle man am derzeitigen Stammtrio Bastian Steger/Kilian Ort/Filip Zeljko festhalten und sei in Gesprächen auch auf dem richtigen Weg. Demnach verlässt der Franzose Abdel-Kader Salifou den TSV nach nur einer Spielzeit wieder. Sein genaues Ziel sei indes noch nicht bekannt. Mit einem Nachfolger für ihn sei man in Verhandlungen und hoffe, noch diese Woche Vollzug melden zu können.

Es muss ja nicht ursächlich zusammenhängen, dass die Nummer 1 der Mannschaft, ihr Leader und erfolgreichster Punktesammler Bastian Steger, am Freitagabend im Heinspiel gegen Bad Homburg wie losgelöst und mit erkennbarer Freude aufspielte - und erneut beide Einzel gewann. Vor dem letzten Spieltag steht der 39-Jährige bei einer 24:12-Bilanz womit er einen absoluten Spitzenplatz unter den Topspielern der Liga einnimmt. Eine Bilanzen-Rangliste ist nur bedingt aussagekräftig, weil mehrere Spieler nicht so viele Spiele bestritten haben wie Steger und deshalb auch nicht so viele gewonnen haben. Steger hat jedenfalls mit 24:12 die meisten Punkte für seine Mannschaft geholt, auch weil er nur in einer Partie fehlte. In etwa gleich stark spielten der aktuelle Vize-Weltmeister, der Schwede Mattias Falck vom SV Werder Bremen (25:9). Der Ochsenhausener Franzose Simon Gauzy (25:4) und der Düsseldorfer Schwede Anton Källberg (23:2) haben die wenigsten Niederlagen kassiert.

Ein Novum im Verein

Bastian Steger, der im März seinen 40. Geburtstag feiert, musste sich also nicht die geringsten Sorgen um eine Vertragsverlängerung machen. Seine Erfolge wecken noch immer Begehrlichkeiten bei anderen Clubs. Doch nach zwei Jahren beim TSV fühlt sich der Oberpfälzer pudelwohl in Bad Königshofen und muss wohl auch Zugeständnisse gemacht haben, wenn ihn der kleinste Club der TTBL halten konnte. Am Vormittag vor jenem Freitagsspiel also unterschrieb er einen neuen Vertrag. Der wiederum stellt ein Novum beim TSV dar. Er hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Das gab es noch nie zuvor. Noch genauer: Auf Grund von Corona und einer Saison ohne Zuschauer hatte man den alten Vertrag mit Ausstiegsklauseln aufgelöst und durch einen anderen Jahresvertrag ersetzt.

Familiäres Umfeld als Trumpf

Wie seine Leistungen im Fokus der Liga stehen, das weiß Steger selbst am besten. Dennoch "gab es für mich überhaupt keinen Zweifel, am liebsten da bleiben zu wollen, wo es mir am besten gefällt und wo ich mich wohl fühle. Es ist einfach optimal hier. Die Bedingungen stimmen, was mit dem familiären Umfeld zu tun hat. Alle sind Tischtennis-begeistert. Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, auch mit der jungen Mannschaft, die wir außer mir haben. Von daher hat es für mich keine andere Option gegeben, ich fühle mich super wohl." Und Freundschaften haben sich auch gebildet. Unter welchen Bedingungen er im April 2022 die nächste Saison als gelungen bezeichnen würde: "Wenn sie ähnlich wie diese gelaufen ist. Und diese ist ja noch nicht zu Ende. Natürlich nimmt man sich nicht weniger vor."

Dabei hatte Andy Albert vor dieser Corona-Saison und ohne Mizuki Oikawa angekündigt, es "ist eine Übergangssaison, in der es nur ums Überleben geht, sportlich wie gesundheitlich." Nun steht vor dem letzten Spieltag schon fest, es war die beste der bisher vier Spielzeiten. Die beiden Geschäftsführer der Tischtennis Bad Königshofen GmbH, Andy Albert und Udo Braungart, machten nach Stegers Unterschrift zufriedene Gesichter. Albert meinte sogar, dass "seine Spiele-Bilanz nicht für uns ausschlaggebend war. Natürlich ist es ein Vorteil, wenn man so einen erfolgreichen Punktesammler im Team hat. Das ist aber nur ein Teil des Gesamtpakets Steger. Für mich ist immer das Wichtigste der Mensch, und da passt bei Bastian alles. Er ist ein netter, ehrlicher Mensch und Everybodys Darling bei den Fans und Sponsoren. Man muss ihn einfach mögen. Er ist vertrauenswürdig und absolut zuverlässig."

Die Eltern freut's auch

Ein bisschen kokettierte Albert auch mit den Bestrebungen der TTBL, mehr Zuschauer in die Hallen zu bringen: "Die Mannschaft muss mit dem Publikum harmonieren können. Sie muss authentisch sein und ehrliche Arbeit abliefern. Darin ist Bastian ein Vorreiter, und ich hoffe, dass wir der letzte Verein seiner Karriere sein werden." Was auch seinen Eltern Hans und Gerdi aus Winklarn bei Oberviechtach entgegenkommt, die nicht mehr so weit fahren müssen, um ihrem Sohn, der in Düsseldorf lebt, beim Spiel zuzuschauen.Rudi Dümpert