Über Stock und Stein zu rennen ist Manuel Stöckert gewohnt. Crosslauf zählt schließlich zu den Paradedisziplinen des Ostheimers, der nächstes Jahr als Marathoni zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro möchte. Aber derartige Pisten, wie sie sich dem 26-Jährigen im Trainingslager in Kenia boten, hatte der Ausdauerathlet noch selten erlebt. "Die Wege waren steinig, sandig, uneben und total profiliert", sagt Stöckert. "Das gibt es doch gar nicht", habe er manchmal gedacht, wenn es mal wieder ständig Auf und Ab ging.

Dreieinhalb Wochen lang war er rund um Iten unterwegs, gelegen 2400 Meter hoch in der Nähe des Äquators. Manuel Stöckert war Teil einer hochkarätig besetzten deutschen Trainingsgruppe, angeführt von Bundestrainer Wolfgang Heinig. "Ich bin meistens mit Arne Gabius und Steffen Uliczka gelaufen", so Stöckert.
Die beiden prominenten Sportler treibt das gleiche Ziel an wie den jungen Rhöner: Der olympische Marathon im nächsten Jahr, der im weltberühmten Sambodrom endet. Um auf dem Weg dorthin vorwärts zu kommen, standen täglich zwei Laufeinheiten auf dem Programm.

Die erste schon früh am Morgen um 6.15 Uhr. "Da sind wir zwischen 15 und 35 Kilometern gelaufen, so eine bis zweieinhalb Stunden", sagt Stöckert. Nach einem Übungsmix aus den Bereichen Stabilität, Athletik und Dehnung nahmen Stöckert und seine Mitstreiter nachmittags ein weiteres Mal die ostafrikanischen Wege unter die Füße. "Zehn bis 20 Kilometer, relativ locker", sagt der Sportler vom SC Ostheim. Begleitet wurden die Deutschen manchmal für einige hundert Meter von Jungs, "so zwischen sechs und acht Jahren alt. How are you, Mzungu? Wie geht es dir, Weißer?", haben sie gerufen, erzählt Stöckert.

"In Sachen Belastung war es mit das Härteste, was ich jemals kennengelernt habe", sagt Stöckert. Er meint damit weniger die insgesamt 680 Trainingskilometer, den böigen Wind oder die trockene Hitze auf der Hochebene - die Temperatur betrug tagsüber 30 bis 35 Grad. Sondern die Auswirkungen des Staubs, der sich unerbittlich durch die Schuhe und die Socken fraß. "Er hat wie Schleifpapier gewirkt. Ich hatte an jedem Zeh zwei Blasen", berichtet Manuel Stöckert.

Zweimal pro Woche übten die Deutschen auch auf einer Aschenbahn in einem nahe dem Hotel gelegenen Stadion mit kenianischen Läufern. "100 Leute standen um 6.30 Uhr an der Startlinie", zeigt sich Stöckert beeindruckt. Ein wenig irritiert war er derweil vom Laufrhythmus der kenianischen Trainingspartner. "Wie Stimmungsschwankungen", beschreibt ihn Manuel Stöckert. Statt ein gleichmäßig hohes Tempo anzuschlagen, wurde immer mal wieder beschleunigt und danach locker weitergelaufen. "Im Endeffekt war der Schnitt ziemlich hoch", so Stöckert.

Wie klein die Welt manchmal ist, erkannte Stöckert, als er am Rande des Stadions in ein bekanntes Gesicht blickte. In das von Enock Lagat. Jener Kenianer, der den Seriensieger Stöckert 2012 beim Sparkassen-Stadtlauf in Bad Neustadt geschlagen hatte. "Wir sind ins Gespräch gekommen und haben dann einige Male miteinander trainiert", sagt Stöckert.

Er ist mittlerweile wieder daheim in Ostheim, schiebt ganz normalen Polizeidienst beim Operativen Ergänzungsdienst in Schweinfurt. Aber nicht lange. Schon nächste Woche packt er wieder seine Koffer und fügt seiner sogenannten Höhenkette das nächste Glied hinzu. Es geht für drei Wochen nach Portugal, wo Manuel Stöckert unter anderem mit André Pollmächer auf Meereshöhe trainiert. Zurück aus Europas Südwesten steht am 7. März der erste Saisonhöhepunkt auf dem Programm: die Deutsche Meisterschaft im Crosslauf in Markt Indersdorf. Nach Rang vier im Vorjahr will Manuel Stöckert diesmal auf das Treppchen. Anschließend geht es noch einmal für vier Wochen ins kenianische Hochland. Wieder auf die steinigen, sandigen und staubigen Pisten, auf denen Manuel Stöckert den Olympischen Spielen einige hundert Kilometer näher kommen will. dr