Man mag fast glauben, dass Windheim mal so etwas wie der Nabel der Welt rund um Wartmannsroth war. Bei all dem, was der ansässige Sportverein so alles auf die Beine stellte. Keine 300 Einwohner hat der Ortsteil, durch den gelassen sich der Klingenbach schlängelt. Zum pittoresken Gesamtbild passt die St. Ägididius-Kirche sowie ein ehemaliges Schloss. Und natürlich das Sportgelände, das außerhalb des Dorfes liegt und trotz der abgeschiedenen Lage irgendwo im Nirgendwo so etwas wie ein Mittelpunkt für das Vereinsleben ist.

Legendäre Fußballspiele

Bunt und vital erscheint in diesen Tagen nur die Vergangenheit. Mit einem regelmäßigen Fußballbetrieb und einem kompakten Angebot an Feierlichkeiten. Längst Geschichte sind die Platten-Partys oder die legendären Dorfmeisterschaften, bei denen die Truppe vom Mühlbachweg/Kapellenweg oft favorisiert war gegen die Cracks von der Weinbergstraße, Windheimer Straße oder vom Linsenberg. "Da ging es richtig zur Sache. Oftmals kamen ehemalige Bewohner zur Verstärkung. Und der Sieger ließ an der Straße immer Schilder anbringen", weiß Robby Kuhn, erster Vorstand im Verein. Sogar zum Johannisfeuer rollte der Ball: Linsenberg gegen Schmalsberg. Was genauso Kult war wie der Adam-Ziegert-Wanderpokal in Erinnerung an den ersten Vorsitzenden, der von 1970 bis 1981 den Verein prägte und treibende Kraft beim Bau des Sportplatzes war, als es für diverse Acker-Tauschgeschäfte eines gewissen Verhandlungs-Geschickes bedurfte.

Fifa-Schiedsrichter im Einsatz

Auch die von allen Vereinen organisierte Kirmes in der Ortsmitte samt Schießbude und Eiswagen gibt es nicht mehr, bei der die Zelte brechend voll waren und die Autos fast bis nach Diebach standen. Sogar Prominenz hatte es aufgrund beruflicher Kontakte nach Windheim verschlagen in Person des ehemaligen Fifa-Schiedsrichters Aron Schmidhuber, der einmal ein Werbespiel pfiff im Rahmen des Sportfestes. Eingeschlafen sind die gegenseitigen Besuche mit den Windheimern aus dem Hafenlohrtal.

Dank der seit 2019 bestehenden Spielgemeinschaft mit dem SC Diebach gelangen die Windheimer zumindest in den Genuss einiger Punktspiele der ersten und zweiten Mannschaft. Kaum zu glauben, dass das idyllische Örtchen lange Zeit sogar über eine eigenständige Mannschaft verfügte, deren Premieren-Torschütze übrigens Erich Klement war, der dem Verein später als Schiedsrichter und steter Unterstützer diente. Im April 1999 folgte die Liaison mit dem SV Morlesau samt diverser Titel und Aufstiege in 20 Jahren. Unvergessen bleiben die Meisterschaften unter André Betz (2009), Stefan Brustmann (2016) oder den just vom FC Fuchsstadt an den Klingensee gewechselten Timo Volpert, der den SV Morlesau/Windheim in der Saison 1999/2000 zum Millenium-Meister der damaligen A-Klasse 5 kürte.

Aktuell wird der Verein geführt von Robby Kuhn, seinem Stellvertreter Marco Möhler sowie Herbert Möhler (1. Kassier), Sebastian Roth (1. Schriftführer), Gudrun Ziegert (2. Schriftführer) und Thomas Bold (2. Kassier), bei dem es sich nicht um den Landrat handelt, um etwaige Missverständnisse zu vermeiden.

Nachholbedarf

Auch wenn in Corona-Zeiten das Vereinsleben fast vollständig zum Erliegen kommt, geht die Arbeit nicht aus. Vielleicht klappt es im Sommer ja mit dem Sportfest, und die nächsten Weihnachtsfeiern und der Faschings-Schafkopf wollen ebenfalls vorbereitet sein. Mit überstandener Pandemie kann das Sportheim wieder für Feierlichkeiten und das Sportgelände für Trainingslager angemietet werden.

"Und wir würden gerne unsere Feierlichkeiten zum 50-jährigen Vereinsbestehen nachholen. Aber da bleibt angesichts der Auflagen vieles in der Schwebe", sagt Marco Möhler. "Ein Kommersabend sollte es schon sein. Und wenn das Sportfest stattfinden kann, würden wir zusätzlich einen Gottesdienst anbieten, für den Abend vielleicht sogar eine Band engagieren", ergänzt Robby Kuhn, der vor einigen Jahren in die Fußstapfen seines Vater Stephan trat, der weit über zehn Jahre an der Spitze des Sportvereins stand, Nachwuchsteams trainierte und der sich vor allem um Baulichkeiten am Sportgelände verdient gemacht hatte.

"Ich hole mir heute noch den ein oder anderen Ratschlag ab. Mein Vater kennt sich aus und hat noch viele Kontakte", sagt der 33-Jährige, der in der Spielgemeinschaft ebenso aktiv kickt wie sein 37-jähriger Stellvertreter. "Wir haben schon in der Jugend zusammen gespielt. Wir Windheimer waren und sind ein verschworener Haufen", sagt Marco Möhler.

Zahlen rund um den SV Windheim

97 Mitglieder hat aktuell der SV Windheim. Durchaus beachtlich bei etwa 270 Einwohnern.

1970 ist das Jahr der Vereinsgründung des SV Windheim. Der Sportplatz wurde 1973 eingeweiht.

2 Abteilungen hat der SV Windheim: Fußball und die von Gudrun Ziegert organisierte Frauengymnastik.

6 Fußballspieler des SV Windheim sind in der Spielgemeinschaft mit Diebach vertreten.