Der Boden ist gekehrt und gewischt, Bilder und Bänke entstaubt, die Spinnweben samt ihrer unliebsamen Verursacher beseitigt. Oben von der Empore sieht man den ganzen Glanz der Reiterswiesener Kirche. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Dass sich darum Menschen ehrenamtlich kümmern, ist manchen aber vielleicht gar nicht immer bewusst. Ein Ehrenamt, das fast ein Schattendasein führt.
"Man gibt nicht damit an, dass man die Kirche putzt. Man redet da nicht groß drüber", meint Monika Fella. Sie ist seit drei Jahren dabei. Mit ihr sind es in Reiterswiesen 18 Frauen. In drei Gruppen wechseln sie sich alle vier Wochen ab und bringen die Kirche meist mit ihren eigenen Putzutensilien auf Vordermann. Als Putzfrau sehen sie sich aber nicht. Der frühere Pfarrer Hugo Seufert gab ihnen den Namen "Domfrauen". "Das klingt einfach schöner", erklärt Veronika Renninger.

Zwei Stunden sind nötig


Zwei Stunden brauchen sie, um die Kirche von Dreck und Staub zu befreien. "Wir ratschen aber auch immer mal dazwischen", gibt Erika Kaiser zu und lacht. Sie ist gemeinsam mit Hanni Kissner, Martha Greupel, Amanda Schäfer, Leopoldina Kiesel und Edith Heinrich am längsten dabei. Seit 1984, als die Kirche renoviert wurde. Schon während der Sanierung packten sie ohne zu zögern an. Da war es für sie keine Frage, einfach weiter zu helfen.
Vor der Renovierung putzte die damalige Küsterfrau, Anne Klein. Gesundheitlich konnte sie den Job aber nicht weitermachen. Und es war wohl auch eine Kostenfrage, vermuten die Frauen. Klein wurde noch bezahlt.

Arbeit für die Gemeinschaft


Als Ehrenamt sehen die Frauen ihre Arbeit aber nicht. "Das ist eine Selbstverständlichkeit, das hängen wir gar nicht hoch auf", sind sich alle einig. Aus ihren Augen ist es eine Arbeit für die Gemeinschaft. Dass andere über ihren Job schmunzeln oder ihn nicht ernst nehmen könnten, kümmert sie nicht. "Das kann uns wurscht sein, wir sehen das nicht so eng", betont Kaiser.
Neben den Spinnen müssen die Frauen manchmal auch Kaugummis, Taschentücher oder Hosenknöpfe entsorgen. Das macht ihnen aber nichts aus. Fella: "Wir ekeln uns nicht so schnell." Auch Hartgeld finden die Frauen hin und wieder. Das stecken sie aber keinesfalls in die eigene Tasche. Sie werfen es in den Opferstock am Eingang der Kirche.
Viel zu tun ist vor allem nach der Osternacht. Jeder der Kirchenbesucher hat in diesem besonderen Gottesdienst eine eigene Kerze. Da sind Wachsspuren nicht zu vermeiden. Die Frauen müssen die Reste wegkratzen. Unter den Bänken sauber zu machen, ist dann vor allem für die älteren Damen anstrengend, unterstreicht Eleonore Richler.
Viele der Domfrauen sind in das Ehrenamt "reingerutscht". Veronika Renninger ist für ihre Mutter eingesprungen, Magda Thomas für ihre Schwester. Andere wurden gefragt. "Ich denke, man spricht Leute gar nicht erst an, die nicht in die Kirche gehen und nichts mit dem Glauben zu tun haben", ahnt Fella.

Jüngere Domfrauen fehlen


Dass nicht auch Frauen aus der jüngeren Generation nachrücken, bedauert jede der Ehrenämtlerinnen. "Die gehen ja nicht mal mehr in die Kirche", stellt Renninger fest. Und Erika Kiesel glaubt: "In zehn Jahren funktioniert das nicht mehr, das Verständnis dafür ist nicht mehr da." Außerdem seien heute immer mehr Frauen berufstätig.
Das Handtuch zu werfen, kommt für keine in Frage. "Wir machen das solange wir können und der da oben uns lässt", wünscht sich Kaiser. Außerdem, sagt Fella: "Man ist schon stolz, wenn man sonntags im Gottesdienst sitzt, den Altar sieht und weißt: Den hab ich sauber gemacht."

Die Domfrauen: Elvira Kaiser, Hanni Kissner, Martha Greubel, Amanda Schäfer, Lepoldina Kiesel, Edith Heinrich, Veronika Renninger, Christine Herbert, Monika Fella, Eleonore Richler, Erika Kiesel, Magda Thomas, Vera Renninger, Agnes Bauer, Leticia Schmitt, Rosemarie Dietz, Monika Kiesel und Sigrid Klabouch.