An der Baustelle der zukünftigen Seniorenwohnanlage im Ümpfig ist seit Ende August ein archäologisches Team zugange. So wie es aussieht, ist es drei Geschichts-Profis zu verdanken, dass zumindest ein Teil der Zeugnisse früher Geschichte nicht verloren ging.

Nachdem die Baugrube für das Seniorenwohnheim ausgehoben war, wies ein Nüdlinger den Leiter des Heimatmuseums, Bernd Hein, auf Verfärbungen am Grund hin, die nach Brandspuren aussahen. Hein traf sich daher mit den Kreisheimatpflegern Christian Neugebauer und Roland Heinlein an der Baustelle. Am Boden der Baugrube entdeckten sie Scherben und besagte Verfärbungen (siehe Foto).

Baustopp nach Besichtigung

Ein Bürger aus der Nachbarschaft sei hinzugekommen und habe berichtet, bereits Edgar Thomas, den 2. Bürgermeister, auf die Brandspuren angesprochen zu haben. Das verneint Thomas: "Ich habe einen dunklen Fleck gesehen und habe es für einen ehemaligen Brunnen gehalten." Er sei durch die Grube gelaufen und habe den Boden durchgeschaut, jedoch nur "große Steine in keinem Zusammenhang" gesehen.

Nach der Besichtigung der Drei verhängte das Landratsamt einen Baustopp. Laut Hein steht das im Gegensatz zur Begründung des Bürgermeisters Harald Hofmann. Der habe im Gemeinderat lediglich auf Unstimmigkeiten von Plänen hingewiesen, die sich zufällig ergeben hätten. "Sie fielen erst durch unsere Initiative auf. Der Erdaushub war da schon endgültig erledigt und der offizielle Spatenstich für drei Tage später geplant", sagt Hein.

"Sorgloses Vorgehen"

Mit Unstimmigkeiten meint er: Im Bayern Atlas (geoportal.bayern.de/bayernatlas > dargestellte Karten > Weitere Karten > Bodendenkmal) zeigt sich ein Bodendenkmal. Es handelt sich um eine ehemalige Siedlung aus dem 13. Jahrhundert namens Melehorn. Teile davon kamen vor Jahren bei Grabungen in der Nachbarschaft zutage. Im Bebauungsplan der Gemeinde ist dieses Bodendenkmal nicht an der Stelle des Baugrundes vermerkt. An diesem hatten sich die prüfenden Stellen orientiert.

Hein findet das Vorgehen der Beteiligten sorglos: "Wieso werden im Vorfeld der Planungen nicht alle möglichen Quellen geprüft? Vom normalen Bürger erwartet man das doch auch." Das Landratsamt, die Gemeinde, das Architekturbüro und die Investoren seien in die Planung involviert. "Vier Parteien finden es nicht notwendig, zu recherchieren", das ärgert ihn. Denn trotz Baustopp war die Kellergrube ja bereits gegraben und der Aushub mit möglichen weiteren Funden auf Äckern der Umgebung verteilt.

Hinweise auf eine Siedlung

Burkard Lamer vom Landratsamt sagt, dass beim Bauantragsverfahren zwar Belange des Denkmalschutzes zu prüfen sind - jedoch nur Baudenkmäler (also Gebäude). Das Genehmigungsverfahren für Bodendenkmäler müsse derjenige eigenverantwortlich beantragen, der auf dem Grundstück bauen möchte. Hier handelt es sich um die Firma Söllner Wohn- und Gewerbebau.

Die Redaktion hat dazu einen Experten befragt. Der Bad Kissinger Rechtsanwalt Florian Arand meint: "Natürlich schaut man mal im Bayernatlas nach, damit man nichts vergisst". Es sei aber davon auszugehen, dass Bebauungspläne soweit geprüft sind, dass dort alle Informationen richtig festgehalten sind.

Vorläufige Ergebnisse

Was ist denn nun schon über die Funde zu sagen? Matthias Merkl vom Landesamt für Denkmalpflege in Bamberg ist für Bodendenkmäler im Landkreis Bad Kissingen zuständig. Weil die Grabung noch laufe, seien alle Erkenntnisse noch sehr vorläufig. "Es wird versucht, die Grabungen in den Bauablauf einzutakten", sagt er.

Bislang fanden die Forscher vor allem Hinweise auf eine Siedlung. Nach vorläufiger Einschätzung handelt es sich um Siedlungs- und Pfostengruben, also Stellen, an denen Löcher für beispielsweise Pfosten ausgehoben waren. Daneben fand hat das Team Keramikscherben.

Jahrtausend alte Scherben

Von der Pressesprecherin des Landesamtes für Denkmalpflege, Julia Steinbach heißt es: "Nachdem die Keramik überwiegend ins 13. Jahrhundert datiert, handelt es sich um die Überreste einer mittelalterlichen Wüstung." Damit ist Melehorn gemeint. Im Mainfränkischen Jahrbuch ist die Wüstung genannt. Dort seien seit längerem Grundmauerreste bekannt, nach örtlicher Tradition soll dort früher ein Kloster gestanden haben. Merkl sagt jedoch, dass es bisher keine Funde gebe, die auf ein Kloster hinweisen.

Zum anderen gibt es Scherben aus dem zweiten bis ersten Jahrhundert vor Christus. Funde aus dieser Zeit gab es zuvor noch nicht in dem Gebiet. "Ob die vorgeschichtliche Keramik eine weitere ältere Siedlung an dieser Stelle belegt oder eher verlagertes Material aus der Umgebung ist, dürfte die weitere Untersuchung zeigen", so Steinbach. Denn es kann vorkommen, dass Material über die Jahrhunderte durch den Boden "wandert".

Menschliche Skelette oder Gräber wurden bisher keine festgestellt. Die laufende Grabung wird dokumentiert, die wissenschaftliche Ausarbeitung erfolgt hinterher: "Die Grabungsfirma macht die Dokumentation und den Abschlussbericht. Das geht dann ans Landesamt. Wer sich anschließend für die Funde oder die Dokumentation interessiert - für eine Chronik, eine wissenschaftliche Arbeit oder einen Artikel - der kann sich bei uns informieren."