Das Personal machte Überstunden. Ein Großteil der BewohnerInnen in Pflegeheimen, Senioren- oder medizinischen Einrichtungen sehnte sich nach Besuch. Viele Menschen lebten täglich mit der Angst, jemanden anzustecken oder selbst angesteckt zu werden. Dann - endlich - gab es zweimal mit zeitlichem Abstand den Piecks mit dem Impfstoff in den Arm. Jetzt sollte alles besser werden, das zumindest war die Erwartung.

Parkwohnstift Bad Kissingen: "Es hat sich nicht viel zu vorher geändert"

"Es hat sich nicht viel zu vorher geändert", sagt Katharina Benkert, stellvertretende Direktorin von der Seniorenresidenz Parkwohnstift Bad Kissingen. "Die Auflagen sind hoch. Man darf nicht mehr als vorher." Vom Diakonischen Werk Schweinfurt, das Häuser für ältere und pflegebedürftige Menschen in Bad Kissingen, Oerlenbach und Maßbach hat, hört man ähnliches.

Große Erleichterungen sind es nicht, die das Staatsministerium bisher zugelassen hat. Nur die Anzahl der nun täglich zugelassenen Besucher sei ab Samstag, den 27. März, gelockert worden, berichtet Marco Schäfer, Vorstand der Carl von Heß'schen Sozialstiftung. "Nun können auch mehr als nur ein Angehöriger pro Tag zu Besuch kommen."

Erleichterungen mahnten Angehörige immer wieder an. "Es sind doch jetzt viele geimpft", sagten einige. "Leider ist es so, dass trotz Impfungen auch wieder Durchbrüche zu verzeichnen sind, sodass die Staatsregierung keine weiteren Lockerungen zulassen darf", erklärt Schäfer. Dies sei "Gott-sei-Dank" bislang in den Einrichtungen der Carl von Heß'schen Sozialstiftung nicht der Fall gewesen.

Trotz Impfung: AHA Regeln gelten weiter

Auch der Alltag im Parkwohnstift in Bad Kissingen ist vergleichbar mit dem vor der Impfung: Maske tragen, Abstand halten, lüften, Hygienemaßnahmen einhalten, testen. Selbst, wenn man geimpft sei, bestehe die Möglichkeit, das Virus noch zu übertragen, sagt Benkert. Die Regeln, wie Besuche möglich seien, hätten sich kaum verändert. Das Personal im Parkwohnstift tue zwar alles, um Besuche zu ermöglichen, dennoch müssen Besucher nach wie vor einen aktuellen PCR-Test vorlegen oder ein Schnelltest im Parkwohnstift machen.

Auch das Personal und die Bewohner würden weiterhin getestet. Bei den Testungen habe sich ein fester, regelmäßiger Rhythmus gefunden. Das Personal, das im Pflegebereich arbeitet, werde dreimal die Woche getestet. Im öffentlichen Bereich werden Personal und Bewohner einmal die Woche getestet. "Wir haben extra eine Person eingestellt, die die Tests macht", sagt Benkert.

Dreimal Ende Januar und im Februar sei im Parkwohnstift geimpft worden. Die geimpften Personen hätten die Impfung mit Biontech sehr gut vertragen. Die Impfquote liege bei etwa 90 Prozent.

Innerlich hätte sich seit der Impfung aber doch etwas verändert, findet Benkert. "Man ist erleichtert. Wir sind froh, dass die Impfung vor schweren Verläufen schützt."

Fehlende Übernachtungsmöglichkeiten

Aber die Umstände würden den Angehörigen regelmäßigen persönlichen Kontakt nach wie vor schwermachen. Die Tochter, die in Würzburg wohne, könne schnell mal herfahren, um ihre Mutter in Bad Kissingen zu besuchen. Viele Menschen aus dem Parkwohnstift kämen aber ursprünglich aus dem Rhein-Main-Gebiet oder aus Köln. Deren Kinder müssten einen längeren Fahrtweg auf sich nehmen und würden gerne in Bad Kissingen übernachten. Touristische Übernachtungen in Hotels und sonstigen Beherbergungsbetrieben sind aber bis mindestens 18. April nicht erlaubt. Das führe dazu, dass sich Familien eine lange Zeit nicht persönlich sehen könnten. "Das ist ein großes Problem. Die Psyche der Leute leidet."

"Insgesamt hoffen wir, dass sich durch die Fortschritte beim Impfen und das bessere Wetter die Situation bessert und wir bald wieder mehr Aktionen zulassen können", sagt Schäfer. Auch die Verlagerung nach draußen bei gutem Wetter sei ein Lichtblick.

Besuchsräume sind vorhanden

Wenn Bewohner des Parkwohnstifts Besuch bekommen, kann man in Besuchsräume oder draußen in den Park gehen. Schöne neue Besuchsräume mit Plexiglasscheibe seien geschaffen worden, erzählt Benkert. "Die Räume sind liebevoll eingerichtet." Auch der weitläufige Park lade zum Spazierengehen ein und die Menschen würden sich sicher fühlen, da dort keine fremden Menschen hindürften, sagt Benkert. "Viele Menschen fühlen sich hier familiär aufgehoben. Sie fühlen sich behütet und beschützt. Das ist der Vorteil in so einer Einrichtung. Zuhause wären sie vielleicht allein."