Die junge Frau ist in Feierlaune und jubelt: "Jetzt geht's los." Pia Bauer, ihr Mann Uwe und zehn Freunde fahren mit bei der Orient-Rallye 2012. Start ist am Samstagmorgen in Oberstaufen im Allgäu.14 Tage später sollen die sechs Pkw-Oldies in Baku einlaufen. Dort werden sie dann für einen wohltätigen Zweck versteigert.

Hab' mein' Wagen voll geladen - das galt für alle sechs Kombis der "Sternfahrer" und der "Frankenbeduinen". Sie sind voll bis unters Dach und mussten deshalb am Freitagmittag noch einmal auf die Waage. Mit so viel "Fracht" - gespendete Musikinstrumente und andere Dinge - hatte niemand gerechnet. "Wir haben uns unterschätzt", freut sich Schreinermeister Thomas Büttner. Ober-"Beduine" Edgar Thomas sagte es so: "Bis Rumänien können wir nicht im Auto schlafen - zu viele Sachen sind an Bord."

Nach acht Monaten Vorbereitung war (fast) alles da. Lediglich ein Pass fehlte noch. Und der kam per Kurierdienst. An Bord der Fahrzeuge ist alles, was man so brauchen kann: Schlafsäcke und Dosenbier, Starterkabel und Schneeketten. Sogar an Karotten wurde gedacht: Für den Hauptpreis der Rallye, ein Kamel. Auch Zigaretten, Schnaps und Kleingeld sind dabei. Die könnten so manche Grenzkontrolle beschleunigen. "Dafür ist Achim Hein zuständig", so ein Fahrer. Hein ist Staatsanwalt. Dann gab es ein Gläschen Sekt, den Waltraud Füller mitgebracht hatte, bevor es auf die lange Strecke ging. Einige waren schon ein bisschen aufgeregt.


Milchkanne als Mitbringsel



In den letzten Tagen hatten die Pkw den Feinschliff bekommen, wurden betankt, durchgecheckt, repariert: An einem war die Antriebswelle defekt, an einem anderen die Benzinpumpe. Zur Ausrüstung gehört bei den "Sternfahrern" eine alte Milchkanne. Aus diesem und anderen Mitbringseln soll in Istanbul eine Skulptur entstehen. Pia Bauer: "Die Bad Kissinger Rhön-Milch lebt am Hauptbahnhof von Istanbul weiter."

Am Samstag Abend will man bei Graz sein. Das nächste Etappenziel ist Temeschwar in Rumänien. Am 2. oder 3. Mai will man Istanbul erreichen. Auf der dortigen Formel-1-Strecke ist eine Sonderprüfung geplant, an der Galata-Brücke ein Camp. Zwischen Istanbul und Tiflis können Pia und Uwe Bauer feiern: Sie haben den ersten Hochzeitstag "irgendwo im Hinterland der Türkei." Weiter geht es an der Schwarzmeerküste entlang zum Berg Ararat, nach Batumi und Tiflis zum Ziel Baku.

Wer wissen will, wo "Sternfahrer" und "Franken-Beduinen" gerade sind, kann das mit einem GPS-Live Ticker feststellen. Pia Bauer: "Es wäre schön, wenn sich die Punkte bewegen."


Autos müssen mindestens 20 Jahre alt sein



Die Allgäu-Orient-Rallye stellt an Teilnehmer und Autos hohe Anforderungen. Zurückzulegen sind um die 6600 Kilometer bis zum Ziel Baku. Die Strecke führt durch Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Georgien. Unterwegs sind Sonderprüfungen zu bestehen und bestimmte Regeln einzuhalten. So durfte jeder Pkw nur 1111,11 Euro kosten und muss mindestens 20 Jahre alt sein. Die Übernachtungsausgaben pro Person und Tag dürfen 11,11 Euro nicht überschreiten.

Die Rallye dient einem guten Zweck. Die gespendeten Dinge werden unterwegs an Schulen und Bedürftige verteilt. Die Fahrzeuge bleiben in Aserbaidschan und werden dort versteigert. Der Erlös geht an das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). Er kommt direkt Armen zu Gute. Eigentlich sollte Jordanien das Ziel sein. Das ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Allerdings fliegen die Rallye-Fahrer für einige Tage in das Haschmiten-Reich zum Sightseeing und Urlaub.