Es ist Zeit für die Übergabe im St. Elisabeth-Krankenhaus. Auf der Station 5b verläuft diese derzeit ein wenig anders. Vier Krankenpflegeschüler arbeiten momentan in einer Schicht, sie messen den Patienten de n Blutdruck, die Temperatur und unterhalten sich kurz mit ihnen. Bis Ende der Woche leiten 15 Auszubildende des zweiten Lehrjahres die Station. Eine erfahrene Schwester und ein Ausbilder sind zwar die ganze Zeit über anwesend und beobachten die Pflegeschüler, greifen jedoch nur ein, wenn es wirklich nötig ist.


Einmonatige Vorbereitung

Das Projekt "Schüler leiten eine Station" findet bereits zum zehnten Mal statt und Erhard Bieber, Leiter der Krankenpflegeschule, ist zufrieden: "Der Lerneffekt bei den Schülern ist sehr gut, denn sie sehen, was es heißt, eigene Verantwortung zu übernehmen. Diese Woche sind Sie mal nicht nur die Schüler." Bevor den Auszubildenden die Leitung übertragen wurde, mussten sie sich ordentlich vorbereiten. Einen Monat vorher hat die Planung begonnen.

Die Schüler haben sich dafür in Gruppen eingeteilt. Die einen kümmerten sich um die Materialien und planten die Abläufe, einige informierten die Stationen und die Presse über die Aktion. Und dann gab es noch eine ganz wichtige Gruppe: die Dienstplan-Fraktion. "In diese Gruppe wollten zunächst alle, aber dann waren doch einige froh darüber in einer anderen zu sein", erzählt Schülerin Michelle Priem. Selina Uhl war Teil dieser Gruppe und erklärt: "Es war gar nicht so leicht, alle Wünsche zu respektieren und so musste ständig wieder etwas umgestellt werden." Doch am Ende waren sich alle einig.


Krankheitsbilder wiederholen

Die Schüler übernehmen alle Schichten des Tages. In der Früh- und Mittagsschicht sind sie zur viert, nachts zu zweit. Neben der organisatorischen Planung hatten sie sich auch fachlich gut vorzubereiten. Schulleiter Bieber wiederholte mit den Schülern noch einmal den Unterrichtsstoff und schickte sie für den Fall der Fälle in einen Reanimationskurs. In den letzten Jahren ist der Notfall jedoch nicht eingetreten.


Schüler kommen gut klar

Die Schüler bereiteten sich auch selbständig vor. Eine Gruppe fasste vor allem wichtige Krankheitsbilder und Abläufe in einem Ordner zusammen. "Mit dem hat sich auch jeder von uns noch einmal intensiv beschäftigt", erzählt Selina Uhl.

Letzten Freitag ging es los: "Ein bisschen aufgeregt war ich schon. Ich war mir nicht sicher, ob das alles so klappt. Aber dann war ich wirklich überrascht wie gut wir zusammen arbeiten", sagt Selina. Die Schüler kommen mit der Verantwortung gut klar. "Wir haben uns eigene Abläufe ausgedacht, machen es mal anders als die Schwestern und das klappt wirklich gut", meint Zweti Galabova. Wenn ein paar Dinge nicht optimal laufen, ist das kein Beinbruch. "Wir sprechen uns immer wieder ab, was wir noch besser machen können. Was heute nicht klappt, kann ja morgen besser werden", sagt Zweti. Die Patienten sind auch zufrieden. "Bis jetzt hat noch kein Patient nach einer Schwester gefragt".