So wurden am Mittwoch zwei neue Fälle gemeldet, bei denen Betrüger ihr Glück versuchten. In beiden Fällen waren sie erfolgreich und türmten mit über zehntausend Euro. Die Kripo Würzburg ermittelt und warnt erneut vor dem Phänomen - zumal die Masche inzwischen auf E-Mails erweitert wurde.
Die Betrugsmasche ist mit dem Enkeltrick vergleichbar und in der jüngsten Vergangenheit vermehrt festzustellen. In nahezu allen gemeldeten Fällen sprach der Anrufer russisch. Die Opfer sind bislang fast ausschließlich Personen mit russischem oder osteuropäischem Migrationshintergrund. So auch am Mittwoch, als eine 87-Jährige einen Anruf von einer Frau erhielt, die sich als ihre Schwiegertochter ausgab. Aufgeregt schilderte sie, sie habe bei einem Treppensturz ein Mädchen schwer verletzt. Im Laufe des Gespräches schaltete sich auch ein angeblicher Anwalt ein und forderte 30 000 Euro. Dieser Schock wirkte offenbar bei dem Opfer, denn kurz darauf übergab sie einem Unbekannten 10 000 Euro. Wenig später stellte sich heraus, dass die Geschichte frei erfunden war und das Geld jetzt weg ist.
Mit einer ähnlichen Geschichte waren die Betrüger zuvor bei einem 82-Jährigen aus dem gleichen Stadtteil erfolgreich. Dieser verlor 2000 Euro. In beiden Fällen wird der unbekannte Geldabholer wie folgt beschrieben: 18 bis 24 Jahre alt, schlank und etwa 1,75 bis 1,80 Meter groß. Er hatte zwei bis drei Zentimeter kurze Haare und trug keine Brille oder Bart. Er war bekleidet mit einem dunkelgrauen oder schwarzen Langarmhemd sowie einer dunklen Hose, eventuell einer blauen Jeans und sprach russisch.

Immer misstrauisch sein


Die Polizei rät daher, misstrauisch zu sein, wenn Personen am Telefon hohe Geldbeträge fordern, und über den Notruf 110 sofort die Polizei zu verständigen. Man sollte keine Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen preisgeben und zur Überprüfung immer zunächst die übliche Nummer des Verwandten anzurufen. Außerdem sollte niemals Geld an Personen übergeben werden, die man nicht persönlich kennt.
Dasselbe gilt für die Schockmails, die inzwischen ebenfalls kursieren, wie die Schweinfurter Polizei meldet. Dort hat eine 43-Jährige Anzeige wegen eines E-Mail-Betruges erstattet. Ein Unbekannter hatte sich Zugang zu ihrem Mailaccount verschafft und unter ihrem Namen Schockmails an ihre Freunde und Bekannte versandt. Die Inhaberin der E-Mailadresse hätte in Schottland Geld und Ausweispapiere verloren. Sie bräuchte dringend Geld für einen Rückflug und bittet deshalb um einen Rückruf an der Rezeption des Hotels. Am Telefon erhält der Anrufer per Bandansage die Aufforderung, einen bestimmten Betrag per Western Union nach Schottland zu überweisen.
Nach Versenden des Hilferufs, hatte der Betrüger offenbar die Kontaktadressen gelöscht und das Passwort geändert. Die Geschädigte konnte so weder auf ihr Email-Konto zugreifen, noch die ursprünglich im Adressbuch eingetragene Personen vor dem Betrug warnen.
Mit dieser Masche zocken die Betrüger ahnungslose Geschädigte gleich doppelt ab. Denn die in der Mail angegebene Rufnummer ist nicht wie angegeben das Hotel, sondern eine teure kostenpflichtige Hotline im Ausland. Folgt der gutgläubige Anrufer dann den dort abgespielten Anweisungen, ist das Geld meist für immer verloren, denn die Betrüger können es weltweit abholen.
Deshalb sollten solche E-Mails als Spam betrachtet werden, rät die Polizei. Auf keinen Fall sollte man im Ausland anrufen oder Geld überweisen. Auch hier heißt es: Umgehend die Polizei verständigen - und den Absender der E-Mail, denn dieser weiß meist nicht, dass in seinem Namen solche Forderungen gestellt werden.

Passwörter aktualisieren


Wer merkt, dass sein E-Mail-Account für solche Mails missbraucht worden ist, sollte schnellstmöglich mit dem Anbieter Rücksprache nehmen. Oft können gelöschte Adressverzeichnisse wiederhergestellt und so Schaden von den Freunden abgewendet werden. Die Polizei rät dazu, zuverlässige und wechselnde Passwörter zu wählen und warnt davor, unbekannte Dateianhänge auszuführen. Auch ein ständig aktualisierter Virenschutz macht es Computerbetrügern schwer, an Daten zu gelangen. red