Noch bis Freitag müssen alle, die nach Gräfendorf fahren wollen, einen Umweg in Kauf nehmen. Die Staatsstraße 2302 zwischen Waizenbach und Gräfendorf ist gesperrt. Denn die Trasse der Erdgasleitung von Sannerz nach Rimpar kreuzt dort den Verkehrsweg. Die Straße muss aufgemacht werden, um die Leitung verlegen zu können.
"Leider ging es dort nicht mit einer Pressung, die wir nach Möglichkeit bevorzugen", sagt Andreas Kniep, Bauleiter bei Open Grid Europe. Die Pressung ist die minimalchirurgische Methode. Dabei treibt ein spezielles Rohr eine Öffnung unter eine Straße oder gar einen Bachlauf. Danach wird das eigentliche Leitungsstück durchgesteckt. Zwischen Heiligkreuz und Heckmühle wurde so die Leitung unter der Schondra hindurch gezogen. Für eine Pressung muss aber die Statik und der Untergrund passen. Bei jedem einzelnen Hindernis, auf das die Trasse der Pipeline stößt, wird dies geprüft.
Bei der Staatsstraße zwischen Waizenbach und Gräfendorf haben sich die Verantwortlichen gegen eine Pressung entschieden. Die Anwohner nehmen es mit Geduld. "Ein Glück, dass es nur drei Tage sind", so der Tenor. "Bis jetzt hat sich noch niemand über diese Baustelle beschwert", bestätigt der Waizenbacher Ortsbeauftragte Stefan Schottdorf. Die Kundigen würden sowieso die Abkürzung über Dittlofsroda und am Eidenbacher Hof vorbei nach Gräfendorf nehmen.
Kritisch würde es werden, wenn zeitgleich mit der Baustelle an der St 2302 auch die Pipeline-Querungen im Bereich Dittlofsroda den Durchgangsverkehr kappen würden. Denn die Strecke der Gasleitung kreuzt aus Richtung Völkersleier kommend die Zufahrt nach Dittlofsroda. Ein weiteres Aufeinandertreffen von Straße und Pipeline gibt es oberhalb der Waizenbacher Kläranlage.
Das Rohrlager zwischen Wartmannsroth und Dittlofsroda hat sich mittlerweile fast geleert. Die Leitungsstücke liegen entlang der geplanten Trasse. An mehreren Stellen zugleich wurde der Mutterboden für den 30 Meter breiten Baustellenstreifen abgebaggert. Auch die Grube, in die der Rohrstrang gesenkt wird, ist schon an vielen Orten ausgehoben. "Einen Vorteil haben wir in unserer Region durch diese Fernleitung nicht", meint Schottdorf. Aber man zeige Verständnis für das Großprojekt der Gasversorgung.
Bis spätestens Oktober soll die Parallelverbindung von Sannerz nach Rimpar fertig werden. Bauleiter Kniep ist zuversichtlich, diesen Termin einhalten zu können. Witterungsbedingt herrschten ja bisher optimale Bedingungen. "Es hätte auch pausenlos regnen können", meint Kniep. Dann wären die momentan staubigen Verlegungstrassen zu Schlammlawinen geworden.
Der Bauleiter wurde durch den Arbeitsaufenthalt mit der Region vertraut. "Wir werden hier bestens versorgt und haben mittlerweile die fränkische Küche schätzen gelernt." Er will die Gegend als attraktives Urlaubsgebiet daheim im Ruhrgebiet weiter empfehlen. "Doch sind wir momentan hier nicht im Urlaub", erinnert Kniep an die berufliche Pflicht.
Die Rohre müssen nicht nur zu einem Strang verschweißt und mit speziellen Kränen - Seitenbäume genannt - in die Erde gehievt werden. Auch die Schneise durch das Gelände soll wieder in den Ursprungszustand versetzt werden. Außerdem muss die Leitung vor der Inbetriebnahme auf ihre Dichtigkeit geprüft werden. Erst dann kann das Gas strömen.