Mittwochs um neun ist Baustellenzeit. Dann treffen sich einige Herren im besten Alter zur schweren körperlichen Arbeit. Meist sind es zwei oder drei: Alfred Meisner, Uwe Benziger, Arno Wa-chen brönner. Im Tann oberhalb der Alten Euerdorfer Straße ist dann Wallung. Dort bauen die Schützen seit Jahren, zur Zeit entsteht eine 100-Meter-Schießanlage.
Eigentlich sollte sie 2013 eingeweiht werden, dann feiert Bad Kissingens ältester Verein seinen 555. Geburtstag. Dazu wird es aber wohl kaum kommen. Denn die zeitliche Zielsetzung war wohl etwas zu optimistisch.

Schützenmeister Meisner: "90 Prozent machen wir selber, wir haben alles eingeschalt und betoniert." Aus finanziellen Gründen verzichten die Schützen wo es nur geht auf den Einsatz von Firmen. Einzige Ausnahme: Eine Bodenplatte hat man von einem Bauunternehmen fertigen lassen, weil Meisner einen schnellen Erfolg sehen wollte. Das war aber "ein Schuss in den Ofen, die haben uns vernachlässigt", sagte der Vereinschef. Bis Weihnachten sollte die Platte fertig sein, im Juli war sie es schließlich. "Wenn wir selber gebaut hätten, wären wir weiter gewesen", so Uwe Benziger.

Begonnen hat die Plackerei 1998. Damals hat Bayerns Innenministerium beschlossen, Lärmemissionen von Schießanlagen überprüfen zu lassen. Nach der Messung standen die Schützen vor der Wahl: "Einhausen oder aber aufhören."

Die Schützen spuckten in die Hände, ein ambitioniertes Ziel fest im Visier: Sie bauen seither eine hochmoderne Anlage, die allen Anforderungen genügt. Zunächst mussten Bogenhalle und 25-Meter-Stand weichen. Sie machten Platz für zwölf vollständig eingehauste Schießbahnen für Kurzwaffen, acht Stände à 50 Meter für Langwaffen, zehn à zehn Meter für Luftdruckwaffen sowie 30-Meter-Bahnen für Bogenschützen. Der Clou: Robin Hoods Nachfolger trainieren auf dem begrünten Dach einer darunterliegenden Anlage. Am 6. Mai 2007 war Eröffnung.

Bereits seit 2005 wurde parallel dazu an der 100-Meter-Bahn samt Treppenhaus, Sanitär- und Aufenthaltsräumen gewerkelt. Dazu mussten einige Bäume gefällt werden. Seither geht es Schritt für Schritt voran.
Erleichtert werden die Arbeiten durch einen Radlader und einen betagten Kran, die der Schützenverein günstig kaufen konnte. Das sei billiger als mieten, argumentiert Meisner.

Er führt den Verein straff, aber mit Augenmaß wie ein kleines mittelständisches Unternehmen, ohne die Mitglieder zu überfordern. Jeder zwischen 17 und 60 muss pro Jahr zehn unentgeltliche Arbeitsstunden leisten (oder bezahlen). Meisner geht mit gutem Beispiel voran, hat (Stichtag: 31. 12. 2011) 6677 Stunden gearbeitet. Auch die Leistungen von Uwe Benziger (1869) und Dieter Göbel (1251) können sich sehen lassen.

Nach und nach werde alles. Es dauere halt, sagte Meisner. Und wann soll jetzt alles fertig sein? Meisner: "Das ist eine sehr heikle Frage." Man plane im Moment, in etwa drei bis vier Jahren. Aber nach Fertigstellung der ersten Raumschießanlage war "irgendwie die Luft raus", erinnert sich Uwe Benziger.

Sie packen an, "weil ich Lust und Liebe dazu habe", sagen Benziger und Wachenbrönner. Im Verein spiele neben dem Sport auch das Gesellige und die Kameradschaft eine Rolle.

Trotz dieser Kraftakte ist der Verein "nach wie vor schuldenfrei". Denn, so Meisner, "ich könnte mit 200 000 Euro Verbindlichkeiten nicht mehr ruhig schlafen". Die Schützen werden für ihre neue Anlage über 130 000 Euro an Eigenmitteln aufbringen müssen; mindestens. Das ist eine Menge bei ca. 10 000 Euro Einnahmen pro Jahr.
Damit nicht genug: Der Verein hat 1,5 Hektar Grund rund ums Heim gekauft. Davon alleine 10 000 vom Freistaat.

Die umfangreichen Arbeiten haben am 13. April 1998 begonnen. Vorausgegangen war ein längeres Planungs- und Genehmigungsverfahren. Zuschussfragen waren zu klären. 2002 war der erste Bauabschnitt fertig, 2007 der zweite. Mit dem dritten wurde 2005 begonnen. Mit Fertigstellung wird 2015/ 2016 gerechnet.

Die Maßnahme ist mit 450 000 Euro veranschlagt. An Zuschüssen werden 140 000 Euro von Land und Sportschützenbund erwartet. Die Stadt Bad Kissingen beteiligt sich mit 130 000 Euro. Die Mitglieder der Freihandschützen haben bislang etwa 25 000 unentgeltliche Arbeitsstunden geleistet. Dabei haben sie unter anderem 700 Kubik Beton verbaut.

Die Freihandschützen haben 165 Mitglieder, die Hälfte davon ist aktiv. "Karteileichen" gibt es laut Schützenmeister Meisner nicht. Der Verein verfügt über ein bewirtetes Schützenheim, eine vorbildliche Anlage und fünf Abteilungen. Geschossen wird mit Bogen, Luftdruck-, Klein- und Großkaliber-, Kurz- und Langwaffen sowie Vorderladern. ed