Und in der Tat drehte sich vieles um dieses angedachte mögliche zweite Industrie- oder Gewerbegebiet, das die Stadt zwischen Albertshausen und Poppenroth schon Mitte der 1990er Jahre dort ausweisen wollte. Über das etwa 70 Hektar große Gebiet ließ Stadtplaner Wolfgang Russ nur soviel verlauten, dass es über die Staatsstraße ST 2291 oder auch über die B 286 erschlossen werden soll. Damit Poppenroth nicht "missbraucht" wird, sprich, dass der damit verbundene zusätzliche Autoverkehr nicht durch die Ortschaft fahren muss.

"Wollen wir das, oder nicht?"


"Es wird mit Sicherheit mehr Verkehr geben", so der OB und Wolfgang Russ ergänzte, dass dieser weniger von den anzusiedelnden Firmen, sondern mehr von deren Arbeitnehmern käme. Grundsätzlich müsse man sich fragen, "ob wir das wollen oder nicht". Fakt ist, dass die Stadt Bad Kissingen keine Quadratmeter Industrie- oder Gewerbegebiet frei habe, sagte Kay Blankenburg und teilte mit, dass es in absehbarer Zeit eine gemeinsame Sondersitzung mit Bürgern der beiden Stadtteile geben werde. Bis dahin könne sich jeder seine Gedanken machen. Nicht vergessen solle man dabei, dass eine Großbäckerei nur im Industriegebiet angesiedelt werden dürfe, daher sprach er auch mehr von Industrie- als von Gewerbegebiet.

Keine Dreckschleuder


"Das von Beginn an zu sagen, sei ehrlicher", so der Oberbürgermeister.
Er räumte ein, von Betrieben aus dem medizinischen Bereich zu träumen, die sich hier ansiedeln (sollen). "Auf keinen Fall wollen wir hier Dreckschleudern", Bad Kissingen - und dazu gehören Poppenroth und Albertshausen auch - bedeute "Ruhe, Friede und heile Welt". Allerdings möchte man keine großen Summen ausgeben, ohne zu wissen, ob jemand Interesse an einer dortigen Ansiedlung hat. Rund 50 000 Euro würde das Erstellen eines Bebauungsplanes kosten und Kay Blankenburg betonte nochmals, nachdem er das städtische Abwasserkonzept und die anschließende Erneuerung der inneren Fußgängerzone erläutert hatte: "Wir müssen attraktiver werden und benötigen gleichzeitig noch mehr Arbeitsplätze in allen Preisklassen".

Einfach katastrophal


Das zweite "große Thema" der Bürgerversammlung war die Ortsverbindungsstraße Poppenroth - Albertshausen. Sie führt an dem geplanten Industriegebiet vorbei, soll aber nicht zur Erschließungsstraße werden, ist aber jetzt schon in einem beklagenswerten Zustand. Wie zum Beispiel Hubert Hummel anmerkte. Der Lkw- und Busverkehr hätte die Straßendecke total ruiniert und während der Oberbürgermeister bei dieser Straße von einem "spannenden Zustand" sprach, war sie für andere schlicht und einfach fast unpassierbar. "Wir, die Anlieger, haben damals 90 Prozent der Kosten übernommen, wir brauchen da keine Autobahn, aber im Augenblick ist die Straße so schlecht, dass da niemand fahren kann", sagte eine der insgesamt vier Frauen, die der Bürgerversammlung beiwohnten.
Nicht die Breite der Straße sei das Problem, sondern die Oberfläche. Darin waren sich zumindest die Poppenröther einig und der OB erklärte: "Keiner hat die Absicht, die Straße in diesem Zustand zu lassen". Genauso wenig werde er diese Ortsverbindungsstraße als "Geisel" einsetzen. Die Sanierungskosten würden in den nächsten Haushalt eingestellt, so sein Versprechen. "Die Straße an den Honigäckern öffnen, um eine Entlastung zu erreichen", war ein Vorschlag von Wolfgang Wimmel, worauf der OB aber nur antwortete, dass die alte Straße eine neue Oberfläche bekommt und für Lkw gesperrt werde.

Kein Bedarf


Eine Änderung im Flächennutzungsplan von Poppenroth erläuterte Stadtplaner Wolfgang Rust abschließend. Im Baugebiet "Aschacher Wiese" war eine Fläche für einen neuen Kindergarten vorgesehen. Da auf absehbare Zeit dafür kein Bedarf bestünde, werde es "am Männerholz" nun Freiflächen für Baugrundstücke geben.
"Mißstände im Grünbereich" hat Stadtrat und Ortsbürger Klaus Bollwein entdeckt. So seien städtische Wiesen das ganze Jahr über nicht gemäht worden. Das sollte aber zwei- bis viermal im Jahr geschehen. Als der städtische Servicebetrieb endlich kam, war das Mähen durch einen Fremdauftrag vergeben. Und: Das gesamte Schnittgut blieb liegen. Bei der "Grünvergabe sollten wir alle ein Auge darauf werfen", sagte Bollwein. Es könne nicht sein, dass eine Firma den Auftrag bekommt und diese Arbeit erst im Winter erledigt wird. Hier sei eine Kontrolle zwingend angebracht, sagte Bollwein.

Nichts wird "weggeschmissen"


Der Oberbürgermeister nannte in diesem Zusammenhang die Telefon-Servicenummer 3555. Dort könne man beim Leiter des städtischen Servicebetriebes solche Probleme melden und keiner dieser Anrufe "würde weggeschmissen", wie dies ein Teilnehmer der Bürgerversammlung behauptete.