Die Meinungen im Gemeinderat sind gespalten. Einerseits wollen die Räte das Biosphärenreservat erhalten, um den Tourismus in der Region anzukurbeln. Andererseits ist die Gemeinde schon jetzt durch diverse Naturschutzbestimmungen stark eingeschränkt. Da auch noch zusätzlich Flächen als Kernzone auszuweisen, ist für einige Gemeinderäte doch zu viel des Guten. Die braucht es aber, um den Status als Unesco Biosphärenreservat in Zukunft führen zu dürfen.

"Unsere Gemeinde hat 1340 Hektar Fläche. Davon sind 600 Hektar Naturschutzgebiet und 700 Hektar Landschaftsschutzgebiet", schildert Bürgermeister Robert Römmelt (SPD) die Situation im Sinntal.
Zum Teil überschneiden sich die Schutzgebiete zwar, nichtsdestotrotz bleibt die wirtschaftliche Nutzung schwierig.

Bedenken gegen die Kernzone

Beim jüngsten Gemeinderat warben Vertreter des Landratsamtes Bad Kissingen nun dafür, dass Riedenberg Flächen für mögliche Kernzonen zur Verfügung stellt. Gebiete um das Berghaus Rhön sind im Gespräch, auch weitere Waldflächen wären denkbar.

Die Bedenken der Gemeinderäte sind vielfältig. "Wie sieht es mit der Versorgung mit Brennholz aus?", war da nur eine Frage von vielen. Kernzonen dürfen nämlich für die Holzgewinnung gar nicht, und für die Jagd nur eingeschränkt genutzt werden. Außerdem dürfen - wie in anderen Naturschutzgebieten auch - die Wege nicht verlassen werden. Vor allem aber herrscht bei den Räten Unklarheit über den Sinn der Maßnahme.

"Das Thema Kernzone ist bei den Bürgern und betroffenen Gemeinden noch gar nicht richtig angekommen", schildert Römmelt seinen Eindruck. Das liege auch daran, dass das Biosphärenreservat nun schon seit mehr als 20 Jahre existiere, die Kernzonen-Problematik aber vom ersten Tag an nicht geklärt gewesen sei. Nun sollen mit einer Hauruck-Aktion die noch fehlenden Teile zusammen gesammelt werden, weil eine wichtige Zertifizierung ansteht. Das ist vielen Bürgern schwer zu vermitteln.

Schon fünf Prozent als Kernzone ausgewiesen

"Außerdem haben wir schon auf fünf Prozent unserer Gemarkung Kernzone", argumentiert Römmelt. Die Waldgebiete liegen auf dem Farnsberg, vom Würzburger Haus aus sowohl in Richtung Berghaus Rhön als auch in Richtung Oberbach. Grundeigentümer ist zwar der Freistaat Bayern, aber "für Riedenberg ist das schon ein sehr großer Beitrag", sagt Römmelt.

Trotzdem sprechen sich weder der Bürgermeister noch der Gemeinderat grundsätzlich gegen Kernzonen aus. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Noch im Februar wollen die Räte über die Vorschläge des Landratsamtes abstimmen. Römmelt zeigt sich nicht gerade euphorisch, aber doch zuversichtlich: "Wir werden schon einen Kompromiss finden."