Als Marietta Hüfner und Albin Scherer, der auch hier lebt und quasi zur Familie gehört, realisierten, dass es brennt, war es schon zu spät. Denn das Feuer brach im Erdgeschoss aus und versperrte den Weg zur Tür. Vom Austragshäuschen, in dem die beiden leben, bis zum Hauptgebäude des Röderhofes sind es nur ein paar Schritte, und so stellten sich die beiden ans Fenster und riefen um Hilfe.


Feuer wütete im Eingangsbereich

"Wir hatten großes Glück, dass die Buben da waren", sagt Marietta Hüfner im Nachhinein. Die "Buben" sind die Partner ihrer Enkelinnen, 27 und 33 Jahre alt. Wegen der Feiertage waren alle vier Kinder ihres Sohnes Walter Hüfner gerade zu Besuch. "Wir haben die beiden rufen gehört und sind gleich raus gerannt", erzählen Martin Wahn und Markus Brust, beide im besten Mannesalter und hoch gewachsen. Wahn versuchte, die Tür einzutreten. Mit Erfolg, "aber da kam nur Rauch raus. Da wusste ich, so kommen wir nicht rein."

Auf der Rückseite des Hauses stand Albin Scherer am Fenster. Brust hob den 67-Jährigen einfach heraus. "Das war eine Sache von einer Minute." Viel mehr Zeit hätte er auch nicht gehabt, denn das Feuer breitete sich schnell aus und Scherers Schlafzimmer lag am nächsten zum Brandherd. Marietta Hüfners Zimmer dagegen befand sich drei bis vier Meter über der Erde. Also holten sich die beiden Männer eine Leiter und kletterten in das brennende Haus.


Fünf Feuerwehren waren im Einsatz

Doch die rettende Idee hatte Sohn Walter. Mit einem Frontlader holte er seine Mutter vor ihrem Schlafzimmerfenster ab. Brust und Wahn setzten die betagte Frau in die Schaufel und ab ging's in die Tiefe und in Sicherheit. "Wir hätten wahrscheinlich nichts mehr machen können", sagt Michael Krug, Kommandant der Brückenauer Feuerwehr. Denn als die Wehren aus Bad Brückenau, Oberbach, Riedenberg, Römershag und Wildflecken eintrafen, brannte das Dach schon lichterloh. Retter und Gerettete kamen ins Krankenhaus. Am 2. Weihnachtsfeiertag vergnügten sie sich aber schon wieder im Kreise der Familie.

Dieses abenteuerliche Weihnachtsfest, an dem zum Glück nichts Schlimmeres passiert ist, wird Familie Hüfner noch lange in Erinnerung bleiben. "Oma ist total ruhig geblieben", erzählt ihre Enkelin Marlena. "Wir haben unsere Heimat verloren. Das war schlimmer", sagt sie selbst dazu und meint nicht etwa das abgebrannte Haus, sondern die Vertreibung aus dem Sudetenland, die sie als Mädchen erleben musste. "So ein Haus kann man wieder aufbauen."

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