Als die Liste mit Baulücken und Leerständen auf der Leinwand erscheint, geht ein Murmeln
durch die Georgi-Kurhalle. 120 Vertreter der acht Gemeinden des Altlandkreises sind gekommen, um ihre Mitarbeit in der Brückenauer Rhönallianz zu demonstrieren. Die Zahlen zeigen deutlich, dass gemeinsames Handeln nötig ist, denn "bis 2020 haben wir einen Bevölkerungsverlust von 10 Prozent", sagt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) mit drastischen Worten. "Das entspricht etwa einem Ortsteil."

Der Leerstand ist da nur eine Herausforderung. Viele Auswirkungen des demografischen Wandels werfen jetzt schon ihre Schatten voraus: Ärztemangel im ländlichen Raum, keine Einkaufsmöglichkeiten mehr in den Dörfern und die Abwanderung junger Leute. "Wir müssen unsere Potentiale besser erkennen und gemeinsam nutzen", wirbt Meyerdierks. Deshalb gibt es die Rhönallianz. Und deshalb gibt es ILEK.
Die Abkürzung ILEK steht für "Integriertes ländliches Entwicklungskonzept" und heißt so viel wie "gemeinsam etwas auf den Weg zu bringen", wie Robert Bromma vom Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken erklärt. Wenn beispielsweise eine Gemeinde mit Leerstand kämpfe und die Nachbargemeinde schreibt ein großes Baugebiet aus, sei niemandem geholfen. Insgesamt 100 000 Euro lässt sich die Rhönallianz ihr ILEK kosten. Über ein Jahr hinweg begleitet das Planungsbüro Baader Konzept den Prozess. Laut Bromma fördern das Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken und die Regierung Unterfranken das Konzept zu 70 Prozent, 30 Prozent tragen die Kommunen selbst.
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Viele Herausforderungen, noch mehr Potenzial


/> Das Planungsbüro analysiert gezielt Stärken und Schwächen der Region. Der Expertenblick von außen ist wichtig, aber "das Detailwissen haben Sie vor Ort", stellt Sabine Müller-Herbers von Baader Konzept klar. Und dann geht es auch schon in die Gruppenarbeit. Jede Gemeinde listet ihre Potenziale und Herausforderungen auf. In drei Minuten - etwa so lange, wie ein Fahrstuhl vom Keller bis unters Dach unterwegs ist - präsentiert jede Gemeinde ihre Ergebnisse. Die Potenziale: gute Anbindung an die A 7, Natur, Tourismus, Heilquellen, Rhönkaserne, lebhaftes Vereinsleben und und und. Ein gewisser Stolz lässt sich bei allen heraushören, aber bei Walter Müller bleibt der Fahrstuhl stecken: Schier endlos ist die Liste der Vorzüge von Oberleichtersbach. Aber auch er muss zugeben: "Bei uns geht es mit dem Leerstand im Ortskern so langsam los."
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In Arbeitskreisen wird es konkret

/> Herausforderungen gibt es al so zur Genüge: Riedenberg wünscht sich schnelles Internet, Zeitlofs mahnt eine Lösung für die Bahnstrecke an - Motten dagegen für die B 27 - und Schondra will Schule und Arzt im Dorf halten. Die Atmosphäre ist locker und konstruktiv, immer wieder schallt Gelächter durch den Raum. Sogar ein eigener Flugplatz wird spaßeshalber vorgeschlagen. Gemeinsamen Handlungsbedarf sehen die Bürger vor allem bei den Themen medizinische Versorgung, erneuerbare Energie und Erhalt von Arbeitsplätzen. Den Winter über sollen sechs Arbeitskreise in jeweils zwei Sitzungen die wichtigsten Themen bearbeiten (siehe Infokasten). So bleibt der zeitliche Aufwand für die Bürger überschaubar - und das Konzept trotzdem nah an den Menschen vor Ort.