Die geliebte Uhr ist kaputt, der Staubsauger geht nicht mehr oder die Nähmaschine streikt? Zu schade, es wegzuwerfen, aber im Haushalt gib es keinen findiger Tüftler. Was nun? Für dieses Problem gibt es im Landkreis eine Lösung: Wenn nicht gerade Corona das öffentliche Leben bestimmt, finden zweimal im Jahr in Hammelburg und Nüdlingen die sogenannten Repair-Cafés statt.

Hannelore Rundell von der Ortsgruppe Nüdlingen und Elisabeth Assmann von der Kreisgruppe Bad Kissingen des Bund Naturschutz sind zuständig für die jeweiligen Veranstaltungen. Der Verein organisiert alles und lädt eine Gruppe Hobby-Reparateure aus Schweinfurt ein. Dann können Interessierte mit ihren kaputten Geräten und Gegenständen vorbeikommen und sie dort reparieren lassen.

Elektronik, Spielsachen, Holz oder Stoff: (fast) alles ist möglich

"Während die Gerätebesitzer warten, dass sie dran sind, können sie sich an Kaffee und Kuchen bedienen und sich mit den anderen Besuchern unterhalten", sagt Rundell. "Die Menschen geben ihr Gerät dann aber nicht einfach ab: Der Eigentümer und der Reparateur machen sich dann gemeinsam darüber."

Die Experten versuchen sich an allem Möglichen: elektronische Geräte, aber auch Spielsachen, Dinge aus Holz, Stoff oder Uhren. Manchmal sei auch ein Nähmaschinenspezialist mit dabei. Computer, Handys und Mikrowellen sind hingegen ausgeschlossen und einen Puppendoktor gibt es in dem Verein bisher auch noch nicht.

Reparaturen laufen dabei auf Spendenbasis

Die Reparaturen laufen dabei auf Spendenbasis, das Geld teilen sich am Ende der organisierende Verein und die Reparateure. Aber: "Wir wollen keine Konkurrenz zu den Firmen sein. Viele der Dinge, die die Leute bringen, sind sowieso Sammlerstücke" sagt Assmann. Rundell erinnert sich dabei an einen interessanten Gegenstand aus Nüdlingen: "Jemand hatte mal ein Grammophon mitgebracht und als es wieder ging, hatte der ganze Saal applaudiert. Das ist echt super, wenn man sieht, wie die Dinge auf einmal wieder funktionieren."

Georg Pfennig ist Ansprechpartner der Reparateursgruppe aus Schweinfurt. "Im Außendienst des Repair-Café Schweinfurt sind wir als Rentner mit zwei bis drei Personen im Einsatz bei Veranstaltungen", sagt er. Neben den Treffen im Landkreis Bad Kissingen, besuchen sie noch ein paar Orte in Schweinfurt. Er war damals vom Bund Naturschutz in Bad Kissingen angesprochen worden und kommt seither mit seiner kleinen Gruppe in die Region.

Von der russischen Öllampe bis zur Treppenliftanlage

"Was nicht vor Ort repariert werden konnte, wurde im ,Homeoffice' bearbeitet, wenn das möglich war. Schon der Ersatzteile und der Spezialwerkzeugen wegen", sagt Pfennig. Denn alles haben sie nicht dabei: "Sonst bräuchten wir einen ganzen Lkw." Er habe schon allerlei kaputte Dinge vor sich gehabt, darunter eine russische Öllampe oder die Treppenliftanlage einer gehbehinderten Frau.

Jedoch sind ihre Möglichkeiten begrenzt: "Etwa 50 Prozent der mitgebrachten Gegenstände konnten wir bisher reparieren, bei etwa 30 Prozent ist eine Reparatur nicht gelungen oder nicht möglich gewesen. Bei den restlichen konnten wir mit Ratschlägen bzw. Tipps weiterhelfen", sagt Pfennig. Bei umfangreicheren Reparaturen verweisen sie an Fachleute.

Initiative aus Holland

Das Reparaturcafé ist jedoch keine Erfindung dieser Region. Es geht auf eine Initiative in Holland zurück, deren Ziel es war, Treffpunkte einzurichten, in denen Nachbarn ihre defekten Gegenstände unter fachkundiger Anleitung und Begleitung reparieren. Das habe die Nebeneffekte, dass Wissen über Reparaturen wieder an die Gesellschaft getragen würde und damit auch erhalten bliebe. Zudem fördere es den sozialen Zusammenhalt vor Ort.

Hinzu kommt der Nachhaltigkeitsaspekt: "Uns geht es vor allem darum, nichts Neues zu kaufen, sondern altes zu reparieren. Immer, wenn etwas Neues hergestellt wird, verbraucht das Energie. Und das Alte, das weggeworfen wird, ist Müll", sagt Rundell. Zwar ist das Neukaufen leicht und billig, aber: "Das ist ja nur so billig, weil die Schäden, die dadurch entstehen, nicht in dem Preis mit drin sind." Damit sind beispielsweise die Schäden in der Natur gemeint, die durch den Rohstoffverbrauch bei der Neuproduktion von Dingen entstehen.

Westliche Gesellschaft ist auf Konsum ausgerichtet

Das sieht auch Reparateur Pfennig so: "Die westliche Gesellschaft ist auf Konsum ausgerichtet. Wir kaufen immer mehr und werfen entsprechend auch immer mehr weg. Die Nutzungsdauer unserer Luxusgüter wird immer kürzer." Jedoch hätten viele Menschen vergessen, dass sich Gegenstände oft ganz einfach reparieren lassen, wenn sie das Wissen dazu haben.

Daher laden die drei die Menschen ein, mit ihren Gegenständen beim nächsten Café vorbeizukommen - sobald Corona es erlaubt. Rundell ruft zudem auf: "Wenn örtlich Ansässige interessiert sind und reparieren können, laufen sie bei uns offene Türen ein. Wir freuen uns über jeden, der mitmacht."